Erste Group-Chef Treichl unter Druck

Alles fest im Griff? Andreas Treichl von der Erste-Group.
Alles fest im Griff? Andreas Treichl von der Erste-Group. ©APA
Erste Group-Chef Andreas Treichl kommt weiter unter Druck. Auslöser ist seine Aussage vom 29. September, wonach die Gewinnprognose für sein Institut weiter aufrecht ist - nicht einmal zwei Wochen später musste er einen Jahresverlust von bis zu 800 Mio. Euro einräumen.
Anzeige gegen Erste-Chef treichl
FMA ermittelt angeblich gegen Erste-Chef treichl

Dieser überraschende Schwenk beschäftigt mittlerweile die Finanzmarktaufsicht (FMA), nun kommt auch Kritik von SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter und dem Kapitalmarktbeauftragten der Bundesregierung, Ex-OMV-Chef Richard Schenz.

SPÖ-Kräuter hinterfragt Bilanzen der Erste Group

Kräuter fragt im aktuellen “News”, ob “im Lichte der jüngsten Abwertungen” die Bilanzen der vergangenen Jahre in Ordnung waren. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die erfolgsabhängigen Boni des Bankers. Treichl hat im Geschäftsjahr 2010 eine Gesamtvergütung in Höhe von 2,795 Mio. Euro erhalten.

Schenz wird im “WirtschaftsBlatt” (Donnerstag-Ausgabe) mit den Worten zitiert: “Die Aussagen innerhalb von 14 Tagen so zu ändern, ist ungewöhnlich. Die Bank braucht dafür schon gute Argumente, denn normal ist das nicht.” Und weiter: “Die FMA muss sich genau ansehen, warum es zuerst weiß war und dann schwarz wurde.”

Die “Presse” widmet sich heute der Abbildung der “Credit Default Swaps” (CDS) in der Bilanz. Die Analysten von Goldman Sachs und der Ratingagentur Fitch meinten demnach, dass die Erste Bank mit ihrer bisherigen Bewertungsmethode ziemlich alleine war. In Europa sei die Bewertung von CDS zu Marktpreisen üblich, betont Fitch. Die Sprecher von Bank Austria und Raiffeisen Bank International bestätigen das und versichern, dass sie ihre CDS-Positionen auch in der Vergangenheit zum Marktwert angegeben haben.

Bank-Sprecher beschwichtigt

Laut Bank-Sprecher Michael Mauritz sollen die adaptierten Bilanzen nächste Woche präsentiert werden. Seinen Angaben zufolge handelt es sich bei den von der Erste gehaltenen CDS “ausschließlich um Absicherungsinstrumente”. Sie seien nie zum Handel eingesetzt worden. “Wir haben Anleihen von Polen, Rumänien, Österreich, Brasilien etc. abgesichert”, sagt Mauritz. Weil die Wertpapiere bis zum Laufzeitende gehalten worden seien, seien sie in der Vergangenheit nicht zum Marktwert bilanziert worden. Erst am 28. Juli hätte das zuständige internationale Bilanzierungsgremium die Richtlinien geändert. Daraufhin habe sich die Bank entschlossen, eine Neubewertung vorzunehmen.

Mauritz räumte gegenüber der “Presse” ein, dass die Erste Group das CDS-Portfolio aus heutiger Sicht “sicherlich nicht ausreichend aktiv” kommuniziert habe. “Verschwiegen haben wir es aber nicht”, so der Sprecher.

Treichl muss um seinen Bonus fürchten

Dennoch könnte Erste Group-Chef Andreas Treichl nach der Neubewertung der Credit Default Swaps (CDS) möglicherweise um einen Teil seiner variablen Vorstandsgage erleichtert werden. Die veränderte Ertragslage der Erste Group veranlasse den Aufsichtsrat, die im Vorjahr bezahlten Vergütungen für Manager zu diskutieren, berichtet “Der Standard” (Freitagausgabe). “Selbstverständlich wird man sich den Bonus anschauen, der an den Vorstand ausgeschüttet wurde”, wird Heinz Kessler, Aufsichtsratschef der Erste Group, zitiert. Jedenfalls ist mittlerweile auch eine Anzeige gegen Treichl wegen Bilanzmanipulation bei der Staatsanwaltschaft (StA) Wien eingegangen. (APA)

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