Dogman - Kritik und Trailer zum Film

Er ist ein Underdog, wie er im Buche steht: Der schmächtige Marcello (Marcello Fonte) verdingt sich in einem kleinen italienischen Städtchen als Hundefriseur. Und ebenso bullig wie ein Teil seiner Kunden ist auch Freund Simone (Edoardo Pesce), ein grobschlächtiger Haudrauf, der die Bewohner im Viertel tyrannisiert. Doch Marcello steht zu seinem Kumpel, wenngleich diese Beziehung immer einseitiger verläuft und bald auf eine harte Probe gestellt wird.

Schon die erste Szene von “Dogman” hat es in sich: Ein bulliger, die Lefzen hochziehender Hund bellt direkt in die Kamera. Während das Tier aggressiv die Zähne bleckt, könnte sein Gegenüber nicht gutmütiger sein. Hundefriseur Marcello müht sich mit Engelsgeduld am Vierbeiner ab. Doch wird er in Matteo Garrones “Dogman” so lange in die Enge getrieben, bis der Faden reißt. Ab Freitag im Kino.

Dogman: Kurzinhalt zum Film

Der Film des “Gomorrha”-Regisseurs, der heuer im Wettbewerb von Cannes lief, präsentiert sich recht schnell als harte Studie über Männlichkeit, Freundschaft und Unterdrückung. In einem kleinen, verfallenen Küstenstädtchen irgendwo in Italien angesiedelt, kreist alles um das Leben des schmächtigen Marcello (Marcello Fonte), der sich mit seinem Hundesalon über Wasser hält, im Viertel grundsätzlich beliebt ist und alles für seine kleine Tochter Alida tun würde. Und grundsätzlich scheint er mit seinem Leben auch zufrieden, gäbe es nicht Simone.

Der von Edoardo Pesce überhart interpretierte Ex-Boxer tyrannisiert die kleine Gemeinschaft, wo er nur kann, ist aber offenbar zumindest auf Marcello einigermaßen gut zu sprechen. Kein Wunder, versorgt dieser ihn doch immer wieder mit Koks und versucht, kalmierend einzuschreiten, wenn Simone mal wieder die örtliche Spielbude kurz und klein schlägt. Es ist eine eigenwillige Chemie, Garrone mit seinen Drehbuchautoren Ugo Chiti und Massimo Gaudioso da fabriziert: Die Abhängigkeiten laufen zwischen Marcello und Simone nämlich gegenseitig, aber natürlich mit gehöriger Schieflage.

So kommt es, wie es wohl kommen muss: Als ein Einbruch beim benachbarten Goldhändler verübt wird, gerät schnell Marcello ins Visier der Behörden. Diese bieten ihm zwar einen Deal an, weiß doch jeder in der Gemeinde, dass nur sein bärbeißiger Kumpel Simone für das Verbrechen infrage kommt. Aber Marcello hält letztlich lieber den Kopf hin und wandert für den brutalen Schläger ein Jahr ins Gefängnis. Alles erscheint ihm ertragbar, solange er nur seinem Töchterchen den ersehnten Urlaub in fernen Ländern bieten kann. Nur: Dass Simone nach seiner Haftentlassung nichts von einem Teilen der Beute wissen will, bringt für Marcello das Fass schlussendlich zum Überlaufen.

Dogman: Die Kritik

So einfach die prinzipielle Geschichte ist, die in “Dogman” serviert wird, so vielschichtig gelingt Garrone die Darstellung seiner zentralen Protagonisten. Wie ein Kammerspiel im verrohten, verlassenen, vergessenen Niemandsland inszeniert, ist man ganz nahe dran an den Figuren, die so klassisch anmuten, als kenne man sie schon ewig. Daher stört es auch nicht, dass die Beziehung zwischen Marcello und Simone nicht näher erläutert wird. Garrone verlässt sich hier auf das Können seiner Akteure, und hat hier allen voran mit Fonte das große Los gezogen.

Dem 39-Jährigen, der in Cannes völlig verdient als bester Schauspieler prämiert wurde, schaut man einfach zu gerne zu, wenn er sich um seine Hunde kümmert, bei einem Wettbewerb den weißen Pudel nach allen Regeln der Kunst föhnt und frisiert oder mit seiner Tochter in der beruhigenden Stille des Meeres auf Tauchgang geht. Selbst wenn seine Handlungen unlogisch wirken, selbst wenn man ihm ein Wort der Warnung zurufen möchte – er bleibt stoisch bei seinen Prinzipien. Doch versteht man den Polizisten, der ihn beim Verhör am Posten fragt: “Was zur Hölle geht in deinem Kopf vor?”

Die dazu passenden Bilder sind schonungslos und von einer Direktheit, die mehrfach nach einem guten Magen beim Kinogeher verlangt. Wer hier Schläge einstecken muss, kommt nicht mit einem Veilchen davon. Aber dafür stimmt die Balance mit den leichten Momenten, wenngleich es klar ist, in welche Richtung “Dogman” abzielt: Thrillerexperte Garrone wagt sich an einen geradezu archetypischen Stoff heran und versteht es blendend, ihn in einem zeitlos strahlenden Licht zu präsentieren.

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(APA/Red)

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