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Ein bisschen bleiben wir noch - Kritik und Trailer zum Film

Die beiden tschetschenischen Flüchtlingskinder Oskar und Lilli leben mit ihrer Mutter zwar seit Jahren in Österreich und sprechen fließend Deutsch miteinander. Und doch wird die kleine Familie beständig von der Abschiebung bedroht. Als es wieder einmal soweit ist, begeht die Mutter einen Selbstmordversuch. In Folge werden Oskar und Lilli getrennt bei Pflegeeltern untergebracht, die zwar bemüht, aber auch etwas überfordert mit der Situation sind. Die Geschwister indes versuchen alles, um wieder miteinander in Kontakt zu kommen.

Eigentlich fing alles gut an für "Ein bisschen bleiben wir noch", feierte der neue Spielfilm des heimischen Regisseurs Arash T. Riahi doch im Jänner nicht nur Weltpremiere beim renommierten Filmfestival Max Ophüls Preis, sondern gewann dort auch den Publikumspreis. Dann kam allerdings Corona und ging der Kinostart im April in die Binsen. Am Freitag ist es nun soweit für das berührende Ankunftsdrama aus Kindersicht nach einem Roman von Monika Helfer.

Der 48-jährige Riahi, Mitbegründer der "Golden Girls Filmproduktion", hat sich mit seinen eigenen Regieprojekten wie dem gefeierten Debüt "Ein Augenblick Freiheit" als gesellschaftspolitischer Filmautor etabliert, der immer wieder Perspektiven zeigt, die sonst meist nicht den Weg auf die große Leinwand finden. Und "Ein bisschen bleiben wir noch" macht da keine Ausnahme.

Ein bisschen bleiben wir noch - Kurzinhalt zum Film

Der Ausgangspunkt für Riahi, der auch wieder als sein eigener Drehbuchautor fungierte, war das 1994 von Monika Helfer veröffentliche Buch "Oskar & Lilli". Im Werk der heute 72-Jährigen reißen die beiden jungen Titelcharaktere von zu Hause aus, weil ihre Mutter aufgrund einer psychischen Erkrankung versagt. Sie werden von der Polizei aufgegriffen und in unterschiedliche Pflegefamilien gesteckt. Der Kampf der Geschwister füreinander beginnt.

Riahi - selbst als Kind mit seinen Eltern aus dem Iran geflohen - hat diese Grundkonstellation aktualisiert respektive politisiert. Bei ihm sind Oskar (Leopold Pallua) und Lilli (Rosa Zant) zwei Kinder, deren Mutter (Ines Miro) aus Tschetschenien geflohen ist. Die beiden Kinder leben seit sechs Jahren in Österreich, sprechen fließend Deutsch - ein dauerhaftes Bleiberecht hat die Familie aber immer noch nicht.

Als die drei wieder einmal abgeschoben werden sollen, unternimmt die Mutter einen Selbstmordversuch - worauf Oskar und Lilli getrennt bei Pflegeeltern untergebracht werden. Während Lilli beim lebenslustigen Single Rut (Simone Fuith) landet, wird Oskar vom bemühten Lehrerpaar Georg (Rainer Wöss) und Susanne (Alexandra Maria Nutz) aufgenommen, bei denen auch Oma Erika (Christine Ostermayer) lebt. Entgegen dem Wunsch ihrer neuen Pflegeeltern und des Amtes halten die Geschwister heimlich Kontakt und machen sich auf die Suche nach ihrer Mutter, die mittlerweile in eine Klinik gebracht wurde.

Ein bisschen bleiben wir noch - Die Kritik

Riahi zeigt dabei ein dieser Tage gleichsam archetypisches Schicksal und das über weite Strecken abseits des Pathos, sondern in seiner alltäglichen Einfachheit. Wie bei jedem Menschen hat aber auch gerade diese viele Facetten. Auf einen Beginn abseits jeder Leichtigkeit, weicht die Erzählung sukzessive einem Fluss, nach dem Paukenschlag kommt der Alltag. Sind Oskar und Lilli anfangs zwei todernste Kinder, die vom steten Damoklesschwert der Abschiebung gezeichnet sind, tauen die beiden trotz aller Schwierigkeiten im Laufe des Films auf.

So ist "Ein bisschen bleiben wir noch" gleichsam eine Odyssee zweier junger Seelen, die bei allem Realismus auch eine Metapher für das Grundgefühl ist, nicht ankommen zu können, fremd gehalten zu werden. Riahi und sein Kameramann Enzo Brandner schaffen dafür poetische Bilder, die oftmals auf dem Kopf stehen - wie die Welt von Oskar und Lilli, die aus den Fugen geraten ist.

Erzählerisch ist der Filmemacher Riahi immer dann am besten, wenn er sich mit seinen Sympathieträgern auseinandersetzt. Die Antipoden wie die vegetarische, überspannte Lehrerin Susanne, die Oskar als Pflegekind bei sich aufnimmt, letztlich mit ihm jedoch überfordert ist, geraten ihm hingegen oftmals zum Klischee und Abziehbild.

Sein neues Werk sieht Riahi dabei als Mittelstück einer "Flucht-Trilogie", die er mit dem dokumentarischen Zugang von "Ein Augenblick Freiheit" 2008 begonnen hatte, wie der Regisseur im APA-Interview unterstrich. Den Abschluss soll dann die analytische Rekonstruktion einer wahren Tragödie darstellen, die einstweilen noch unter dem Arbeitstitel "Eine Herzensgeschichte" firmiert.

Alle Spielzeiten auf einen Blick

(APA/Red)

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