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Ergebnis der Nationalratswahl 2019: So hat Österreich gewählt

Die Nationalratswahl vom Sonntag hat einen Triumph der ÖVP und einen Absturz der FPÖ gebracht. Die ÖVP erzielte laut vorläufigem Endergebnis mit Briefwahl - ohne Wahlkarten - 37,5 Prozent vor der SPÖ mit 21,2 Prozent.
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Am Montag wurden die Briefwahlstimmen der Nationalratswahl 2019 ausgezählt. Im vorläufigen Ergebnis sind allerdings noch keine Wahlkarten enthalten, diese werden erst am Donnerstag ausgezählt.

Die Österreich-Karte nach Auszählung der Briefwahlstimmen

Vorläufiges Endergebnis der NR-Wahl 2019 inkl. Biefwahl

Die ÖVP kommt laut dem vorläufigen Endergebnis inkl. Briefwahl auf 37,5 Prozent. Die SPÖ erzielte 21,2 Prozent (-5,6 Prozent), die FPÖ kommt auf 16.2 Prozent. Die Grünen gewinnen 10 Prozentpunkte und erreichen 13,8 Prozent. Die NEOS landen bei 8,1 Prozent, die Liste JETZT 1,9 Prozent.

Zweitschlechteste Wahlbeteiligung seit 1945

Die 925.090 vor dem Wahlsonntag am Postweg oder direkt bei Bezirkswahlbehörden abgegebenen Briefwahlstimmen haben die Wahlbeteiligung zwar noch kräftig erhöht - von 60,61 Prozent in der Urnenwahl am Wahlsonntag auf nunmehr 75,07 Prozent. Aber das ist dennoch der zweit-schlechteste Wert der Zweiten Republik. Nur 2013 war die Beteiligung mit 74,91 Prozent noch ein wenig schwächer.

Bei der ersten von ÖVP-Chef Sebastian Kurz ausgerufenen vorzeitigen Wahl im Jahr 2017 war das Interesse kräftig auf 80,00 Prozent gestiegen. Als Kurz jetzt - nach dem "Ibizagate"-Crash der türkis-blauen Regierung - schon nach zwei Jahren wieder zu den Urnen rief, blieben wieder deutlich mehr Wahlberechtigte zu Hause.

Um eine Spur wird die heurige Beteiligung allerdings noch steigen: Denn am Donnerstag sind noch - nach Schätzung der Hochrechner - 30.000 bis 40.000 Wahlkarten auszuwerten. Dann steht das Ergebnis der Nationalratswahl endgültig fest. Amtlich wird das Ergebnis allerdings erst mit der Sitzung der Bundeswahlbehörde am 16. Oktober.

Nationalratswahl: Briefwahl verschob alle Mandate

Einen Rekord von 925.090 abgegebenen bzw. 917.927 gültigen Stimmen erreichten die Briefwähler bei der Nationalratswahl - und sie haben kräftig umgerührt. Die Mandatsstände aller Parteien haben sich gegenüber Sonntag verändert. Wahlsieger ÖVP verlor zwei auf 71 Mandate. Die Grünen profitierten stark: Sie bekamen noch drei Mandate auf 26 dazu - und haben jetzt ihr bestes NR-Ergebnis aller Zeiten.

Auch NEOS schnitten in der am Montag ausgezählten Briefwahl überdurchschnittlich gut ab - und stocken noch um ein Mandat auf 15 auf. Die Wahlverlierer verloren noch jeweils einen weiteren Nationalratssitz - so dass die SPÖ künftig nur mehr 40 und die FPÖ 31 Abgeordnete stellen wird.

Koalitionsmehrheiten bleiben auch nach Auszählung der Wahlkarten

Die Verschiebungen änderten jedoch nichts an den möglichen Koalitionsmehrheiten: Die ÖVP hätte sowohl mit dem bisherigen Partner FPÖ, als auch mit der SPÖ und den Grünen die Mehrheit im Parlament. Eine rot-blaue Koalition - vor der die ÖVP im Wahlkampf immer warnte - ist weit entfernt davon, die Hälfte (92) der 183 Abgeordneten zu stellen. SPÖ und FPÖ kommen zusammen nur auf die 71 Mandate, die die ÖVP jetzt schon alleine hat.

Ungewöhnlich an diesem Briefwahlergebnis war, dass die SPÖ - die zuletzt immer profitierte - diesmal ein wenig verlor auf nunmehr 21,22 Prozent. Bei der ÖVP setzte sich das schon bei der EU-Wahl beobachtete Muster fort, dass sie durch die Wahlkartenauswertung im Stimmenanteil sinkt. Dies fiel mit jetzt 37,54 (statt zuvor 38,35) Prozent recht kräftig aus. Die FPÖ verlor wie immer auf nur mehr 16,21 Prozent.

Die Grünen haben - zwei Jahre nach dem Rauswurf aus dem Nationalrat - mit 13,80 Prozent ihr bestes NR-Ergebnis seit der Gründung geschafft. Auch NEOS holten (in ihrer dritten Wahl) mit 8,06 Prozent ihren Topwert. Die Liste JETZT - die 2017 noch acht Mandate geholt hatte - blieb heuer samt Briefwahl mit 1,85 Prozent weit unter der Vier-Prozent-Hürde.

Das vorläufige Ergebnis der Nationalratswahl 2019 ohne Briefwahl

Noch nicht enthalten sind in diesem Ergebnis der Nationalratswahl 2019 vom Sonntagabend die Briefwahlstimmen und sonstige Wahlkartenstimmen, die erst am Montag bzw. Donnerstag ausgezählt werden. Sie werden noch kleine Änderungen im Zehntelprozentbereich bringen, die bei den Mandaten noch einige Verschiebungen bringen werden.


