ECMO-Therapie bei schwerem Covid-19-Verlauf kann Leben retten

Die ECMO-Therapie wird nur bei besonders schweren Fällen eingesetzt.
Die ECMO-Therapie wird nur bei besonders schweren Fällen eingesetzt. ©APA/AFP/ANNE-CHRISTINE POUJOULAT
Wenn selbst Beatmungsmaschinen bei Covid-19-Verläugfen nicht mehr helfen haben die Ärzte im AKH Wien gute Erfahrungen mit einer ECMO-Therapie gemacht. Dabei übernimmt eine Maschine die komplette Atmung.

Covid-19-Patienten mit schwerem Verlauf in intensivmedizinischer Behandlung haben bei einer ECMO-Therapie (extrakorporale Membranoxygenisierung, Anm.) gute Überlebenschancen. Das hat eine Auswertung der MedUni Wien und der Universitätskliniken im Wiener AKH ergeben. Rund drei Viertel der Patienten, die zwischen Pandemiebeginn und April 2021 eine ECMO-Behandlung erhalten haben, konnten demnach am Leben erhalten werden, hieß es am Freitag in einer Aussendung von MedUni und AKH.

ECMO, wenn Beatmungsmaschinen nicht mehr helfen

Bei der extrakorporalen Membranoxygenisierung übernimmt eine Maschine teilweise oder vollständig die Atemfunktionsleistungen für Patienten außerhalb ihres Körpers. Im internationalen Vergleich liegen das AKH Wien und die MedUni Wien mach eigenen Angaben damit im Spitzenfeld. Die ECMO kommt zum Einsatz, wenn Beatmungsmaschinen Covid-19-Patienten nicht mehr helfen können. Sie funktioniert wie eine "künstliche Lunge" außerhalb des Körpers und wurde zur Behandlung von Patienten mit einem akuten Lungenversagen entwickelt, bei denen die Chance besteht, dass die Lunge sich mit der Zeit wieder erholt. Die ECMO versorgt das Blut außerhalb des Körpers über einen Membran-Oxygenator mit Sauerstoff und befreit das Blut von Kohlendioxid.

Vorübergehend kann mit dieser Behandlung die Lungenfunktion, und bei entsprechendem Einsatz zusätzlich auch die Herzfunktion, ersetzt werden. Dadurch wird dem Körper Zeit gegeben, damit sich entweder die Organe erholen und ihre Funktion wieder aufnehmen oder um die Zeit bis zu einer Lungentransplantation zu überbrücken. Auch manche Covid-19-Patienten entwickeln ein schweres Lungen- und teilweise auch Herzversagen. Für sie kann die ECMO eine wertvolle Therapieoption darstellen, wie die Auswertungen im AKH zeigten.

61 von 87 ECMO-Patienten überlebten

Bei 87 ECMO-behandelten Covid-19-Patienten im AKH seit Pandemiebeginn bis April 2021, großteils an der Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin und an der Universitätsklinik für Innere Medizin, überlebten 61. Die Patienten waren im Durchschnitt 57 Jahre alt und 16,5 Tage an die ECMO angeschlossen. Die 28-Tage-Mortalität betrug 25,4 Prozent.

Im Oktober 2020 wurden im Wissenschafts-Journal "The Lancet" Studienergebnisse über die Erfahrungen mit ECMO-Behandlungen eines weltweiten Patientenregisters veröffentlicht, wonach die Langzeit-Mortalität bei unter 40 Prozent liegt. Dass die intensivmedizinischen Stationen von AKH Wien und MedUni Wien bereits vor der Covid-19-Pandemie auf die Behandlung von akutem Lungenversagen spezialisiert waren, wirke sich nun positiv auf die Versorgung von schwer an Covid-19 erkrankten Patienten aus, hieß es. Unter anderem hatte der mehrfache Formel-1-Weltmeister und Airline-Besitzer Niki Lauda vor seiner Lungentransplantation eine ECMO-Therapie bekommen.

ECMO-Therapie äußerst aufwendig

Als invasives Verfahren erfordert die ECMO-Behandlung ein spezialisiertes und entsprechend geschultes Team aus Kardiotechnikern, Ärzten und Intensivkrankenpflegern. Patienten werden mittels Katheter, der in die Hals- oder Leistenvene implantiert wird, angeschlossen. Der Umgang mit den Kanülen, das Gerinnungsmanagement und das Bestimmen des richtigen Zeitpunktes, wann mit der Therapie begonnen und wann diese beendet wird, sind Beispiele für das vielseitige Know-how, dass das Behandlungsteam bei der ECMO-Therapie braucht.

Die Zahl der spezialisierten und entsprechend geschulten Experten, die eine ECMO durchführen können, ist laut MedUni und AKH begrenzt. An den intensivmedizinischen Stationen von AKH Wien und MedUni Wien werden aktuell 25 Behandlungen parallel durchgeführt, womit die Kapazitäten weitestgehend ausgeschöpft sind.

(APA/red)

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