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Enge Familienkontakte erhöhten Sterblichkeit nur bedingt

Studie zu Sterblichkeit und engen Familienkontakten.
Studie zu Sterblichkeit und engen Familienkontakten. ©pixabay.com (Symbolbild)
Der Zusammenhang zwischen engen familiären Kontakten von Enkeln, Kindern bzw. Großeltern und Covid-19-Todesraten wird seit Beginn der Pandemie vielfach kontrovers diskutiert.

Einer Studie von Forschern aus Italien, Spanien und Wien im Fachblatt "Pnas" zufolge ist dieser Konnex zwar in manchen Ländern deutlich sichtbar, in anderen Staaten und Regionen dagegen nicht.

Studie zu Sterblichkeit bei engen Familienkontakte

Da sich im Verlauf der Coronavirus-Pandemie relativ rasch herausstellte, dass vor allem ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen schwere Erkrankungsverläufe entwickeln, wird angenommen, dass enge familiäre Verbindungen zwischen den Generationen die Sterberaten insgesamt ansteigen lassen könnten. Solche Familienkonstruktionen begünstigen die Ansteckungswahrscheinlichkeit älterer Familienmitglieder, was deren Risiko dementsprechend erhöht. Bruno Arpino von der Universität Florenz, Marta Pasqualini von der Universität Pompeu Fabra in Barcelona und die Soziologin Valeria Bordone von der Universität Wien ist dieser "Intergenerationalen Kontakthypothese" anhand von Daten aus 19 europäischen Ländern und regionalen Daten aus Italien nachgegangen.

Gerade in den von der Pandemie rasch und hart getroffenen Staaten Italien und Spanien ist der Anteil an Haushalten, in denen mehrere Generationen zusammenleben, hoch. Auch gibt es dort im Durchschnitt viel physischen Kontakt zwischen Großeltern, Eltern und Enkelkindern, schreiben die Studienautoren in ihrer Arbeit. Das habe auch zu vielen Vermutungen geführt, denn insgesamt könne man die von Land zu Land und regional durchaus unterschiedlichen Verbreitungszahlen des Virus und die unterschiedlichen Sterberaten noch nicht hinreichend erklären.

Situation in sechs Ländern untersucht

Auch wenn das "einfache Argument" im Zusammenhang mit generationsübergreifenden Kontakten einleuchtet, sollte man sich davor hüten, sie zu verallgemeinern, betonte Bordone im Gespräch mit der APA. Anhand von Daten zu Covid-19-Sterberaten (CFR; Stand: 27. April 2020) und länderübergreifend erhobenen Informationen zur Wohnsituation oder Kinderbetreuung aus der europäischen Datenbank "Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe" (SHARE) zeigte sich nämlich ein uneindeutiges Bild: So finden sich unter jenen sechs Ländern mit den höchsten CFR mit Italien und Spanien nur zwei mit vielen generationsübergreifenden Haushalten, viel physischem Kontakt oder vielen Betreuungsleistungen, die Großeltern gegenüber Enkelkindern erbringen.

Dagegen sind diese Indikatoren in Frankreich, Belgien, Schweden und den Niederlanden nahezu durchwegs sehr niedrig, die CFR hingegen ähnlich hoch. Zum Vergleich: Österreich liegt bei den Werten zu den generationenübergreifenden Kontakten jeweils im Mittelfeld - bei einer deutlich niedrigeren Sterberate. Dazu gibt es Länder wie Griechenland und Polen mit jeweils viel familiärem Kontakt und relativ niedriger CFR. "Man sieht: Das Argument funktioniert manchmal, aber nicht immer. Deswegen ist es auch sehr problematisch, Politik auf dieser Annahme aufbauend zu machen", sagte Bordone.

Untersuchungen in Italien

Das überaus uneinheitliche Bild wird durch eine Extraauswertung der italienischen Regionen abgerundet: So waren zum Zeitpunkt der Studienerstellung die CFR in einigen für ihre engen Familienbande bekannten Gebieten Süditaliens sehr viel niedriger als in den Covid-19-Problemregionen im Norden wie der Lombardei. Gerade dort greife das Familienargument nämlich weniger, weil in der Lombardei viele ältere Menschen in Altersheimen zusammen wohnen, so Bordone, die selbst aus der Region stammt. Hier war das Problem vielmehr, dass die Ausbreitung genau dort stattfand.

Man sollte sich etwa auch vor Augen führen, dass viele Generationen oft dort zusammenleben, wo das Gesundheits- und Pflegesystem nicht so gut ausgebaut ist. Man sehe hier vielfach: "Die Zusammenhänge sind nicht immer so klar. Es ist sehr kompliziert und viele Variablen spielen eine Rolle. Man sollte solche Daten daher mit Vorsicht interpretieren", so die Soziologin.

Nicht vergessen dürfe man auch positive Wirkungen generationsübergreifender Kontakte, die im Lockdown vielfach auch über Telekommunikationstechnologien weiter geführt oder gar intensiviert wurden. Man sollte daher besser auch von "physischer-" und nicht "sozialer Distanzierung" sprechen, so Bordone.

(APA/Red)

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