Die Säulen der Erde: Film-Dreh in der Wiener Votivkirche

Donald Sutherland in "Die Säulen der Erde"
Donald Sutherland in "Die Säulen der Erde" ©Foto: ORF
Ein dramatisches Mittelalter-Epos mit internationaler Starbesetzung zum Dreh in Wien Alsergrund: Donald Sutherland, Hayley Atwell und Ian MacShane haben in der Wiener Votivkirche für die Verfilmung von Ken Follets "Die Säulen der Erde" eine Krönungszeremonie abgehalten.

Ehrfurchtgebietende Edelleute haben sich in der Wiener Votivkirche eingerichtet: Der Bischof, der frisch gekrönte König und sein Gefolge. Donald Sutherland neigte bei der Krönungszeremonie mit stolzer Geste Haupt und Knie – “das ist ziemlich schwierig”, scherzte er danach vor Journalisten.

Am Samstag fand er dann schon sein tragisches Ende: Da stand sein von feigen Intriganten inszenierter Tod vor der Kulisse von Burg Kreuzenstein auf dem Programm: Die Dreharbeiten für die Fernsehverfilmung von Ken Folletts Mittelalter-Bestseller “Die Säulen der Erde” sind derzeit in Österreich im Gange, dann geht es zurück nach Ungarn. “Es war bereits ein langer Dreh, mit einem riesigen Cast”, blickte Regisseur Sergio Mimica-Gezzan auf die vergangenen Monate zurück.

Tausend Seiten Buch in acht Stunden Film

Mehr als tausend Seiten zählt Follets Roman aus dem Jahr 1990, etwa acht Stunden soll der Fernseh-Mehrteiler dauern. 2010 wird er auf ORF zu sehen sein, der auch als Koproduzent beteiligt ist. Mit einem Budget von 40 Millionen Dollar (27,0 Mio. Euro) stellen die Deutschen Tandem Communications, die kanadischen Muse Entertainment sowie Scott Free Films ein gewaltiges Epos auf die Beine.

“Es gibt diese vielen verschiedenen Ebenen. Es ist eine historische Geschichte, eine Liebesgeschichte, es geht um Politik und Macht und Gier”, so Mimica-Gezzan über den Stoff, der über einen Zeitraum von fast fünfzig Jahren den Bau einer Kathedrale, die Geschicke des englischen Adels und Klerus im Bürgerkrieg (1135 bis 1154) und die tragische Liebe seiner schicksalsgebeutelten Protagonisten begleitet.

Da ist die schöne Aliena, wohlgebildete Edelfrau, deren Welt nach einer Intrige gegen ihren Vater (Donald Sutherland) grausam in sich zusammenbricht: “Ihr Leben verändert sich für immer und der Rachedurst wird zu ihrem Weg der Heilung”, beschreibt Schauspielerin Hayley Atwell, die es mit der Aliena nach ihrer Rolle in der “Herzogin” erneut in einen Historienfilm verschlagen hat. “Ich habe das nicht geplant, ich stehe ja noch ganz am Anfang meiner Karriere”, erzählt die 27-jährige Britin im Interview. “Offensichtlich sehe ich richtig aus für Historienfilme und spreche richtig – aber ich möchte mich nicht darauf festlegen.”

Gut und Böse

In den “Säulen der Erde” ist Aliena eine der Schlüsselfiguren im großen Macht- und Liebeskampf. Vom ruchlosen William (David Oakes) begehrt, vom revolutionären Baumeister Jack (Eddie Redmayne) geliebt und ständig im Kampf gegen den intriganten Bischof Waleran. “In unserer modernen Welt gibt es keine wirklich bösen Charaktere mehr”, meint dessen Darsteller Ian McShane. “Alles ist immer sehr kompliziert”. Die hohen Positionen, ob in Politik oder Kirche seien nur einigen wenigen aufgrund ihrer Überzeugungen oder ihres Glaubens zugfallen – “die meisten haben einen durchdachten Machtkampf hinter sich”.

Votivkirche als Westminster Abbey

In der gotisch-düsteren Atmosphäre der Votivkirche fühlt sich McShane jedenfalls durchaus wohl – “unter der Kutte habe ich warme Unterwäsche” – auch wenn der Londoner die Ähnlichkeiten mit der Westminster Abbey, die sie darstellen soll, nicht so ganz beurteilen kann. “Ich glaube, da war ich noch nie drin, in seiner eigenen Stadt besucht man keine Sehenswürdigkeiten.” Mimica-Gezzan weiß es genauer: “Die Unterschiede zwischen der neugotischen Architektur hier und dem Hochmittelalter kann man digital verringern”, erklärt der Regisseur. Neben der Votivkirche hat sich das Filmteam für seine fünfzehn Drehtage in Österreich auch die Burgen Liechtenstein und Kreuzenstein ausgesucht, um Folletts Mittelalter auferstehen zu lassen.

“Es gibt dieses ein Mittelalter-Stereotyp, wo immer alles grau und dunkel ist, ästhetisch genauso wie psychologisch”, kritisiert der Mimica-Gezzan an zahlreichen Filmen. “Wir wissen das aber doch gar nicht. Menschen waren Menschen, auch sie liebten Farbe und wollten sich schön anziehen”. Durchaus glanzvoll kostümiert sind neben Atwell, Sutherland und MacShane auch Rufus Sewell als Tom Builder, Matthew MacFadyen als Prior Philip, Sarah Parish als Regan und Tony Curran als König Stephen. Farbkleckse aus Samt und Seide in steinernen Gemäuern. “Ich halte mich derzeit viel in Kirchen auf”, scherzt Mimica-Gezzan. Warme Jacken gehören da zur Arbeitskleidung.

Bis Ende November die letzte Klappe fällt, könnte das dunkle Mittelalter noch um einige Grad kälter werden.

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