Europa hartes Pflaster für die NFL

Deutschland durch Vollmer im Super Bowl vertreten
Deutschland durch Vollmer im Super Bowl vertreten
Die NFL versucht seit Jahren, in Europa Fuß zu fassen. Die Super Bowl XLIX am Sonntag (00.30 Uhr in der Nacht auf Montag/live Puls 4) ist eine weitere Chance, neue Fans zu gewinnen. Mehr als 100 Millionen US-Amerikaner werden das Finale zwischen Titelverteidiger Seattle Seahawks und den New England Patriots im TV verfolgen. Im Rest der Welt dürften es weniger sein.


In Österreich hat das Interesse an der US-Profiliga in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Der Privatsender Puls 4 überträgt jeden Sonntag ein Spiel live. “Die Leute beschäftigen sich mehr damit, auch in die Tiefe”, meinte Michael Eschlböck, der Präsident des heimischen American-Football-Verbandes (AFBÖ). Das belegen auch die wöchentlichen TV-Quoten.

“Man sieht von Jahr zu Jahr Steigerungen bei den Zahlen”, erklärte Eschlböck. Laut Senderangaben waren es in den vergangenen vier Jahren insgesamt 76 Prozent. Das Conference-Finale zwischen Seattle und Green Bay am Sonntag vor einer Woche verzeichnete durchschnittlich 66.000 Seher. Die Super Bowl verfolgten im vergangenen Jahr trotz nächtlicher Stunde durchschnittlich 61.900 Zuschauer auf Puls 4.

Dazu kommen auch in Österreich immer mehr Super-Bowl-Partys – öffentlicher wie privater Natur. “Das ist für viele der erste Anknüpfungspunkt mit Football”, sagte Eschlböck. “Es ist wie das Auswerfen eines Netzes.” Durch den Eventcharakter mit Halbzeit-Show – diesmal treten die Popstars Katy Perry und Lenny Kravitz auf – würden auch Menschen angesprochen, die sich sonst weniger mit Sport auseinandersetzen.

In Europa hat sich die NFL bisher vor allem in Großbritannien breitgemacht. Seit 2007 findet jährlich zumindest ein Spiel im Londoner Wembley-Stadion statt. Selbst über die Installierung eines eigenen Teams wird nachgedacht, war doch bisher jede Partie ausverkauft. “Mindestens die Hälfte der Zuschauer kommt aber nicht aus Großbritannien, sondern aus Resteuropa”, erinnerte Eschlböck. “Für viele ist das eine einmalige Sache.”

Für anhaltendes Interesse bedürfe es auch einheimischer Bezugspersonen. Deutschland etwa ist für die NFL der nächste Zielmarkt in Europa. Die Deutschen sind durch New Englands Offensive-Line-Star Sebastian Vollmer sogar in der Super Bowl vertreten. Wenngleich die nördlichen Nachbarn das volle Potenzial daraus noch nicht ausgeschöpft haben. Eschlböck: “Daraus könnte man mehr machen.”

Auch Österreich ist mittlerweile mit einer Handvoll College-Spielern in den USA vertreten. Davon am weitesten ist der Wiener Aleksandar Milanovic, der in sein viertes und letztes Jahr bei Sacramento State geht. Mit Thomas Schaffer könnte erstmals auch ein Österreicher bei einem absoluten Spitzen-College unterkommen. Der High-School-Spieler kann aus Angeboten so renommierter Football-Unis wie Oregon und Stanford auswählen, die als Sprungbrett in die NFL gelten.

Auf dem alten Kontinent versucht Laurinho Walch kommende Saison als Profi beim deutschen Zweitligisten Frankfurt Galaxy sein Glück. Der Club trägt den Namen des früheren Teams des NFL-Ablegers “NFL Europe”. Das Projekt ist vor acht Jahren gescheitert, mittlerweile beschreiten die Amerikaner neue Wege, um ihren Sport auch in Europa populärer zu machen, vergessen dabei aber auch auf kulturelle Unterschiede. “Manchmal sind sie ein bisschen beratungsresistent”, meinte Eschlböck.

Immerhin funktioniert das Produkt in den USA. Die NFL ist die umsatzstärkste der vier großen Profiligen. Die Super Bowl ist ihr Kronjuwel. Ein 30-sekündiger Werbespot während der Übertragung auf NBC kostet in diesem Jahr 4,5 Millionen Dollar (ca. 4 Mio. Euro).

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