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Facebook & Co: Zweite Dotcom-Blase

Es ist wie ein Deja vu: Firmen des Web 2.0 wie Facebook, Twitter, Groupon, Zynga oder Demand Media werden von den Investoren mit zig Milliarden bewertet. Alle streben mehr oder weniger zügig an die Börse, um sich frisches Kapital für ihre schnelle Expansion zu besorgen. Das erinnert sehr an die Anfänge der Dotcom-Blase Ende der 90er Jahre. Dann aber fiel der Neue Markt der Technologiewerte böse auf die Nase.

Heute veranstalten die Anleger wieder Wettrennen, zum Beispiel um Anteile am Sozialen Netzwerk Facebook, obwohl das US-Unternehmen bisher nur auf außerbörslichen Handelsplattformen zu haben ist. Mit seinen mehr als 500 Millionen Nutzern bietet das von Jung-Milliardär Mark Zuckerberg gegründete Unternehmen ein enormes Werbe-Potenzial. Zwar sei der Nutzen dieser Werbung begrenzt, solange nicht klar sei, wie effizient sie die Kunden erreicht, sagt Marc Umber, Juniorprofessor bei der Frankfurt School of Finance. Mit Facebook zeige sich aber, dass die Anleger mehr als zehn Jahre nach dem Platzen der Spekulationsblase wieder empfänglich für neue Geschäftsideen seien und Vertrauen in eine blühende Entwicklung setzten. Den Weg bereitet hat Internet-Riese Google. “Der Konzern hat bewiesen, dass man neue Märkte schaffen kann”, so Umber.

Marc Castedello, Partner bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG, warnt vor Tendenzen, wie sie im Jahr 2000 zu beobachten waren. Es stelle sich die Frage, wie nachhaltig manche Internet-Geschäftsmodelle seien. In diesen Fällen hält er eine Investition für sehr riskant. Doch seien die Anleger weltweit derzeit auf der Suche nach Investitionen, die eine hohe Rendite versprechen.

Trotz der anhaltenden Jagd nach möglichst hohen Gewinnchancen, wollen sich die wenigsten Experten darauf festlegen, dass bereits eine Spekulationsblase entstanden ist. “Das ist noch zu früh”, sagt Analyst Thomas Meyer von der Deutschen Bank. Auch er beobachtet außerordentlich hohe Bewertungen von jungen Unternehmen. Die betroffenen Firmen werden bisher aber kaum an der Börse gehandelt, wo ihre Kurse bei Problemen mit dem Geschäftsmodell in den Abgrund rauschen und andere mitreißen könnten. Als die erste Blase platzte, waren schon viele Konzerne auf dem Parkett unterwegs und damit anfällig für eine Ansteckung. Im Unterschied zu damals sei das Interesse an der Branche auch noch nicht sehr breit gestreut, sagt Meyer. Derzeit interessierten sich alle nur für die absoluten Marktführer.

“Man darf nicht vergessen, dass jeder die Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende noch in Erinnerung hat. Deswegen stehen Investoren heute bei hohen Unternehmensbewertungen auch unter großem Rechtfertigungszwang”, betont Meyer. Es müsse sich einfach zeigen, ob mit den Geschäftsmodellen genug Geld zu machen sei. Im Alltagsleben vor allem der jungen Generation spielen Facebook, Twitter und Co. bereits eine wesentliche Rolle. Längst nutzen auch Politiker die Plattformen für Wahlkämpfe, Unternehmen werben kräftig über sie und im Nahen Osten oder in Nord-Afrika werden Streiks und Aufstände mit ihrer Hilfe organisiert. Nun muss sich herausstellen, ob ihr Bekanntheitsgrad auch zu schwarzen Zahlen führt und die Unternehmen in der zweiten und dritten Reihe mit auf die Reise nimmt.

Unwahrscheinlich ist, dass eine deutsche Firma dabei eine führende Position übernimmt. Für das Online-Netzwerk StudiVZ, das zum Holtzbrinck-Verlag gehört, sieht die Zukunft schon jetzt nicht mehr so rosig aus wie vor einigen Jahren. Die VZ-Gruppe verliert stetig Nutzer an das weltweit rasant wachsende Facebook. Und Xing, deutscher Konkurrent von LinkedIn, wird es wohl nie über die nationale Bedeutung hinausschaffen.

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