Laut dem am Sonntagabend verkündeten vorläufigen Endergebnis erreicht die FPÖ 17,3 Prozent der Stimmen. Die Grünen kommen auf 12,4 Prozent, die NEOS auf 7,4 Prozent. JETZT kam nur auf 1,9 Prozent und verpasst die Vier-Prozent-Hürde für den Wiedereinzug in den Nationalrat. Die KPÖ erreichte 0,7 Prozent, Wandel 0,4 Prozent, BPÖ 0,1 Prozent.

In Mandaten bedeutet das vorläufige Ergebnis vom Sonntag folgende Verteilung: Die ÖVP kommt auf 73 Sitze im neuen Nationalrat, die SPÖ auf 41 und die FPÖ auf 32 Mandatare. Die Grünen erhalten 23 Mandate. Für die NEOS bedeutet das vorläufige Endergebnis 14 Nationalratsitze.

Wahlkarten werden erst ausgezählt

Die noch nicht ausgezählten Wahlkarten (mehr als 1 Million) bringen für manche Parteien noch Verbesserungen, für andere leichte Verschlechterungen. Das Ergebnis der ÖVP wird dann (laut Briefwahlschätzung der Hochrechner der ARGE Wahlen) etwas niedriger liegen, bei etwa 37,4 Prozent. SORA/ORF sieht die Partei schlussendlich bei 37,1 Prozent. Gegenüber der Wahl 2017 bedeutet das ein Plus von rund sechs Prozentpunkten. Der Vorsprung auf die zweitplatzierte Partei von rund 15,5 Prozentpunkten ist der größte in der Zweiten Republik.

SPÖ verliert Stimmen

Die SPÖ wird mit den Briefwahlstimmen minimal besser als in der Urnenwahl abschneiden und laut ARGE Wahlen 21,8 Prozent einfahren (Sora: 21,7). Das Minus von rund fünf Prozentpunkten bringt der Partei in jedem Fall ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei Bundeswahlen.

FPÖ mit einem Minus von fast 10 Prozent

Für die FPÖ wird das Ergebnis inklusive den Briefwählern noch schlechter als am Wahlabend aussehen: Sie stürzt nach Ibiza-Video und der Spesen-Affäre von Ex-Chef Heinz-Christian Strache von 26 Prozent im Jahr 2017 laut ARGE Wahlen auf 16,4 Prozent (SORA: 16,1 Prozent) ab, was ein Minus von fast zehn Prozentpunkten bedeutet.

Rekord-Ergebnis für die Grünen

Ein Rekord-Ergebnis brachte die Wahl für die Grünen: Sie schaffen souverän das Comeback im Nationalrat und werden laut ARGE Wahlen inklusive der Briefwahlstimmen auf 13,5 Prozent kommen. SORA weist die Grünen inklusive Briefwähler mit 14 Prozent aus. In jedem Fall toppt die Partei ihr bisheriges bestes Ergebnis bei Nationalratswahlen im Jahr 2013, als 12,4 Prozent der Wähler für Grün votierten. 2017 war die Partei mit nur 3,8 Prozent überraschend an der 4-Prozent-Hürde gescheitert und musste sich aus dem Nationalrat verabschieden.

Nationalratswahl 2019 bringt Zuwachs für NEOS

Die NEOS dürfen sich über einen deutlichen Zuwachs freuen - wie auch über ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Nationalratswahl. Inklusive Briefwähler, die das Urnen-Ergebnis laut ARGE und SORA noch ein wenig anheben werden, kommen die Pinken auf 7,8 Prozent. Das bedeutet ein Plus von 2,5 Prozentpunkten gegenüber 2017.

Vorbei ist die Zeit im Nationalrat für die Liste JETZT: Die vom Ex-Grünen Peter Pilz gegründete Liste kommt auch mit den Briefwahlstimmen auf nur 1,9 Prozent (SORA: 2 Prozent). 2017 hatte die damals neu gegründete Liste mit 4,4 Prozent knapp den Sprung ins Parlament geschafft.

Gröbere Verschiebungen bringen die Wahlkarten für die Mandatsverteilung, nicht aber für die Mehrheitsfindung im Parlament. Künftig sind drei Zweier-Koalitionen möglich: Neben Türkis-Blau würden sich auch Türkis-Rot und eine Mehrheit zwischen ÖVP und Grünen ausgehen. Die ÖVP kommt laut ARGE Wahlen inklusive Briefwahl auf 71 Mandate, die FPÖ auf 31, was eine Mehrheit von 102 Sitzen bedeuten würde. SORA weist die FPÖ mit nur 30 Mandaten aus.

Die SPÖ kommt bei beiden Instituten auf 41 Sitze, die Grünen mit 26 auf deutlich mehr als in der Urnenwahl. Damit hätte Türkis-Rot eine Mehrheit von 112 Mandaten, Türkis-Grün eine recht knappe Mehrheit von 97 Sitzen.

Wahlbeteiligung lag bei 60,6 Prozent

Die Wahlbeteiligung lag laut vorläufigem Wahlergebnis bei 60,6 Prozent der Stimmen. Die Briefwähler werden die Beteiligung noch stark anheben, laut ARGE Wahlen und SORA auf knapp über 75 Prozent. Gegenüber 2017 bedeutet das ein Minus: Damals waren inklusive der Wahlkartenwähler 80 Prozent der Wahlberechtigten zu den Urnen geschritten.

(APA/Red)

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