Essen aus dem Müllcontainer!

"Freeganer" holen sich nächtens das Essen aus dem Müllcontainer. Was dort alles landet, ist verwunderlich und zugleich erschreckend.  Stadtreportervideo: 

Haben Sie schon einmal im Müllcontainer nach Essen gesucht? Vermutlich nicht, und möglicherweise würden Sie es auch nie probieren, oder? „Freeganer“ oder „Freegans“ („freie Veganer“) jedoch wissen, welche Schätze fallweise „im Müll“ auf ihre Entdeckung warten. Laura und Mu sind zwei Freeganer, die ganz bewusst, gezielt und zur richtigen Zeit, nämlich mitten in der Nacht, losziehen, um gratis Essen zu besorgen. Große Supermärkte werfen nämlich einen großen Teil der angebotenen Lebensmittel, fast die Hälfte (!) insbesondere Obst und Gemüse, in den Müll, obwohl die Ware noch genießbar wäre. Die Gründe dafür liegen im System unserer „Wegwerfgesellschaft“, in der wirtschaftliches Kalkül und die Politik großer Lebensmittelkonzerne mehr zu zählen scheint, als Vernunft oder Respekt vor Nahrungsmitteln. Weder das Verschenken noch die vergünstigte Weitergabe an karitative Organisationen sind gestattet.

 Das „Tauchen im Müllcontainer“, die Suche nach organisiert weggeworfenem Essen, nennt sich auch „containern“, und ist eigentlich illegal. Die Müllcontainer sind manchmal verschlossen oder in abgesperrten Müllräumen, die mitten in der Nacht möglichst unauffällig durchstöbert werden. Der Ehrenkodex der Freegans verbietet es, den Schauplatz zu verwüsten oder Unordnung bzw. Spuren zu hinterlassen. Als Konsum- und Systemkritiker verstehen sich die Freegans als Menschen mit sozialer Verantwortung und Weitsichtigkeit.

Laura und Mu dringen in einen Müllraum ein, und widmen sich zwei Containern, die auch allerhand beinhalten. Innerhalb einer Stunde finden sich diverse Lebensmittel, die offensichtlich weder schimmlig noch verdorben sind, z.B.: Gurken, Semmeln, Vollkornbrot, Olivenbaguette, Kornspitz, Ananas, Paprika, Kürbis, Litschis, Weintrauben, Pfefferminze, Limetten, Sellerie, Avocado, Mandarinen , Mango, Champignons, Kolrabi, Liebstöckel, Äpfel, Birnen usw. Vor allem biologische und exotische Produkte landen gerne im Müllcontainer, weil ein „Verschleudern“ zum Billigpreis nicht rentabel genug wäre.

 Generell ist auch das Supermarkt- Phänomen der „Großpackung“ ein Grund dafür, dass frische Ware in den Müll wandert: Ist z.B. einer von sechs Äpfeln an einer Stelle braun, wirft man die ganze Packung weg. Für die beiden Freeganer wird die Nacht zum erfolgreichen Beutezug, denn sie finden mehr, als sie in ihren Reiserucksäcken und Taschen aufs Rad laden können. Gekauft und bezahlt hätte die Ware einen Wert von mehreren hundert Euro. Was die Hygiene betrifft, setzt man auf wählerische Selektion und gründliche Reinigung. Lauras und Mus Speiseplan ist sicherlich abwechslungsreicher und gesünder als im österreichischen Durchschnitt. Vor allem in Zeiten steigender Lebensmittelpreise und globaler Rohstoff- und Klimaproblematik zeigen die Freeganer, wie es möglich ist, sich billig, gesund und verantwortungsbewusst zu versorgen. Mehr Infos gibt’s auf www.freegan.at

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