EM-Halbfinale: Die vier Teams im Vergleich

England ist im Wembley Stadion im Heimvorteil.
England ist im Wembley Stadion im Heimvorteil. ©APA/AFP/POOL/FRANK AUGSTEIN
Das Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft steht vor der Tür und Italien, Spanien, Dänemark und England spielen um die beiden Finalplätze. Hier gibt es die vier Teams im Vergleich.

Italien, Spanien, Dänemark und England stehen im Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft am Dienstag und Mittwoch im Wembley-Stadion. Der Weg nach London war strapaziös. Es gibt diese speziellen Augenblicke, es gibt aber auch ganz entscheidende Personen. Ein Überblick über das Halbfinal-Quartett:

Italien

DER EM-MOMENT: Es war die erste "magische Nacht" bei dieser EM. Mit einem 3:0 gegen die Türkei im Eröffnungsspiel legte die Squadra Azzurra einen Traumstart hin und feierte mit Tausenden begeisternden Fans in Rom. Es folgten weitere starke Auftritte - die größten Probleme hatte der vierfache Weltmeister bisher im Achtelfinale einem 2:1 nach Verlängerung gegen Österreich.

DER SPIELER: 36 Jahre ist er alt, hat über 100 Länderspiele - und ist dennoch kaum wegzudenken: Giorgio Chiellini ist Kapitän und Anführer der Italiener. Gegen Belgien beeindruckte er im Viertelfinale mit Zweikampfstärke und Einstellung, auch als Vorbild und Führungsfigur ist er unersetzlich.

DER TRAINER: Roberto Mancini übernahm die Azzurri nach der verpassten WM 2018 und erschuf in drei Jahren aus den Trümmern der damaligen Elf einen Titelkandidaten. Er gab Talenten eine Chance und traf auch unpopuläre Entscheidungen. Seit inzwischen 32 Partien sind die Azzurri unter dem 56-Jährigen ungeschlagen.

Spanien

DER EM-MOMENT: 0:0, 1:1. Der Druck wuchs, das Aus drohte. Spanien spielte den Fußball, den Trainer Luis Enrique sehen will. Ballbesitz als Erstinstrument gegen Gegentore. Das Problem: Trotz unglaublicher Passquoten und sonstiger Statistiken fielen keine Tore. Und dann das: 5:0 gegen die Slowakei. Die Flasche Sekt war geöffnet (Luis Enrique). Und es sprudelte weiter mit dem 5:3 nach Verlängerung gegen Kroatien.

DER SPIELER: 18 Jahre und so jung wie noch kein anderer Spanier bei einer EM. Hochbegabt, dieser Pedri. Spielt beim FC Barcelona und wurde dort von Vereinsikone Lionel Messi schon mehrfach im Spiel geadelt. Fein am Ball und einer, der Kilometer macht: 61,5 in den bisherigen fünf Spielen.

DER TRAINER: Luis Enrique. 51 Jahre alt, ehemaliger Offensivspieler vor allem beim FC Barcelona. Ein Ausdauersportler an der Seitenlinie. Hat einen klaren Plan, wie er Spanien zurück in die europäische und auch Welt-Spitze führen will. Kritik schert ihn nicht besonders, der Erfolg bisher gibt ihm recht. Stellt sich stets vor seine Spieler und hält an ihnen fest. Justierte seine Startelf aber bisher immer nach.

England

DER EM-MOMENT: 55 Jahre mussten die Engländer auf diese Erlösung warten. Seit der WM 1966 hatten sie bei großen Turnieren jedes K.o.-Spiel gegen Deutschland verloren, im Achtelfinale dieser EM gelang ihnen schließlich ein historischer 2:0-Sieg. Während damit die Zeit von Joachim Löw als Bundestrainer endete, könnte der Erfolg für die "Three Lions" der Startschuss für ein großes Turnier gewesen sein.

DER SPIELER: Harry Kane - nach der Gruppenphase war der Kapitän noch ohne Treffer, was vielen seiner Landsleute gar nicht gefiel. Doch die Kritik prallte an ihm ab. In der entscheidenden Turnierphase liefert der Stürmer nun ab. Nach zwei K.o.-Spielen stehen bereits drei Tore auf seinem Konto.

DER TRAINER: Was hat Gareth Southgate nicht für starke Offensivspieler zur Verfügung: Sancho, Foden, Kane, Sterling, Grealish oder Rashford. Trotzdem setzt der Coach nicht auf Spektakel, sondern auf Ergebnisse. Southgate formte eine perfekt geölte Turniermaschine aus dieser Mannschaft. Die Chance auf den EM-Titel ist so groß wie nie zuvor.

Dänemark

DER EM-MOMENT: Beim Kollaps von Christian Eriksen im ersten Spiel bangten alle um das Leben des Führungsspielers. Seitdem wird das Team von einer Woge der Zuneigung emotional durch das Turnier getragen - und die Mannschaft schöpfte Kraft aus dem Schockmoment.

DER SPIELER: Kapitän Simon Kjaer geht immer voran. Bei Eriksens Zusammenbruch leistete er als Erster Hilfsmaßnahmen und tröstete dessen Freundin. Im weiteren Turnierverlauf hielt der 32-Jährige von AC Milan die Abwehr zusammen.

DER TRAINER: Beim FSV Mainz 05 scheiterte Kasper Hjulmand einst als Coach in der deutschen Bundesliga, mit Dänemark geht der 49-Jährige bei diesem Turnier auf eine wundersame Reise und verzückt nicht nur die Menschen in seiner Heimat. "Wir sind ein Symbol für Basiswerte des Fußballs", sagt der Sportwissenschaftler und dreifache Vater, dem ein überschwänglicher Empfang nach der EM-Rückkehr sicher ist.

(APA/red)

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