EVN und Verbund leisten wieder Winter-Stromhilfe für Deutschland

Erneut 935 MW "Kaltreserve" zur Netzstützung beim Nachbarn.
Erneut 935 MW "Kaltreserve" zur Netzstützung beim Nachbarn. ©Symbolbild/Bilderbox
Der niederösterreichische Versorger EVN und Österreichs führender Stromkonzern Verbund halten auch im kommenden Winter wieder Kraftwerks-Reserven für Deutschland bereit, um dort notfalls Stromengpässe zu vermeiden.

EVN wird erneut 785 MW aus seinen Gaskraftwerken Theiß und Korneuburg vorhalten, wurde der APA am Mittwoch vom Unternehmen bestätigt. Der Verbund kann erneut 150 MW aus seinem ölbetriebenen Fernheizkraftwerk Neudorf-Werndorf II als sogenannte “Kaltreserve” zur Verfügung stellen, hieß es zur APA, nachdem das benachbarte neue Gas-Kombikraftwerk Mellach für die Strom- und Fernwärmeproduktion für Graz im Einsatz steht. Zusammen geht es um eine Leistung von rund 935 Megawatt (MW).

“Kritischen Netzsituationen vorbeugen”

Gesichert hat sich die Austro-Reserven Tennet, der größte der vier deutschen Übertragungsnetz-Betreiber. Man habe mit den beiden Versorgern Verträge über die Bereitstellung der genannten Menge als “Sicherheitspuffer” geschlossen, gab Tennet am Mittwoch in Düsseldorf bekannt. Damit könne Tennet “kritischen Netzsituationen vorbeugen und den stabilen Betrieb des Höchstspannungsnetzes aufrechterhalten”, so Tennet-Chef Martin Fuchs laut Reuters.

Für den kommenden Winter bleibe die Situation für Stromnetze und Versorgung angespannt, begründete Tennet den Schritt. Erst mit einem Ausbau der Netze werde sich die Lage entspannen. Das Versorgungsgebiet von Tennet grenzt im Süden auch an Österreich. Tennet hatte bereits im vergangenen Winter von hier Kapazitäten angefordert, um Engpässe in Deutschland zu vermeiden.

Deutschland Jahrzehnte von österreichischem Strom abhängig?

Bei einem Wien-Besuch vor zwei Wochen hatte Tennet-Chef Fuchs gesagt, er gehe davon aus, dass Deutschland nicht nur vorübergehend, sondern noch “für die nächsten 50 Jahre” Strom-Lieferungen aus Österreich zur Unterstützung in der Energiewende brauchen kann. Dabei handle es sich nicht nur um eine Aushilfe, sondern um eine Symbiose, so Fuchs damals: “Die Kaltreserve aus Österreich im vergangenen Winter war notwendig, weil es vor allem um Strom an der Südgrenze Deutschlands gegangen ist.” Nötig war die Unterstützung durch die ersten AKW-Abschaltungen des Atomausstiegs.

Die deutsche Bundesnetzagentur, die die Übertragungsnetzbetreiber beaufsichtigt, hatte die Bereitstellung zusätzlicher Kraftwerkskapazitäten für den Winter eingefordert. In den kalten Monaten kann es Probleme geben, wenn der Verbrauch höher ist, gleichzeitig aber die Energiegewinnung aus Solaranlagen eingeschränkt ist und sich bei einer Flaute auch keine Windräder drehen. Ältere Kohle- und Gaskraftwerke sollen dann als Reserve dienen.

(APA)

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