E-Control: Energiepreise dürften noch weiter steigen

Die Energiepreise in Österreich dürften weiter steigen.
Die Energiepreise in Österreich dürften weiter steigen. ©APA/dpa
Die Energiepreise haben noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, laut E-Control sind die Preiserhöhungen am Markt noch nicht vollständig beim Verbraucher angekommen.
Wien Energie erhöht Strompreis ab 2022

Für die heimischen Haushaltskunden haben die Energiepreise aus Sicht der Regulierungsbehörde E-Control noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Obwohl die Preisanhebungen der letzten Monate hoch gewesen seien, seien die durch verschiedene Faktoren getriebenen Stromgroßhandelspreise noch nicht ganz bei den Endkunden angekommen, meinte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch im Gespräch mit Journalisten. Die Branche erkenne aber, dass sie unter Beobachtung stehe.

Dort, wo schon Preissteigerungen bei Endkunden erfolgt seien - wie etwa in der Steiermark, Wien, NÖ und dem Burgenland -, werde damit wohl einmal das Auslangen gefunden werden. Andere Anbieter würden aber möglicherweise noch die Preise anheben. Davon sei auszugehen, wenn man sich die Forwards ansehe.

Gas, Kohle und CO2-Steuer sorgen für teuren Strol

Verantwortlich für den Preisschub bei Strom waren Verteuerung bei Gas, Kohle und den CO2-Zertifikaten. Kohle verteuerte sich von 54 Euro pro Tonne vor einem Jahr auf nun knapp 100 Euro. Die Gaspreise stiegen zugleich von 25 auf 58 Euro pro Megawattstunde (MWh), die CO2-Preise von 30 auf 80 Euro je Tonne. Diese Year-ahead-Preise beziehen sich auf letztes Jahr für die Lieferung 2021 und dieses Jahr auf jene im Jahr 2022.

Viele Anbieter könnten günstige Preise für Neukunden nur noch schwer darstellen, deshalb gebe es neue Verträge zu höheren Preisen oder Kündigungen. Werde ein Anbieter insolvent (wie kürzlich Fulminant Energie mit 7.000 Kunden), sorge die E-Control dafür, dass Betroffene einen anderen Lieferanten zugeteilt bekommen. Auch wenn ein Anbieter den Markt verlässt, stehe niemand ohne Strom oder Gas da.

E-Control stellt Netzbetreibern in Österreich gutes Zeugnis aus

Generell stellt die E-Control den Netzbetreibern ein gutes Zeugnis aus, erläuterte die Leiterin der Abteilung Endkunden, Christina Veigl-Guthann, bei der Vorstellung des 1. Konsumentenschutzberichts des Regulators am Montagabend. Voriges Jahr erhielten die Netzbetreiber von ihren Kunden rund 3,5 Mio. Anfragen bei Strom und rund 1 Mio. Anfragen bei Gas. 42 Prozent davon betrafen verrechnungsrelevante Aspekte. Die Erfüllungsquote dieser Anfragen liege bei 97 bis 100 Prozent, ein sehr hoher Wert.

Schon seit 2001 betreibt die E-Control ihre Energie-Hotline und seit 2002 die Schlichtungsstelle. Voriges Jahr gab es bei der Hotline 3.436 telefonische und 1.180 schriftliche Eingänge - primär ging es um Wettbewerbs- oder Rechnungsfragen. Von den 1.267 Eingaben bei der Schlichtungsstelle bezogen sich die meisten auf das Thema Rechnungen. Trotz vieler Mahnungen gebe es nur wenige Abschaltungen - bei Strom 0,3 Prozent bezogen auf die Zahl der "letzten Mahnungen", bei Gas 0,25 Prozent. Absolut gab es bei Strom 15.449 Abschaltungen nach 276.877 letzten Mahnungen, bei Gas 2.975 nach 76.794 - für Veigl-Guthann eine international sehr gute Situation. Und, so Urbantschitsch: Durch die freiwillige Branchenvereinbarung über das Nicht-Abschalten bei Zahlungsverzug habe es sogar weniger Abschaltungen gegeben als vor der Coronakrise. Zudem würden sich die Kunden stärker an ihre Ratenpläne halten und pünktlicher zahlen.

Flexible Tarife statt Fixperise

Dass immer mehr Energieanbieter ihre Tarife anstelle der früheren Fixpreisprodukte auf jährliche Floater umstellen, die sich an Indizes orientieren, sieht die Energie-Control "mit Bedauern". "Das bereitet uns Sorgen", sagte Urbantschitsch. Das wälze das Risiko auf die Kunden ab und schränke den Wettbewerb ein.

Grundsätzlich würde man häufigere Energierechnungen für die Kunden befürworten als jetzt, am besten monatlich, so Urbantschitsch. Es fehle dafür die gesetzliche Grundlage - und auch eine ausreichende Ausrollung der intelligenten Stromzähler, wie sie wohl erst in zwei Jahren erreicht sei. Kunden mit Smart Meter könnten sich schon jetzt eine Monatsrechnung wünschen, so die Leiterin der Abteilung Endkunden, Christina Veigl-Guthann. Diese könnten sich dann intensiver mit den Energiepreisen auseinandersetzen. Vielleicht liege die Zukunft aber auch in Preis-Apps, um die Kunden hier stärker mitzunehmen.

E-Control hält nichts von politischen Eingriffen in den Energiemarkt

Von einer Wiedereinführung einer amtlichen Preisregulierung im Energiebereich hält Urbantschitsch nichts - und ebenso wenig von der jüngsten Forderung von SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll, sämtliche Haushalte von der fixen Erneuerbaren-Förderpauschale (netto 36 Euro pro Haushalt bzw. brutto 42 Euro im Jahr) zu befreien. Für einen Großteil der Kunden sei ein Betrag in dieser Höhe absolut in Ordnung, und die von der GIS-Gebühr Befreiten könnten sich ohnedies auch davon befreien lassen. Für Veigl-Guthann liefe die Schroll-Idee auf ein Vorgehen nach dem "Gießkannen-Prinzip" hinaus.

Beinahe zwei Drittel der Ökostromkosten sparen sich die heimischen Haushalts- und Unternehmenskunden kommendes Jahr ohnedies - weil der Marktpreis für Strom so hoch ist, dass beim Ökostrom kaum mehr dazusubventioniert werden muss. Gegenüber heuer spare sich ein Haushalt im Schnitt 67 Euro - dieses Jahr macht die Belastung noch 110 Euro aus, so Urbantschitsch. Den Wegfall des Erneuerbaren-Förderbeitrags für 2022 hatten Klimaschutz- und Wirtschaftsministerium beschlossen, voriges Jahr handelte es sich dabei um rund 580 Mio. Euro. Durch den gänzlichen Wegfall dieses Postens wird auch der erst heuer beschlossene, neu geltende 75-Euro-Deckel für Haushalte mit niedrigen Einkommen zunächst gar nicht schlagend.

(APA/red)

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