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"Erleben, was bewegt"

Die Autobranche richtet mitten in der Krise den Blick nach vorn: Die weltgrößte Automesse, die 63. Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main, werde "die Antworten auf die Herausforderungen von morgen" geben, verkündet der Chef des Branchenverbands VDA, Matthias Wissmann.
Angela Merkel bei der Eröffnung
Impressionen von der IAA 2009

Tatsächlich aber ist die Schau gezeichnet von der Krise – ein Viertel weniger Aussteller sind dabei, auf deutlich weniger Fläche. Die Elektroautos, von denen sich die Branche einen Schub erhofft, sind noch Zukunftsmusik. Dennoch setzt die Industrie große Erwartungen in die IAA und sieht Anzeichen für ein Ende der Talfahrt – trotz Auslaufens der Abwrackprämie.

Rund 750 Aussteller aus aller Welt wollen in diesem Jahr kommen. Bei der IAA 2007 waren es allerdings noch knapp 1050. Die Automesse öffnete ihre Pforten am 17. September und endet am 27. – dem Tag der deutschen Bundestagswahl.

Auf der Abwesenheitsliste der Aussteller stehen inzwischen große Namen wie der japanische Autobauer Nissan und Daihatsu oder die US-Automarke Cadillac. Letztere sagte im Zeichen der Insolvenz der Konzernmutter General Motors (GM) ab. Die Ausstellungsfläche ist so groß wie 25 Fußballfelder – damit jedoch 15 Prozent kleiner als noch vor zwei Jahren.

“Erleben, was bewegt”, lautet das Motto der IAA. Die Branche will mit dem Leitgedanken an die Vorläufer-Show von 2007 anknüpfen. Damals stand die Schau ganz im Zeichen des Klimaschutzes – oder dem, was die Autobranche darunter versteht. Es ging um Spritspar-Technologien und Wege zur Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes.

VDA-Chef Wissmann zufolge hat die Branche seitdem viel erreicht. “Was die Besucher vor zwei Jahren als Zukunftsstudie gesehen haben, sehen sie jetzt als fertiges Produkt”. Das Publikum könne auf der IAA erleben, “was heute nachhaltige Mobilität sichert und was die automobile Zukunft bewegt”. Wissmann spricht von der “weiteren Optimierung der klassischen Antriebsarten”, also Verbrennungsmotoren. Alternative Antriebe wie Hybrid- oder Elektromotoren rangieren in den Ausführungen des Lobbyisten bisher noch an zweiter Stelle.

Bis IAA-Besucher Elektroautos zu sehen bekommen, die dann auch beim Händler zu haben sind, müssten sie sich gedulden, sagt Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach. Ausstellungen wie die IAA seien in erster Linie “Schaufenster für technologische Innovationen” und keine Verkaufs-Shows. Elektromobilität werde zwar ein Schwerpunkt der IAA sein. Von der Serienreife seien die Hersteller aber noch ein Stück entfernt. Entscheidend sei jedoch, dass die IAA-Themen bei den Verbrauchern Interesse weckten – und der Branche damit eine Stoßrichtung vorgäben.

Mit ersten serienreifen Elektroautos könnten Autofahrer frühestens in ein bis zwei Jahren rechnen, sagt Bratzel. Dann würden zunächst Stromfahrzeuge für den Stadtverkehr verkauft, voraussichtlich meist Kleinwagen. In fünf bis zehn Jahren dann werde es auch Modelle für Langstrecken geben. Problem sei bislang noch die Leistungsfähigkeit der Akkus. Dennoch seien Elektroautos für die Branche ein wichtiger Hoffnungsträger: “Elektroautos haben das Potenzial, in unsere gesättigten Märkte Bewegung zu bringen.” Hier könne die Autobranche noch wachsen.

Die Industrie selbst dagegen schöpft Hoffnung aus handfesteren Perspektiven. Der dramatische Einbruch der Exporte schwächte sich zuletzt deutlich ab. Der VDA rechnet deshalb mit steigenden Autoverkäufen ins Ausland. Die Autobranche richtet ihren Blick also nach vorn. Anstatt auf den nächsten Jahren ruht er aber eher auf den nächsten Monaten – und auf Altbewährtem.

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