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Eddie Izzard im Wiener Gartenbaukino

Schauspieler und Comedian Eddie Izzard ist im Wiener Gartenbaukino aufgetreten.
Schauspieler und Comedian Eddie Izzard ist im Wiener Gartenbaukino aufgetreten. ©AP
Die Götter sämtlicher Weltregionen kommen bei Eddie Izzard gar nicht gut weg: "Es gibt keinen Gott, und wenn, ist er ein Mistkerl", verkündete der britische Komiker bei seinem ersten Österreich-Auftritt am Mittwochabend. Das Publikum im Wiener Gartenbaukino zeigte sich begeistert.

All jene, die sich vom nach eigenen Angaben “heterosexuellen Action-Transvestiten” einen seiner berühmten Auftritte in Frauenkleidern erhofften, wurden enttäuscht. Die langen rot lackierten Fingernägel waren nur aus der Nähe zu bewundern. Dafür hatte Izzard eine Variation seines legendären “Death Star Canteen”-Sketches ebenso im Gepäck wie sein Markenzeichen, weniger enthusiastische Reaktionen des Publikums auf Witze auf seine Hand zu “schreiben”. “Ok, lost everyone there” oder “Don’t even try to explain that joke” waren bittere Erkenntnisse, die regelmäßig für Lacher sorgten.

Eddie Izzard begeisterte das Wiener Publikum

Wer im Laufe des eineinhalbstündigen Programms einmal geistig abdriftete, war verloren: Rasant führte der Brite mit skurrilen assoziativen Sprüngen durch den Abend, ließ von Religion bis englischer Geschichte, Sprachenkunde und Filmreferenzen von “Der Herr der Ringe” über “Die glorreichen Sieben” nichts aus. Hier ein Monolog mit politischer Botschaft, da ein Rollenspiel mit Gott als Darth-Vader-Verschnitt, dazwischen pantomimische Einlagen, Stimmenimitationen und Improvisationen.

Michael Mittermeier als Überraschungsgast

Mit seinem Support Act, Überraschungsgast Michael Mittermeier, teilte Izzard zumindest einen thematischen Schwerpunkt: Adolf Hitler. Was hierzulande nur schwer zündet, funktioniert beim englischen Publikum bestens. Izzards Atheismus etwa sei nicht nur darin begründet, dass Gott sich nie auf der Erde blicken lässt, sondern es auch verabsäumte, “Hitler rechtzeitig den Kopf abzuschlagen”. Dass er bei Naturkatastrophen nicht interveniere, könne man ihm noch nachsehen – “aber zumindest da hätte er einschreiten können, oder?”

Da verwundert es nicht, dass Izzard bei Mittermeiers englischsprachigem Soloprogramm “A German on Safari” als Namenspate fungiert. Gefühlte hundertmal fielen die Worte “Hitler” und “Nazis” in der 15-minütigen Einlage des deutschen Comedians, nebenbei wurden typische Klischees von Engländern und Deutschen breitgetreten.

Weltweite Tour des Komikers

Dass Izzards Programm ein wenig universeller angelegt ist, zeigt der dichte Tour-Plan, der ihn im Laufe des Jahres unter anderem noch nach Deutschland, Russland und Südafrika führt. Seit den 80er-Jahren tourt der im Jemen geborene Brite, der sich auch als Film- und Theaterschauspieler etablierte, mit eigenen Programmen. Der Durchbruch kam 1998 mit “Dress to Kill”, das ihm nach der Ausstrahlung im amerikanischen TV zwei Emmy Awards bescherte. Wer Sorgen hat, bei Izzards Englisch nicht mitzukommen, wird vom Kult-Komiker beruhigt: “Es gibt nur ein wichtiges Wort in der englischen Sprache, und das ist ‘Fuck'”, so der 51-Jährige. Das könne man auch in allen anderen Sprachen einbauen, von “formifuckindable” bis “fanfuckingtastisch” – “Notiz: Österreich ist unbeeindruckt”.

Comedy-Show im Gartenbaukino

Mit einer Comedy-Show hat sich das Gartenbaukino, an diesem Abend mit zusätzlichen Scheinwerfern ausgestattet, auf Neuland begeben und kann sich einen Tag nach der aufsehenerregenden “Oblivion”-Premiere mit Stargast Tom Cruise erneut über einen vollen Kinosaal freuen. “Das ist einer dieser Abende, von denen man lange träumt”, meinte sinngemäß Geschäftsführer Norman Shetler bei seinen Begrüßungsworten. Nächstes Jahr könnte es bereits ein Wiedersehen mit Izzard geben, wie er selbst andeutete: “Dann spiele ich auf Deutsch. Ganz bestimmt.” (APA)

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