Elfjähriger nach Sturz aus Fenster in Wien-Favoiten in künstlichem Tiefschlaf

Der schwer verletzte Bub befindet sich noch immer in künstlichem Tiefschlag.
Der schwer verletzte Bub befindet sich noch immer in künstlichem Tiefschlag. ©dpa (Symbolbild)
Nach wie vor befindet sich der elfjährige Bub, der am vergangenen Freitag nach einem Sprung aus dem Fenster schwer verletzt wurde, in künstlichem Tiefschlaf. Offenbar hatten seine Eltern ihn in seinem Zimmer eingesperrt und sah keinen anderen Ausweg als aus dem Fenster im dritten Stock zu springen.
Zustand des Buben stabil
14-Jährige sprang aus dem Fenster

Beim Jugendamt gibt es vorläufig noch keine konkreten Pläne, wie es künftig mit der Betreuung des Kindes weitergehen wird. “Einsperren ist natürlich keine Lösung. In so einem Fall muss man grundsätzlich die Frage der Erziehungskompetenz der Eltern stellen. Wir wollen aber auch die Version des Buben hören”, sagte die Sprecherin des Jugendamts, Herta Staffa, am Mittwoch. Vor einer Entscheidung gebe es noch vieles zu tun, sagte Staffa. “Wir wollen mit dem Kind reden und hören, welche Sorge oder Angst dahinterstand. Wir reden selbstverständlich auch mit den Eltern. Es geht um ihr Engagement bei der Betreuung und wir müssen auch schauen, wie es der bei den Großeltern untergebrachten kleinen Schwester des Buben geht. Derzeit traue ich mich nicht, eine Prognose zu geben.”

Polizei ermittelt gegen die Eltern des Buben

Gegen die Eltern des Elfjährigen wurde von der Polizei wegen des Verdachts der Vernachlässigung der Aufsichtspflicht und Vernachlässigens eines Unmündigen Anzeige erstattet. Nach Angaben der Polizei hatten die Eltern einen überforderten Eindruck gemacht. In solch einem Fall stehe den Eltern immer die Möglichkeit offen, sich an das Jugendamt oder eine andere Betreuungseinrichtung zu wenden, meinte Staffa.

Ähnlicher Vorfall in Wien-Ottakring

Keine konkreten Pläne gibt es vorläufig auch im Fall einer 14-Jährigen, die am Sonntag in der Wohnung eines Bekannten im Bezirk Ottakring angeblich aus Angst vor den Eltern aus dem Fenster gesprungen ist und sich lebensbedrohliche Verletzungen zugezogen hat. “Das Mädchen war im vergangenen Jahre dreimal im Krisenzentrum. Sie hat gesagt, sie sei geschlagen worden, ist aber immer wieder nach Hause zurückgekehrt”, sagte Herta Staffa. Die Eltern haben die Vorwürfe zurückgewiesen. “Offensichtliche Spuren gab es nicht. Aber Schläge müssen nicht zwangsläufig zu Verletzungen führen. Man weiß nicht, welche Version stimmt. Offensichtlich wollte oder konnte das Mädchen nicht reden. Wir wissen bis heute nicht, welches Problem die 14-Jährige wirklich hatte.”

Mit den Angehörigen stehe man aktuell im Kontakt. “Die gesamte Familie ist schwer schockiert”, sagte die Jugendamtssprecherin. Informationen hofft man nun von der Freundin des Mädchens zu bekommen, die Augenzeugin des Fenstersprungs wurde. “Meistens ist es ja so, dass Jugendliche sich eher Bekannten anvertrauen als fremden Menschen”, sagte Staffa.

Kleinkind nach Schädelbruch wieder gesund

Eine gute Nachricht gibt es von einem weiteren Sorgenkind des Jugendamts: Der einjährige Bub, der Mitte November von seinen Eltern mit einem Schädelbruch ins Kinderspital gebracht und dann bei Krisenpflegeeltern untergebracht wurde, ist wieder genesen. Eine Verwandte habe sich angeboten, den Buben zu sich zu nehmen. Derzeit prüft das Jugendamt, ob das eine realistische Möglichkeit ist, eine Entscheidung soll es laut Staffa in zwei oder drei Wochen geben. Die nur um ein Jahr ältere Schwester des Kleinen, die getrennt von ihrem Bruder ebenfalls bei Krisenpflegeeltern lebt, kommt möglicherweise zu ihrer Mutter zurück. “Die Frau will das Kind wieder bei sich haben. Wir prüfen, ob und mit welcher Unterstützung für die Familie das möglich wäre”, sagte die Sprecherin des Jugendamts. (APA)

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Wien - 10. Bezirk
  • Elfjähriger nach Sturz aus Fenster in Wien-Favoiten in künstlichem Tiefschlaf
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen