Experte: Kohle-Ausstieg nur mit Gas möglich

Der hohe Gaspreis lässt den Kohleverbrauch ansteigen.
Der hohe Gaspreis lässt den Kohleverbrauch ansteigen. ©pixabay.com
Der hohe Gaspreis lässt die Nachfrage nach Kohle boomen. Für Energiemarkt-Experten Johannes Benigni ist aber ein Ausstieg aus der Kohle nur über Erdgas möglich.

Der Energiemarkt-Experte Johannes Benigni hält den gleichzeitigen Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern für unrealistisch. Die "Ideologie" verunsichere Investoren, sagte Benigni am Montag im "Ö1 Journal um acht". Das sei neben dem Wirtschaftsaufschwung ein Grund für den Gaspreisanstieg. Russland liefere nicht weniger Gas als früher, habe sich aber neben Europa auch andere Märkte gesucht, nachdem es in der Vergangenheit beim Preis unter Druck gesetzt worden sei.

Die Idee, "dass man Energie in einer grünen Form jederzeit zur Verfügung haben möchte", sei "eine ideologische Aussage", sagte Benigni. Zwei Drittel der Energieversorgung basiere auf fossilen Energieträgern, ein weiteres Zehntel auf Atomkraft.

Nachfrage nach Kohle boomt

"Das heißt, man muss einmal schauen, dass man die wegbekommt, die am meisten CO2 emittieren, das ist Kohle. Und das werden Sie nur schaffen, wenn Sie in der gleichen Zeit, abgesehen jetzt von Photovoltaik und Wind, investieren in jene Fossilen, die weniger CO2 emittieren, wie Gas."

Wenn man Investoren signalisiere, dass man aus fossilen Energieträgern aussteigen will, und dass sie für solche Investitionen an den Pranger gestellt werden könnten, dann sei das problematisch. Derzeit boome die Nachfrage nach Kohle, weil der Gaspreis sehr hoch sei. "Wenn wir es aber schaffen, dass Gas billiger ist, dann kann man wegkommen von Kohle und damit reduzieren wir effektiv CO2."

Russland dreht am Gashahn

Russland habe früher seinen Gaspreis an andere Energieträger wie Öl gekoppelt, erklärte Benigni. Weil es in den letzten Jahren zu viel Gas auf Markt gegeben habe, sei der Gaspreis gefallen, aber der langfristig vereinbarte russische Gaspreis sei vergleichsweise hoch gewesen. Deshalb sei Russland von europäischer Seite unter Druck gesetzt worden, die Preisformel zu ändern.

"Das hat dazu geführt, dass Russland sich andere Energiemärkte gesucht hat, die zum Beispiel größere Verträge jetzt abgeschlossen haben, zusätzlich mit der Türkei und China", sagte Benigni. Das heißt, Russland produziert oder liefert jetzt nicht weniger aus als es soll, sondern es hat in diesen Spotvolumen, die es liefert, einfach andere Märkte auch noch."

(APA/red)

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