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Ex-Grüner Chorherr eröffnet Bäckerei in Wien-Leopoldstadt

Christoph Chorherr, gemeinsam und Bäcker Helmut Gragger haben eine Bäckerei eröffnet.
Christoph Chorherr, gemeinsam und Bäcker Helmut Gragger haben eine Bäckerei eröffnet. ©APA/ROLAND SCHLAGER
Im Wiener Nordbahnviertel werden in der Bäckerei des Ex-Politikers Christoph Chorherr bereits die Öfen beheizt. Das "Soft-Opening" findet am 4. Dezember statt, täglich sollen 300 Kilo Brot über die Theke wandern.
In der Chorherr-Bäckerei

Die Öfen sind schon betriebsbereit, der Brotduft fehlt aber noch: Nächste Woche startet der frühere Planungssprecher der Wiener Grünen, Christoph Chorherr, gemeinsam mit Bäcker Helmut Gragger seine gemeinnützige Holzofenbäckerei in der Leopoldstadt - Kaffeehausbetrieb inklusive. "Entzugserscheinungen" von der Politik habe er nicht, versichert er der APA bei einem Vorab-Besuch in der Backstube.

Die "Gragger & Chorherr Holzofenbäckerei" findet man in der Schweidlgasse 25 und damit mitten im neu bebauten Nordbahnviertel. "Ich wollte nicht dort sein, wo alle sind - also im 1., 6. oder 7. Bezirk. Hier gibt es weit und breit keine Bäckerei", erklärt Chorherr, der im Februar nach 27 Jahren der Kommunalpolitik den Rücken gekehrt hat. Der "Soft Opening"-Betrieb startet mit 4. Dezember - eine Art Testlauf unter Echtzeitbedingungen. Reguläre Eröffnung ist dann am 10. Dezember, einen Tag darauf richtet man ab 16.00 Uhr ein großes Eröffnungsfest aus. Die Öffnungszeiten sind ab dann Dienstag bis Sonntag, 7.00 bis 20.00 Uhr. Montags gönnt man sich einen Ruhetag.

Holz-Backöfen sollen Bio-Brot backen

Im noch spärlich dekorierten Brotgeschäft stehen neben dem Verkaufstresen die Herzstücke von Chorherrs neuer beruflicher Heimat: zwei Ozelot-Backöfen, vier Tonnen das Stück und mit Scheiten befeuert. "Am Donnerstag haben wir das erste Mal gebacken. Hat alles funktioniert", meint Gragger, der in Wien bereits mit vier Filialen und immer wieder auf diversen Märkten präsent ist. Sechs Sorten Bio-Brot will man vorerst anbieten, dazu sechs Sorten Gebäck und eine Handvoll Plundererzeugnisse.

Was den beiden Unternehmern wichtig ist: Alle Backschritte werden am Standort gemacht - vom Mischen der Zutaten über das Kneten des Teiges bis hin zum eigentlichen Backen. Im Sitzbereich werden außerdem klassische Frühstücksvarianten, Kaffee und Getränke serviert. Am Abend soll es Brot und Wein geben. Die Karte sei noch nicht ganz fertig, sagt Chorherr. Warme Küche ist derzeit nicht geplant, "aber dass vielleicht da und dort ein Schweinsbratl in den Holzofen kommt, dementiere ich jetzt nicht allzu heftig". Gleich beim Eingang ist außerdem ein großzügiger Bereich mit Stehtischen eingerichtet. Das hält der Neo-Unternehmer für ungezwungener und kommunikativer als das Sitzen bei Tisch.

Chorherr oft in der Bäckerei anzutreffen

Etwas verwaist wirken auch noch die beiden Bücherregale in der Mitte des Raumes. Sie sollen mit Exemplaren aus der umfassenden Bibliothek von Chorherrs verstorbenem Vater, dem früheren "Presse"-Chefredakteur Thomas Chorherr, bestückt werden, um Gäste zum Schmökern zu animieren. Ein paar Laufmeter Lesestoff hat der Sohn schon in die Bäckerei übersiedelt. Dort wird man den Miteigentümer übrigens immer wieder selbst antreffen, "auch wenn ich jetzt nicht im Dienstradl drin bin".

Zwischen 700.000 und 800.000 Euro betragen die Investitionskosten laut Chorherr. Neben Geld aus der eigenen Tasche hat man auch ein Crowdfunding durchgeführt und einen Kredit aufgenommen. 20 Mitarbeiter, davon drei Bäcker und ebenso viele in Ausbildung, werken vorerst für das Unternehmen, das gemeinnützig agiert. Das heißt: "Die Eigentümer nehmen keine Gewinne heraus, alles fließt ins Unternehmen", beschreibt der Ex-Politiker das Konzept: "Ich will keinen Wachstumszwang." Außerdem sollen im Betrieb Personen ausgebildet werden bzw. dort arbeiten, "die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind" - also etwa Flüchtlinge, ältere Arbeitslose oder Menschen mit Beeinträchtigung.

"Brotradl" in Wien unterwegs

Gragger rechnet damit, dass pro Tag bis zu 300 Kilogramm Brot und Gebäck über den Ladentisch gehen. Wobei nicht nur in der Filiale verkauft wird. Als mobiler Verkaufsstand ist derzeit bereits ein "Brotrad" unterwegs, ein zweites und eventuell sogar drittes soll kommendes Jahr folgen. Und es gibt auch schon zahlreiche Lieferanfragen aus der Gastronomie.

Ob Chorherr trotz all der Freude über das neue Projekt die Politik kein bisschen vermisst? "Am Anfang habe ich schon geglaubt, ich krieg' den Blues", räumt das grüne Urgestein, das am 9. Dezember seinen 59. Geburtstag feiert, ein: "Aber Aufhören heißt Aufhören." Das Schöne an seiner jetzigen unternehmerischen Tätigkeit sei: "Man muss keine Kompromisse schließen und auf keine Gremien Rücksicht nehmen. Und wenn etwas nicht funktioniert, ist man selber schuld - und nicht der Wähler, der Koalitionspartner, die Bundesländer oder eine Bürgerinitiative."

Keine Sehnsucht zur Politik

Er habe "keine Entzugserscheinungen" - selbst jetzt nicht, da die Grünen mit der ÖVP gerade in Koalitionsverhandlungen stecken. Zurufe oder Tipps könne man von ihm sowieso nicht erwarten, verspricht Chorherr. So viel will er aber schon sagen: "Als Staatsbürger wünsche ich mir sehr, dass diese Koalition zustande kommt."

(APA/red)

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