Ennio Morricone live in Wien

Der 80-jährige Träger des heurigen Ehren-Oscars kam am Mittwoch mit 200 Mitwirkenden erstmals nach Wien. Er präsentierte dabei ein buntes Potpourri seines 450 Soundtracks umfassenden Werkes.

Entsprechend breitgefächert zeigte sich die Besetzung des 120 Musiker umfassenden Orchesters. Neben der großen Streicher- und Bläsergruppe fanden sich etwa auch zwei Harfen, Marimba, Piano, Keyboard, Schlagzeug, sowie E- und Bass-Gitarre auf der Bühne – allesamt elektronisch verstärkt. Morricone hatte dabei auf das Anheuern lokaler Kräfte verzichtet und war eigens mit der Roma Sinfonietta angereist, mit der er seit Jahren zusammenarbeitet.

Ebenso routiniert interpretierte der 80-köpfige Chor das Werk seines Dirigenten. Oder, wie es die Präsidentin des Nuovo Coro Lirico in einer offensichtlich missverständlich übersetzten Aussendung ihres Managements formulierte: “Jedes Konzert ist eine neue und immer intensiver Emotionen, begleitet uns in unserem Hinrichtungen von den großen Maestro.”

Der auch ohne Exekution spektakuläre Bogen des Abends reichte neben den für Morricones Werk charakteristischen Chorpassagen und dunkel wabernden Bässen hin zu percussionsgetragenen Stücken. Da wechselten hochtrabende Crescendi, die sich in der absoluten Musik seit der Spätromantik niemand mehr zu komponieren traut, mit beschwingten Jazzelementen, wenn Morricone das Blech für “Once Upon a Time in America” dämpft.

Dabei verzichtete der Komponist weitgehend auf eine Satzstruktur und hatte einen Gutteil der Stücke zu großen symphonischen Einheiten verwoben. Dadurch wurden teils divergierende Elemente vor denselben Karren gespannt, wenn sich etwa eines der berührendsten Oboenstücke des 20. Jahrhunderts, “Gabriel’s Oboe” aus dem Film “The Mission”, aus der gleichförmigen Streichersequenz der “Tartarenwüste” schälte. Die schwächeren Momenten des Abends gemahnten dagegen an André Rieu oder evozierten mit Synthesizer- und Schlagzeug-Arrangements Bilder musikbeschallter Kaufhäuser.

Das neben den Zuhörern im Westernlook vielen weiteren vornehmlich die legendären Untermalungen der Spaghettiwestern wie “Zwei glorreiche Halunken” oder “Spiel mir das Lied vom Tod” am Herzen lagen, zeigte sich am einmaligen Spontanapplaus, der beim ersten Stück dieser Serie aufbrandete. Insgesamt hatten sich laut Veranstalter 7.000 Menschen zu dem Konzert in der Stadthalle eingefunden.

Dieser enthusiastischen Menge gelang es nach dem Ende der dritten und letzten Zugabe, dem als ernst bekannten Morricone einen kurzen Fauxpas zu entlocken, den dieser den gesamten Abend über vermieden hatte: Der Maestro lächelte.

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