Erdogan-Besuch in Wien: Euphorische Stimmung bei seiner Rede

Erdogan bei seiner Rede in Wien
Erdogan bei seiner Rede in Wien ©APA
Geschwenkt wurden tausende Türkei-Flaggen, es gab laute Rufe und großes Gedränge - der Besuch des türkischen Premierministers Recep Tayyip Erdogan hat bei seinen Anhängern in der Albert-Schultz-Halle und bei der Live-Übertragung davor große Euphorie ausgelöst.
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Das stundenlange Warten auf Erdogan – zum Teil warteten seine Anhänger seit 11.00 Uhr auf ihn, tat der ausgelassenen Volksfeststimmung in Kagran keinen Abbruch.

Singen beim Warten auf Erdogan

Mit Erdogan-Liedern in türkischem Popmusik-Stil und einem Lied, dessen Refrain “Recep Tayyip Erdogan” lautete, wurden die Massen bei Laune gehalten. Lauthals stimmten sie immer wieder aufs Neue in den Refrain mit ein. In der Halle waren laut Polizei-Sprecher Roman Hahslinger 7.000 Menschen, beim Public Viewing vor der Halle 6.000.

An Erdogans Anhänger wurden Türkei-Flaggen von den Veranstaltern ausgeteilt, in der Halle lag bereits auf jedem Sitzplatz eine bereit, bevor das Publikum hineinströmen konnte. Unter den tausenden türkischen Flaggen in der Halle befanden sich rund ein Dutzend Österreich-Fahnen. Draußen fanden sich auch vereinzelt Flaggen der in der Türkei regierenden konservativen Partei AKP.

Fahnenmeer in der Halle

Ein Moderator rief das Publikum dazu auf, die Fahnen in der Halle gleichmäßig zu verteilen. Die eine Seite habe zu wenig Flaggen und sei zu schwach, sagte er zum Publikum, nachdem dieses im Vorfeld von Erdogans Rede euphorisiert Fahnen geschwenkt hatte.

Bevor Erdogan die Bühne gegen 15.30 Uhr zum ersten Mal betrat, herrschte vor der Halle eine müde Stimmung, die mit seinem Auftreten blitzartig in Euphorie umschlug. Draußen wie drinnen tobte ein Flaggenmeer, rote Luftballone stiegen vor der Halle zur Begrüßung in die Luft auf.

Euphorie und Applaus bei Erdogan-Erscheinen

Als Erdogan gegen 16.00 Uhr wieder auf die Bühne trat und zu seinen Anhängern sprach, wurde er mit tosendem Applaus und lauten Rufen in und vor der Halle begrüßt.

Die 36-jährige Suna und ihre 17-jährige Tochter Mine waren zu der Veranstaltung gekommen, um “unseren Präsidenten zu unterstützen”. “Er ist der beste Präsident und er erfüllt seine Pflichten”, sagten sie der APA.

“Er ist wie ein Vater für uns”

“Wir freuen uns sehr, dass er zu uns gekommen ist. Dadurch fühlen wir uns wichtig für ihn. Er vergisst nicht auf uns. Nicht jeder Präsident macht das”, erklärten sie. Suna fügte hinzu: “Erdogan hat ein wirklich großes Herz, er ist wie ein Vater für uns.”

Auch die 28-jährige Derya war gekommen, um Erdogan zu unterstützen. “Ich will ihn unterstützen, damit er weiß, dass wir hinter ihm sind. Er ist ein Präsident, wie wir ihn schon lange nicht hatten”, sagte sie. “Er gibt uns, was wir wollen, es gab viel Entwicklung in der Türkei seit Erdogan da ist. Und wir wollen nicht in die EU, wir sind alleine stark.” Dem fügte sie hinzu, dass, wenn sie ihn wählen könnte, sie ihm jedenfalls ihre Stimme geben könnte.

