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EU-Wahl 2024: Steckbrief von Reinhold Lopatka (ÖVP)

ÖVP-Spitzenkandiat Reinhold Lopatka im Portrait.
ÖVP-Spitzenkandiat Reinhold Lopatka im Portrait. ©APA/ROBERT JAEGER
Reinhold Lopatka geht als Spitzenkandidat der ÖVP in die EU-Wahl am 9. Juni 2024. Alle Infos im Steckbrief.
Lopatka ist ÖVP-Spitzenkandidat
Fahrplan zur EU-Wahl

Er ist die Antithese zum alten Box-Gesetz "They never come back": Reinhold Lopatka kehrt stets in die Höhen seiner Volkspartei zurück. Vermeintlich am Weg in die Polit-Pension wurde der 64-Jährige Spitzenkandidat der ÖVP für die EU-Wahl. Erstmals muss sich der Ost-Steirer damit selbst an der Spitze dem Wahlvolk präsentieren. Berühmt wie berüchtigt geworden war er vor einem Vierteljahrhundert für die Organisation erfolgreicher Wahlkämpfe.

Vernetzungskünstler mit vielen Posten

In den vergangenen Jahren hatte die österreichische Öffentlichkeit nicht mehr allzu viel von Lopatka mitbekommen, war man nicht in seinem Wahlkreis daheim. Da konzentrierte sich der vormalige Generalsekretär und Klubobmann ganz auf seine Aufgabe als außenpolitischer und EU-Sprecher des schwarzen Parlamentsklubs, in der er nebenbei Funktion um Funktion sammelte.

Um nur eine kleine Auswahl zu nennen: Lopatka ist Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE und Präsident des Koordinationsmechanismus der UNO für Parlamentarische Versammlungen gegen Terrorismus.

Zu so vielen Posten kommt man nicht ohne Fleiß - und für den ist der studierte Jurist und Theologe berühmt. Lopatka gilt nicht nur als Vernetzungskünstler sondern auch als jemand, der von sehr früh bis sehr spät arbeiten kann und will. Dass sich daneben noch mehr als 100 Marathonläufe für den Vater von drei erwachsenen Söhnen ausgingen, ist beachtlich.

Lopatka wurde zu seinen Studententagen als ein Sprecher der Friedensbewegung dem linken Flügel der Volkspartei zugerechnet, was heute nur noch schwer vorstellbar ist. Kaum einer steht so wie er für die Öffnung der ÖVP in Richtung der Freiheitlichen.

"Dirty Campaigning" und Posten-Poker: Meister der politischen Intrige

Das ist es jedoch nicht, was den Schwarzen bei der Konkurrenz zum "roten Tuch" macht. Lopatka wird vorgehalten, ein Meister der politischen Intrige zu sein. "Dirty Campaigning" war ihm, der stets dreinblickt, als könnte er kein Wässerchen trüben, ebenso wenig fremd wie riskante Posten-Poker. Loyalität galt stets der eigenen Partei, weniger einer eingegangenen Koalition.

Sein erstes Meisterstück gelang Lopatka, der schon mit Mitte 20 in den Landtag eingezogen war, bei der steirischen Landtagswahl im Jahr 2000, als er die Volkspartei zu einem elfprozentigen Zuwachs managte. Das machte ihn für die Bundespartei attraktiv. Wolfgang Schüssel holte Lopatka als Bundesgeschäftsführer nach Wien, wo er mit einem deftigen Anti-Gusenbauer-Wahlkampf die ÖVP erstmals seit Jahrzehnten an die Spitze der Wählergunst führte.

Die Erfolgswelle brach bei der Wahl 2006, die Volkspartei musste als Juniorpartner in die große Koalition und Lopatka blieb nur ein Staatssekretariat, zunächst für den Sport, später - mit wieder gewonnener Bedeutung - für Finanzen. Als Michael Spindelegger die ÖVP übernahm, schien es mit Lopatka politisch bergab zu gehen. Er musste das Kabinett räumen und sich in den mittleren Reihen des Parlamentsklubs niederlassen.

Fokus auf Internationales während Kurz-Ära

Doch Spindelegger überlegte es sich recht rasch anders und holte Lopatka nach nicht einmal eineinhalb Jahren zurück und das sogar direkt an seine Seite als Staatssekretär im Außenministerium. Ende 2013 wurde er Klubobmann der Volkspartei und navigierte deren Fraktion durch eine schwierige, weil ungeliebte große Koalition. Dass er der SPÖ dabei das Leben leicht machte, wird keiner der damals Beteiligten behaupten.

Lopatka festigte in dieser Phase seinen Ruf als Ränkeschmied, eroberte einige Abgeordnete des Team Stronach mit dem angenehmen Nebeneffekt, plötzlich eine schwarz-blaue Drohkulisse in der Hand zu haben. Die Rechnungshof-Spitze taktierte er für seine nähere Landsfrau Margit Kraker und schließlich hatte er eine führende Rolle in der Demontage Reinhold Mitterlehners, die ja die Inthronisierung von Sebastian Kurz zum Ziel und als Folge hatte.

Kurz freilich mochte mit Lopatkas Image nichts mehr anfangen, passte dieser doch nicht so recht in den vom neuen Obmann gelobten neuen Stil. Der Politfuchs nahm es hin und konzentrierte sich auf Internationales, was ihm etwa den Titel "Commendatore all'Ordine del Merito della Repubblica Italiana" als Würdigung seines Einsatzes für die österreichisch-italienischen Beziehungen einbrachte. Freilich blickt er auch über die größeren Teiche. Seit vielen Jahren ist er Präsident der österreichisch-australischen Gesellschaft.

Wiedersehen mit SPÖ-Spitzenkandidat Schieder

Was den EU-Wahlkampf angeht, heißt es für Lopatka: Man sieht sich im Leben nicht nur zwei, sondern manchmal auch drei Mal. Denn mit SPÖ-Spitzenkandidat Andreas Schieder saß Lopatka schon gemeinsam als Staatssekretär im Finanzministerium und man focht als Koalitions-Klubobleute auch diverse Sträuße aus. Bei dieser Wahl wäre es aus beider Sicht wohl klug, für einmal nicht nur aufeinander zu schauen, sondern auch einen Blick nach rechts zu werfen, wo die FPÖ mit Spitzenkandidat Harald Vilimsky die Umfragen anführt.

Zur Person: Reinhold Lopatka, geboren am 27. Jänner 1960 in Vorau, verheiratet, drei Söhne. Studium der Rechtswissenschaften und der Theologie, Doktor iur. Landesgeschäftsführer der ÖVP Steiermark 1993-2001, Klubobmann der steirischen ÖVP 2000-2003, Generalsekretär der ÖVP 2003-2007, Staatssekretär (für Sport) 2007-2008, (für Finanzen) 2008-2011, (im Außenministerium) (2012-2013), Klubobmann der ÖVP (2013-2017), Abgeordneter zum Nationalrat seit 2003 (mit Unterbrechungen durch Tätigkeit als Staatssekretär).

(APA/Red)

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