AA

EURO 08: Keine Robot-Helfer für Polizei und Ordner

Polizei und Ordner werden im kommenden Juni bei der EURO 2008 großteils ohne Robot-Helfer auskommen müssen. Das sagte der EURO-Projektkoordinator im Innenministerium, Günther Marek, bei einem Expertengespräch in Wien.

Anders war das bei der WM 2006 in Deutschland: In Berlin wurden rund 20 mobile Überwachungsroboter eingesetzt, wie Peter Schmiedtchen, Notfallspezialist des Sicherheitsunternehmens Dräger, berichtete. Doch die Einsatzmöglichkeiten der Maschinen sind sehr begrenzt, schränkte er ein. „Ein nicht-martialisches Auftreten bekommen Sie mit Robotern nicht hin“, sagte Schmiedtchen. Aber man könne die Geräte mit spezieller Sensorik in unzugänglichen Bereichen oder zur Nachtzeit verwenden. Oder eben, wie es auch bei der heimischen Exekutive der Fall ist, zur Bergung von Sprengkörpern.

Fußballfans würde das nicht stören, meinte Andy Marek, Leiter des Klubservice beim SK Rapid. Im Gerhard Hanappi-Stadion habe der Einbau einer modernen Videoüberwachungsanlage zu einem Aufschrei der Fans geführt, nach dem Orwell’schen Motto: „Big Brother is watching you.“ Nach dem Hinweis, dass nicht zuletzt das Fanverhalten zu dem Einbau geführt habe bzw. die Zugangsströme leichter umgeleitet werden könnten, lernte der grün-weiße Anhang damit zu leben: „Jeder Fan, der Woche für Woche in Stadien fährt, hat sich daran gewöhnt, dass Kameras da sind.“

Andy Marek räumte ein, dass der Einfluss der Vereine auf die eigenen Fans begrenzt sei. „Sie sind schon mündige Leute.“ Als Beispiel nannte er, dass etwa Transparente expliziten Inhalts auf Aufforderung vom Zaun genommen würden, es dann aber schon passieren könne, dass sie in der vierten Reihe auf Stangen in die Höhe gehalten werden.

Ebenso dürfe man sich die Fans nicht als eine homogene Gruppe vorstellen, so der Klubservice-Leiter. Als Beispiele brachte er die 80-jährige Frau, die in Zusammenhang mit eher ausgiebigen Choreografien mit verbotenen bengalischen Fackeln meinte: „Schön war’s, was die Buben wieder gemacht haben.“ Oder der Manager eines Wirtschaftsunternehmens, der unter der Hand den vom Verein nicht vertriebenen Schal organisiert haben wollte, auf dem dem Stadtrivalen alles erdenklich Schlechte an den Hals gewünscht wird.

Oft sei es nur ein Zufall, ob etwas passiert oder nicht. Andy Marek sprach von einer kritischen Situation beim jüngsten Derby bei der Wiener Austria im Franz Horr-Stadion, als ein mit Stadionverbot belegter Rapid-Fan einen Rauchtopf in Richtung Gäste-Tribüne warf. Der grün-weiße Anhang vermutete, dass Austria-Fans in den Sektor kommen würden, und wollte auf die vermeintlichen Gegner losstürmen. Andy Marek selbst, einen szenekundigen Polizeibeamten, sowie zwei weiteren Rapid-Mitarbeitern gelang es gerade noch, die Situation aufzuklären. Dennoch: „Es darf nicht sein, dass beim Derby im März aus einem nichtigen Anlass und einem Missverständnis heraus die Bänke fliegen“, sagte Andy Marek.

Auf Prognosen für die EURO ließ sich Günther Marek naturgemäß nicht ein. Aber einige Beobachtungen, etwa bei der WM, stimmen ihn recht zuversichtlich: „Die meisten Probleme hatten die Deutschen mit den eigenen Leuten.“ Aber im internationalen Vergleich, auch wenn hie und da 40 Linzer gegen 40 Salzburger zur Schlägerei antreten, „sind mit den Problemen, die wir haben, eine Insel der Seligen“.

Klar sei auch, so Günther Marek, dass viel davon abhänge, ob sich England für die EURO qualifiziert oder nicht. „In Köln sind in einer Nacht vor einem Spiel 60.000 Engländer eingefallen. Das ist schon ein logistisches Problem, aus dem ein Sicherheitsproblem werden kann.“

  • VIENNA.AT
  • Fussball EM 2008
  • EURO 08: Keine Robot-Helfer für Polizei und Ordner
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen