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Erneute Schließung für Kinos der "blanke Wahnsinn"

Auch Kinos müssen ab Dienstag wieder geschlossen bleiben.
Auch Kinos müssen ab Dienstag wieder geschlossen bleiben. ©pixabay.com (Sujet)
Auch die Kinos müssen am Dienstag wieder ihre Türen und Säle schließen. Christian Dörfler bezeichnet das als "blanken Wahnsinn".

"Der blanke Wahnsinn" ist die erneute Schließung der Kinos für die Branche, wie Christian Dörfler, Präsident des Österreichischen Kinoverbands, am Sonntag gegenüber der APA sagte. Zwar sei er vom nunmehrigen Lockdown aufgrund der steigenden Infektionszahlen nicht überrascht, kritisiert aber - wie bereits andere Kollegen aus dem Kulturbereich - den bisherigen Umgang mit der Pandemieeindämmung.

Europaweit keine nachweislichen Ansteckungen im Kino

"Alle Statistiken zeigen, dass es in keinem einzigen Kino europaweit nachweislich eine Ansteckung gegeben hat, weil alle perfekte Maßnahmen gesetzt haben. Wenn man vorher stärker im Privatbereich - wo ja die meisten Ansteckungen stattfinden - eingegriffen hätte, hätte man sich das ersparen können", so Dörfler. Die Kinos hätten sich seit der Wiedereröffnung im Sommer "unter extrem schwierigen Bedingungen mühsamst zurückgekämpft", zumal aufgrund der verschobenen Blockbuster nur mit einem eingeschränkten Angebot aufgewartet werden konnte. "Aber auch zu Zeiten, wo es billiger gewesen wäre, zugesperrt zu bleiben, wollten wir für unsere Kunden da sein", so der Betreiber des Wiener Haydn-Kinos.

Besucherrückgang von 85 Prozent bis Ende September verzeichnet

Bis Ende September habe die Branche einen Besucherrückgang von 85 Prozent verzeichnet, zugleich wurde man trotz zahlreicher Gespräche in Bezug auf eine Sonderförderung stets vertröstet. So musste die Wiedereröffnung aus eigenen Mitteln bestritten werden, ein zweites Mal sei das nicht mehr denkbar. "Wir brauchen einfach auch eine Marketingunterstützung für die Branche. Wir können das nicht noch einmal selbst stemmen. Zugesperrt ist schnell, aber bis man wieder da ist, dauert es. Das ist die wahre Katastrophe."

Die angekündigte Entschädigung sei "eine gute Ansage, aber mittlerweile wissen wir, dass Ansagen schnell da sind. Wie das in der Praxis ist, muss man sich ansehen." Besonders wichtig sei es, die Hilfen nicht branchenübergreifend zu deckeln, sondern diese auf die Standorte herunterzubrechen. "Unbürokratisch und rasch ist wichtig", unterstreicht Dörfler, der auch einen gewissen "Stellvertreterkrieg" wahrnimmt. "Warum setzt man nicht dort an, wo man das Virus bekämpfen muss? Wieso durften die Kinos kein Popcorn mehr verkaufen, die Gäste aber während der Vorstellung selbst mitgebrachte Speisen verzehren?" Fazit: "Man hat in den vergangenen Monaten auf der falschen Seite begonnen." Es brauche auch eine Strategie, um den bereits begonnenen strukturellen Entwicklungen - Stichwort "Streaming" - entgegenzuwirken: "Wie das ausgeht, kann man nicht sagen."

Auch Produzenten und Verleihe betroffen

Auch der Fachverband der Film- und Musikindustrie (FAMA) hob in einer Reaktion gegenüber der APA die weitreichenden Auswirkungen der Schließung der Kinos hervor. Schließlich seien die Lichtspielhäuser unverzichtbare Partner der Filmproduzentinnen und -produzenten sowie der Verleihunternehmen. Der nunmehrige Lockdown bedeute somit "auch frustrierte Aufwendungen für die Filmbranche".

Wirtschaftlich gesehen sei der Filmstart der Zeitpunkt, an dem Investitionen in Produktion, Marketing und Vertrieb anfangen refinanziert zu werden: der Beginn der Verwertungskette. "Zugesperrte Kinos können Filme weder in Festivals präsentieren, noch im regulären Betrieb auswerten. Für Filme, die gerade in den österreichischen Kinos liefen und für neue, die im November starten wollten, gehen Ausgaben der Verleiher in Lizenzen und Vorbereitungen verloren", erläuterte FAMA-Referentin Monique A. Goeschl. Auch für den Filmverleih in Österreich bedeuten geschlossene Kinos einen 100-prozentigen Umsatz-Rückgang. "Es wäre wichtig, dass der soeben eingerichtete Umsatzersatz nicht nur für die direkt betroffenen Kinos gilt, sondern ebenso für die 1:1 mitbetroffenen Filmverleiher."

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(APA/Red)

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