Euro-Schuldenkrise treibt Anleger wieder stärker in den Franken

Die Euro-Schuldenkrise treibt internationale Anleger verstärkt in den sicheren Hafen Schweizer Franken. Zum ersten Mal seit zehn Wochen sank der Kurs des Euro am Dienstag unter 1,30 Franken.

Die Schweizer Währung dürfte zum Euro Schritt für Schritt weiter zulegen, wenn die Angst vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf Portugal und Spanien anhält und diese beiden Länder weiterhin hohe Risikoprämien für ihre Staatsschulden zahlen müssen, erklärte der Devisenexperte Armin Mekelburg von UniCredit. Es sei derzeit wenig wahrscheinlich, aber nicht auszuschließen, dass der Euro in Sichtweite der Marke von 1,25 Franken kommen könnte, etwa wenn Ratingagenturen die Schuldnerqualität europäischer Länder zurückstufen.

Auf jeden Fall spreche wenig dafür, dass sich die Einheitswährung demnächst erholen könnte, erklärte der UBS-Devisenexperte Reto Hünerwadel. Chartexperten der Commerzbank siedelten eine letzte Euro-Verteidigungslinie bei 1,2994 Franken an. Halte die nicht, könnte die Einheitswährung auf ihre August-Tiefkurse von knapp unter 1,28 Franken abrutschen. Kurz vor Mittag notierte der Euro wieder marginal über 1,30 Franken.

Bisher hat der starke Franken die Schweizer Exporte nur wenig beeinträchtigt. Aber Importgüter werden billiger, und angesichts der bereits niedrigen Inflationsrate sind deflationäre Tendenzen nicht auszuschließen. Im Frühjahr hatte die Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Franken-Aufwertung durch massive Interventionen im Devisenmarkt zu bremsen versucht. Das hatte ihr aber auch die Kritik eingebracht, Interventionen seien letzten Endes nutzlos und die hohen Euro-Bestände in der SNB-Bilanz stellten ein großes Risiko dar. Die SNB erklärte Anfang November, sie werde alle notwendigen Maßnahmen zur Sicherung der Preisstabilität ergreifen, falls sich die Gefahr einer Deflation wieder einstellen sollte.

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