Die Vorarlberger Autorin Verena Roßbacher im Interview

Wien -  Die Vorarlberger Autorin Verena Roßbacher hatte im Vorjahr mit dem Roman "Verlangen nach Drachen" eines der originellsten Debüts vorgelegt. Jetzt gab sie der APA ein Interview.

Der Verlag Kiepenheuer & Witsch setzte 10.000 Stück des Romans der heute in Berlin lebenden Vorarlbergerin ab.

Roßbacher wurde 1979 in Bludenz geboren, studierte einige Semester Philosophie, Germanistik und Theologie in Zürich, ehe sie zum Studium an das Deutsche Literaturinstitut Leipzig ging.

Vor dem Aufbruch zu den 34. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt sprach sie mit Wolfgang Huber-Lang von der APA.

APA: Frau Roßbacher, bei der Vorstellung der Autorinnen und Autoren, die in Klagenfurt lesen, wurden Sie zunächst als Deutsche geführt, mittlerweile als Österreicherin. Haben Sie interveniert?

Roßbacher: Ich habe mich selbst gewundert, denn ich fühle mich tatsächlich nicht als Deutsche, obwohl ich seit einem Jahr in Berlin lebe und davor sieben Jahre in Leipzig studiert habe. Also habe ich nachgefragt…

APA: In Leipzig lehrt Josef Haslinger am Deutschen Literaturinstitut. Waren Sie seine Schülerin?

Roßbacher: Das bin ich wohl im weitesten Sinn. Er hat auch meine Diplomarbeit betreut. Ich wollte schon in Zürich, wo ich auch Philosophie und Theologie studiert habe, eigentlich vor allem schreiben.

APA: Im angelsächsischen Raum ist die Tradition der handwerklichen Vermittlung des Schaffens von Literatur viel größer als bei uns, wo man dieser Haltung lange eher skeptisch gegenüberstand. Sie dürften wohl eher der Ansicht sein: Ja, Schreiben lässt sich lernen?

Roßbacher: Ehrlich gesagt bin ich da zwiegespalten. Tatsächlich bin ich nicht der Meinung, das man Schreiben lernen kann. Das wichtigste ist der ständige Bodenkontakt, der ständige Austausch mit anderen Autoren. Alle laufen ja mit den gleichen Problemen herum.

APA: Ist das auch Ihr Hauptantrieb, nach Klagenfurt zu kommen?

Roßbacher (lacht): Na ja, um Kollegen zu treffen gebe es ja auch andere Möglichkeiten. Der Pulk an Leuten, der einen dort umgibt, schreckt mich am meisten. Aber mich hat dieser Anlass gereizt, ich fand ihn immer ebenso merkwürdig wie spannend. Es ist ein Anlass, um den man auf Dauer nicht herumkommt. Ich finde schon sehr gut, sich der eigenen Angst zu stellen. Aber auch wenn ich gerne vor allem meine Ruhe hätte, machen mir Lesungen auch viel Spaß. Ich lese gerne. Was kann man schon verlieren? Vermutlich kann man aber sehr gekränkt werden…

APA: Hat Sie der große Erfolg Ihres Romandebüts “Verlangen nach Drachen” überrascht, und hat er Ihnen eine Existenz als Autorin ermöglicht?

Roßbacher: Josef Haslinger sagte mir vorher: Es gibt zwei Möglichkeiten der Aufnahme – sehr gut, oder sehr schlecht, so als akribische Bastelarbeit. Es ist wahnsinnig wohltuend, gute Kritiken zu bekommen, aber es bringt einem als Autorin nichts. Denn die Zweifel kommen ja dennoch wieder. Dennoch war es natürlich wichtig für mich. Und: Ja, ich lebe in weitestem Sinn vom Schreiben. Ich habe rund 70 Lesungen gemacht, da verdient man Geld, das läppert sich zusammen.

APA: Wird man beim Bachmann-Preis etwas vonder Erzählstimme aus “Verlangen nach Drachen” wiedererkennen?

Roßbacher: Es ist ein sehr anderer Text, was für mich auch sehr gut ist – der Anfang aus einem neuen Roman, an dem ich arbeite. Er soll voraussichtlich 2012 erscheinen.

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

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