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EdF steigt bei EnBW aus - Baden-Württemberg kauft Anteil vorerst

Der französische Stromriese Electricite de France (EdF) trennt sich von seiner Beteiligung am deutschen EVN-Großaktionär EnBW.
Das Land Baden-Württemberg übernimmt den rund 45-prozentigen Anteil um etwa 4,67 Mrd. Euro und will den Konzern mittelfristig “in erheblichen Teilen oder komplett an die Börse” bringen, erklärte die Landesregierung. Baden-Württemberg zahlt über seine Tochtergesellschaft Neckarpri pro Aktie 41,50 Euro an die EdF, das ist gegenüber dem letzten Börsenkurs von 36 Euro am Vormittag ein Aufschlag von mehr als 15 Prozent.

Den übrigen Aktionären – ebenfalls rund 45 Prozent hält ein Zusammenschluss schwäbischer Städte und Gemeinden (OEW) – werden gleichfalls 41,50 Euro je Aktie geboten. OEW werde den Anteil aber nicht verkaufen, hieß es. Nach Wiederaufnahme des Handels stiegen die EnBW-Titel auf 41,00 Euro, ein Plus von 17 Prozent.

EnBW, die am niederösterreichischen Versorger EVN mit rund 32,5 Prozent beteiligt ist, soll dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) zufolge “nach Daimler, HeidelbergCement und SAP der vierte Dax-Konzern in Baden-Württemberg” werden. Finanziert werden soll die Übernahme mit einer Anleihe. “Der Kauf wird nicht zulasten des Steuerzahlers gehen”, betonte der Ministerpräsident. Die Landesregierung werde in Kürze Gespräche mit den baden-württembergischen Kommunen und Stadtwerken aufnehmen, um das Potenzial für weitere Partnerschaften auszuloten.

EdF, in Österreich mit einer Sperrminorität an der Energie Steiermark beteiligt, ist im Jahr 2001 bei der EnBW eingestiegen. Das Land Baden-Württemberg war bis 2001 noch Aktionär der EnBW. Bis zum Jahr 2005 stockten die Franzosen den Anteil auf 45 Prozent auf. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im baden-württembergischen Landtag, Peter Hauk, sagte, es sei “erklärtes Ziel der EdF” gewesen, “die Mehrheit an der EnBW zu erhalten”.

Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG ist nach RWE und E.ON der drittgrößte deutsche Stromkonzern. Das Unternehmen verzeichnete 2009 einen Jahresumsatz von 15,5 Mrd. Euro, hat mehr als 20.000 Mitarbeiter und knapp 6,5 Millionen Energiekunden. Unter der Leitung von Utz Claassen, der von 2003 bis 2007 die Geschäfte bei EnBW führte, wurde der Konzern umgebaut. EnBW trennte sich von Verlustbringern, ein drastischer Sparkurs und Schuldenabbau wurden eingeleitet. Seit Oktober 2007 sitzt der frühere E.ON-Manager Hans-Peter Villis auf dem Chefsessel des Karlsruher Unternehmens.

Rund 57 Prozent des von der EnBW erzeugten Stroms kommt aus Atomkraft, 27,6 Prozent aus fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas, 10,6 Prozent aus erneuerbaren Energien, und 4,6 Prozent aus sonstigen Quellen, etwa dem Handel an der Strombörse.

Bei der EVN war EnBW zu Beginn des Jahrtausends eingestiegen und stockte auf bis zu 36 Prozent auf. Im heurigen Herbst wollte man sich über den Markt auf unter 10 Prozent, der Teilausstieg war aber offenbar wegen eines zu geringen Preises wieder abgeblasen worden. Durch das Nicht-Mitziehen bei der EVN-Kapitalerhöhung verringerte sich der Anteil der Deutschen auf rund 32,5 Prozent.

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