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Eindrucksvolles Konzert: US-Sängerin Julia Holter im WUK

Der Auftritt von Julia Holter fand am Freitag im WUK statt.
Der Auftritt von Julia Holter fand am Freitag im WUK statt. ©APA/HERBERT P. OCZERET
Freitagabend trat Julia Holter im WUK in Wien auf. Grund für ihre aktuelle Rundreise in Europa ist ihr neues Album "Aviary".

"Vier Jahre ist es schon her. Nein, sogar sechs!" Julia Holter wirkte ehrlich überrascht, als sie ihrem Publikum im WUK vom letzten Wien-Besuch erzählte. So lange wird es hoffentlich nicht mehr dauern, bis sich die US-Musikerin das nächste Mal blicken lässt. Ihr Konzert am Freitagabend war nämlich ein außergewöhnliches Erlebnis und sollte schleunigst eine Wiederholung erfahren.

Holter tourt mit "Aviary" durch Europa

Anlass für die aktuelle Rundreise durch Europa ist ihr im Herbst des Vorjahres erschienenes Album "Aviary". War Holter zuvor schon mit Arbeiten wie "Ekstasis" oder "Loud City Song" als Künstlerin mit Hang zu experimentellen Strukturen aufgefallen, ist die Mittdreißigerin nun endgültig zur Hohepriesterin des Kunstliedes mutiert. Dudelsack, Violine, Trompete, alles darf mit und wird von Holter an Klavier sowie Mikrofon weiter veredelt.

"Bei mir kommt der Sound zuerst", verriet sie vor dem Auftritt im APA-Interview. Und das glaubt man sofort. Der Albumopener "Turn On The Light", der im WUK als zweites Stück gespielt wurde, war ein gutes Beispiel dafür: Während ihre fünf Begleitmusiker zu einem beherzten Crescendo ansetzten, das sich in unterschiedlichste Richtungen fortbewegte, ließ Holter ihre Stimme immer neue Höhen erklimmen, den Blick beinahe stoisch an die Hallendecke gerichtet. Entrückt, versunken, verträumt - irgendwie traf auf sie alles zu.

Holter: Als Person und mit der Musik unordentlich

"Ich bin als Person ziemlich unordentlich", lachte Holter noch wenige Stunden zuvor, "und so bin ich auch mit meiner Musik. Es gibt einfach so viele Schichten, die sich auftürmen. Grundsätzlich basiert mein Prozess auf einem Sammeln, und dann schaue ich mir an, was daraus werden kann. Es ist kein sehr analytischer Vorgang, eher ein neugieriger. Und er passiert die ganze Zeit, auch wenn ich auf Tour kaum Musik schreibe." Eine Kreativität ohne Pause also? Holter nickte schmunzelnd und schob nach: "Für andere kann das wahrscheinlich ganz schön frustrierend sein."

Auf der Bühne besitzt Holter jedenfalls die Ausstrahlung einer Künstlerin, die nicht nur ganz bei sich ist, sondern auch sehr genau weiß, was sie will. Ihre Kollegen, allen voran die großartige Sarah Belle Reid an Trompete und Horn, rückten deshalb aber nicht in den Hintergrund, sondern waren integraler Bestandteil von Stücken wie dem mantraartigen "Voce Simul" oder der kunstvoll mäandernden Großtat "Chaitius". Beide Songs arbeiten zudem mit verschiedenen Sprachen, darunter das mittelalterliche Okzitanisch. "Es klingt einfach wunderbar, deshalb habe ich das eingebaut", so Holter. "So wird es letztlich ein Stimmengewirr, bei dem du gar nicht mehr genau sagen kannst, was woher stammt oder welche Wörter es sind. Sie sind ihrer Funktion enthoben und werden zu einer klanglichen Erfahrung."

Holter mit Leichtigkeit unterwegs

Dass es nicht immer die größtmögliche Komplexität sein muss, bewies Holter vor vier Jahren mit "Have You in My Wilderness", ihrer wohl zugänglichsten Platte bisher. Einzelne Stücke daraus wurden beim Konzert wie kleine Ruhepole gesetzt, willkommenen Verschnaufpausen gleich. Vor allem aber wurde dabei deutlich, mit welcher Leichtigkeit Holter in Songs vom Kaliber eines "Sea Calls Me Home" unglaublich eingängige Melodien aus dem Ärmel schütteln kann, dabei mehr als einmal an Joni Mitchell erinnerte und wohl auch ein größerer kommerzieller Erfolg durchaus denkbar wäre.

Aber diese Künstlerin hat eben andere Ziele und steht daher vielleicht eher einer Kate Bush nahe, wenn sie beispielsweise Vogelgezwitscher nachahmt. Immerhin ist das neue Album auch von einer Zeile der Dichterin Etel Adnan inspiriert: "I found myself in an aviary full of shrieking birds." "Ich denke, dass meine Musik generell Elemente einer vogelartigen Kakofonie aufweist. Insofern hat es gut gepasst. Dieser Satz war wie ein Startpunkt. Er drückte aus, wie ich mich fühlte", so Holter, "selbst wenn die Geschichte dazu nichts mit mir zu tun hat." Adnan erzählt darin von einem Poeten im Irak und dessen Kriegserlebnissen. "Mir gefiel einfach, wie sie über Künstler schreibt und deren Umgang mit der Welt."

Holter und Publikum genossen den Auftritt im Wiener WUK

Die Kalifornierin selbst gab sich - trotz der Verstiegenheit ihrer Songs - jedenfalls stets authentisch und charmant. Jeder Applaus wurde mit einem breiten Lächeln quittiert, ihre Kollegen in aller Ausführlichkeit vorgestellt und nach dem höchst gelungenen Set, das eigentlich viel zu kurze eineinhalb Stunden dauerte, ließ es sich Holter nicht nehmen, Platten zu signieren und geduldig mit allen Fans zu plaudern. Die klassisch ausgebildete Musikerin genoss ihre Zeit sichtlich - auf wie abseits der Bühne. Aber so ging es wohl sämtlichen Anwesenden.

(APA/Red)

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