Fans begeistert von Erdogan

Auch der 34-jährige Osman ist ein großer Verehrer Erdogans. “Er hat Demokratie gebracht, die Türkei ist demokratischer denn je”, sagte er. “Früher war das Kopftuch an den Unis in der Türkei verboten. Damals gab es keine Demokratie. Und jetzt ist das möglich.” Angesprochen auf beschränkte Meinungsfreiheit in der Türkei und dort inhaftierte Journalisten sagte er, “das ist eine Manipulation, eine Verschwörung. Die Opposition in der Türkei versucht mit allen Mitteln, Erdogan zu schwächen.” Zwei Freunde Osmans, die beide die türkische Staatsbürgerschaft haben, werden auf jeden Fall zur Wahl gehen und für Erdogan stimmen, meinten sie.

Premier preist Stärke der Türkei

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan hat in Wien in der Albert-Schultz-Halle die wirtschaftliche und politische Stärke der Türkei gepriesen. Für Europa sei die Türkei eine Chance, die man nicht auslassen dürfe, so Erdogan, der am Ende ausdrücklich an die Präsidentenwahl im August erinnerte und hofft, dass der noch zu nominierende AKP-Kandidat aus Wien viele Stimmen erhält.

Inhalt der Rede in Wien

Er habe Grüße von 77 Millionen Bürgern der Türkei im Gepäck, so Erdogan zum Auftakt seiner Rede zu den 7.000 Austro-Türken in der Halle und laut Veranstaltern 10.000 davor. Die Polizei sprach von 6.000 Menschen vor der Halle. “Als Volk waren wir immer stolz auf euch. Als es euch gut ging, ging es uns auch gut. Als ihr traurig wart, waren wir auch traurig”. Die Türken in Europa seien “die Enkel des Sultans Süleyman der Prächtige”.

Aber die Türken in Europa seien gekommen, um die Herzen der Wiener zu gewinnen. “Niemand muss sich vor uns fürchten”, so Erdogan. Für Europa sei die Türkei aber “eine wichtige Alternative, ein Ausweg” und “die einzige solide Pforte nach Osten”.

Thema: Wirtschaftsaufschwung der Türkei

Erdogan widmete einen breiten Teil seiner Rede dem wirtschaftlichen Aufschwung seines Landes. Von der sinkenden Verschuldung und Inflation über den Ausbau der Eisenbahn und den geplanten Großprojekten in Istanbul mit dem Großflughafen und Brücke über den Bosporus bis hin zu drei Mrd. Bäumen, die gepflanzt worden seien. Früher habe man auf Schokolade aus Europa gewartet, aber heute “gibt es von allem, was es in Europa gibt, noch mehr in der Türkei”. Sogar der erste eigene Hubschrauber sei gebaut und ausgeliefert worden.

Kritik gab es von Erdogan auch an den anderen Parteien in der Türkei und insbesondere an früheren Regierungen, die kopftuchtragende Frauen diskriminiert und islamische Menschen benachteiligt hätten.

Erdogans Europa-Definition

Die Türkei war in ihrer Geschichte immer nach Westen ausgerichtet, betonte Erdogan. Wobei der türkische Premier eine erweiterte Europa-Definition anbot: “Europa endet nicht dort, wo die Donau ins Schwarze Meer fließt, sondern beginnt, wo Euphrat und Tigris ihre Quellen haben”. Die Türkei mische sich niemals in die Innenpolitik anderer Länder ein. Nur wenn Rassismus oder Islamophobie aufkommen, dann schütze man die Rechte seiner Bürger. “Die Türkei ist nicht die alte Türkei” versicherte Erdogan.

Aber die Ausrichtung nach Westen heiße nicht, dass man die Verbindung zu den Brüdern im Osten abreißen lassen werde. “Auch wenn unser Gesicht nach Westen gerichtet ist, wenden wir dem Osten nicht unseren Rücken zu”, so Erdogan.

Botschaft an Austro-Türken in Wien: Stolz

Den Austro-Türken in Wien, potenzielle Wähler bei der Präsidentschaftswahl im August wo Erdogan voraussichtlich antreten wird, gab Erdogan mit: “Ihr könnt auf diese Türkei stolz sein”. Sie sollten sich in die Gesellschaft integrieren, gut deutsch lernen, aber nicht assimilieren, sagte Erdogan, ähnlich wie schon bei seiner Rede in Köln.

(apa/red)

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