Elfie Semotan. Photographer - Kritik und Trailer zum Film

Elfie Semotan ist die Grande Dame der österreichischen Fotografie, etabliert im Schnittfeld von Mode und Kunst. Die 78-Jährige ist Feministin und eine Frau, die etwas zu sagen hat. In Joerg Burgers neuem Dokumentarfilm "Elfie Semotan. Photographer" hingegen schweigt Semotan meist. Der Film konzentriert sich stattdessen ganz darauf, die Künstlerin bei der Arbeit zu beobachten. Ab Freitag im Kino.

Elfie Semotan. Photographer: Kurzinhalt zum Film

Burger zeigt im ruhigen, unkommentierten Fluss den Schaffensprozess, den Semotan auch im fortgeschritteneren Alter pflegt: Sie fotografiert, teils nach alten Vorlagen. Sie lichtet die Künstlerin Joan Semmel vor ihren monumentalen Aktgemälden ab, blättert mit Ex-Model Cordula Reyer alte Aufnahmen durch, sucht Bilder für Ausstellungen aus. Sie fotografiert Erni Mangold, richtet ihr liebevoll die Haare und den Pullover.

Wenn Semotan fotografiert, sucht man vergebens nach klischeehaften Fotografensprüchen a la "Ja, flirte mit der Kamera!" oder "Die Kamera liebt Dich!". Semotan begegnet mit ihrem fotografischen Blick jenen Menschen, die sie ablichtet, auf Augenhöhe. Sie sucht Persönlichkeiten mit Ausdruck, und die Fotografin möchte sich gerne von ihnen begeistern lassen. Und Regisseur Burger, der als Kameramann vor allem die Arbeiten von Johannes Holzhausen wie aktuell "The Royal Train" oder "Das große Museum" in ihrer Gestalt entscheidend mitprägte, wiederum lässt mit seinen genau kadrierten Bildern das Geschehen wirken.

Elfie Semotan. Photographer: Die Kritik

Was hingegen vollends fehlt, ist ein größerer Kontext. Der Film verortet weder, wo sich die jeweilige Szene abspielt, noch interessiert er sich für den Kontext oder gar eine historische, chronologische Einordnung der Semotan-Vita. Der Zuseher erfährt zwar, wie sich die Fotografin die Posen der Models vorstellt, aber nicht wofür diese eigentlich vor der Kamera stehen. Nur einmal durchbricht "Elfi Semotan. Photographer" die Illusion der unsichtbaren Kamera und zeigt Semotan im Gespräch mit dem Regisseur - gleichsam als kleiner Hinweis, dass sich die Macher des Umstandes durchaus bewusst sind, dass das vermeintlich neutrale Beobachten einer Situation diese bereits verändert.

Und dennoch geht es in Joerg Burgers Dokumentarfilm letztlich nicht um die Weltsicht einer reflektierten Künstlerpersönlichkeit, sondern um deren Arbeit. Zu sehen ist "Where the Magic Happens", wie es die Amerikaner nennen würden.

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(APA/Red)

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