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Experte: Reduktion von Kontakten Knackpunkt bei Virus-Eindämmung

Um das Virus schneller eindämmen zu können, müsse laut Popper auch die Anzahl der Freizeitkontakte reduziert werden.
Um das Virus schneller eindämmen zu können, müsse laut Popper auch die Anzahl der Freizeitkontakte reduziert werden. ©APA/GEORG HOCHMUTH
Ohne einer Reduktion bei den Freizeitkontakten wird eine Eindämmung des Coronavirus in Österreich nicht möglich sein, gibt Simulationsforscher Niki Popper zu bedenken.

Die Reduktion der Freizeitkontakte und Mobilität seien jetzt Knackpunkte für eine Eindämmung der rasant steigenden Corona-Infektionszahlen - "ohne dem wird man in der aktuellen Situation nicht auskommen", sagte der Simulationsforscher Niki Popper zur APA.

Die Modelle zeigen, dass man hier mit einer vernünftigen Reduktion wirklich gute Erfolge erzielen könne. Die Politik müsse aber jetzt schon überlegen, wie weit man mit den Zahlen herunterkommen wolle und was man weiter tue.

Bisherige Corona-Maßnahmen haben nicht wie erhofft gewirkt

Retrospektiv müsse man sagen, dass die Maßnahmen der vergangenen Wochen nicht so gewirkt haben, wie gehofft wurde, so der Wissenschafter von der Technischen Universität (TU) Wien. Ende September habe man eine minimale Mobilitätsreduktion gesehen, aber diese habe sich nicht fortgesetzt und sei nicht ausschlaggebend gewesen. Und die Kontaktzahlen in den Netzwerken hätten sich offensichtlich nicht entsprechend reduziert.

Ob Maßnahmen wie in Deutschland der richtige Weg sind, will Popper nicht beurteilen, "das ist vor allem eine politische Diskussion". Getan werden müsse jedenfalls etwas, "ob das jetzt Lockdown heißt, weiß ich nicht, das ist ja auch nicht sehr exakt definiert".

Popper: Reduktion von Freizeitkontakten ist Knackpunkt

In den Simulationsmodellen sehe man aber, wie unterschiedliche Maßnahmen wirken. Und da zeige sich, dass man durch eine Kombination von Maßnahmen und der Einschränkung der Freizeitkontakte (Popper: "darunter fällt bei uns im Modell leider vom gemeinsamen Treffen, über Sport und Hobbys mit Anderen vieles, wo wir uns austauschen und was wir gerne machen"), dass man das Infektionsgeschehen schnell in den Griff bekommen kann.

"Ohne diese Einschränkung der Freizeitkontakte ist es in der aktuellen Situation sehr schwierig. Da kann man die Situation nur stabilisieren, aber einen weiteren starken Anstieg nur schwer eindämmen", so Popper. Die Frage sei, wie man ein Mittelmaß finde, das ein möglichst normales Leben ermöglicht, aber dennoch die Dynamik bricht - jetzt gilt es schnell und kurzfristig die Zahlen herunter zu bekommen.

Maßnahmen wie Homeschooling oder Homeoffice hätten ebenfalls einen reduzierenden Einfluss auf das Infektionsgeschehen, würden aber in Relation zu den Freizeitkontakten im Modell als einzelne Maßnahme eine geringere Rolle spielen. Die Summe aller Maßnahmen macht es aus. Speziell bei Schulschließungen müsse man sich auch die Frage stellen, inwieweit und wo das gesellschaftlich zumutbar sei.

Testen, Tracen und Isolieren muss weitergehen

Neben der Kontaktreduktion hält es Popper auch für entscheidend, das Testen, Tracen und Isolieren aufrecht zu erhalten, auch wenn es bei höheren Infektionszahlen überproportional schwieriger werde. Dass die Aufklärungsrate in letzter Zeit stark sinke, sei ein Zeichen, dass das Testen und Nachverfolgen nicht mehr gut funktioniere.

"Da ist die Frage, wie wir es schaffen, dafür in Zukunft, mehr Ressourcen zu haben - denn es ist ein Irrglaube, dass man das ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr braucht", so der Experte. Denn wenn der Gegendruck durch Testen, Tracen und Isolieren wegfalle, beschleunige sich der Anstieg noch einmal schneller. Das dürfte auch jetzt einer der beitragenden Effekte der vergangenen Tage gewesen sein - das müsse man in der nächsten Zeit genauer analysieren.

Neue Maßnahmen werden erst in zwei Wochen Ergebnisse zeigen

Natürlich sei es nicht sinnvoll, Kontakte von Personen nachzuverfolgen, die schon vor zehn Tagen positiv getestet wurden. "Gebraucht wird da eine intelligente Strategie. Aber selbst wenn ich nur zehn Prozent nachverfolge und schnell raushole ist das ein dämpfender Faktor, der häufig unterschätzt wird", sagte Popper.

Klar sein müsse auch, dass nun getroffene Maßnahmen erst in ein bis zwei Wochen greifen. "Da muss sich die Politik jetzt schon prospektiv überlegen, wie weit wollen wir eigentlich runterkommen mit den Infektionszahlen und wie gehen wir dann weiter damit um", so Popper. Sonst komme man in Folge wieder in die gleiche Spirale, "man darf nicht glauben, dass man mit einer Reduktion ohne Folgestrategie - speziell im bevorstehenden Winter - wieder für Monate Ruhe hat."

Aktuelle Corona-Lage in Österreich

(APA/Red)

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