Die FPÖ darf jubeln

Die Ibiza-Affäre gerät in Vergessenheit, der Wahlkampf läuft auf Hochtouren.
Die Ibiza-Affäre gerät in Vergessenheit, der Wahlkampf läuft auf Hochtouren. ©APA/AFP/ALEX HALADA
Gastkommentar von Johannes Huber. Der Wahlkampf läuft ganz nach dem Geschmack von Hofer, Kickl und Co. Vor allem werden sie wieder einmal unterschätzt.

Allmählich gerät in Vergessenheit, dass die Ibiza- eine FPÖ-Affäre ist: Ex-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache träumte vor zwei Jahren in jener Villa auf der Mittelmeerinsel davon, die Kronenzeitung zu seinen Gunsten umzudrehen, Parteispenden am Rechnungshof vorbeizuschleusen, öffentliche Aufträge willkürlich zu vergeben und so weiter und so fort, zack-zack-zack. All das ist jedoch vergessen: „Ibiza“ macht heute eher der ÖVP zu schaffen. Die gleichnamige „Soko“ hat einen ehemaligen Mitarbeiter von Sebastian Kurz ins Visier genommen: Arno M. hatte fünf Festplatten des Kanzleramts schreddern lassen – als Privatperson und gleich drei Mal.

Die FPÖ-Führung darf sich freuen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Sprich: Ibiza lastet nicht mehr allein auf ihr, sondern auch auf der ÖVP sowie zum Teil auch der SPÖ (in Sachen möglicher Parteienfinanzierung über irgendwelche Vereinskonstruktionen). Damit ist die Ausgangslage im Hinblick auf die Nationalratswahl am 29. September fast schon wieder neutralisiert.

Und überhaupt: Die FPÖ ist immer dann am erfolgreichsten, wenn sie unterschätzt wird. Und genau das wird sie wieder: Alle gehen davon aus, dass die ÖVP triumphieren und sie abstürzen wird. Warum das gut für sie ist, ist leicht erklärt: Wenn sie nach allgemeiner Überzeugung ohnehin verlieren wird, sehen sich auch politische Mitbewerber viel weniger gezwungen, Wähler davon abzuhalten, sie zu unterstützen.

Schon bei der EU-Wahl haben die Freiheitlichen vor diesem Hintergrund überraschen können. Knapp nach Veröffentlichung des Ibiza-Videos und ihrem Ausscheiden aus der Bundesregierung sind sie nur um zweieinhalb Prozentpunkte auf 17,2 Prozent zurückgefallen. Und Heinz-Christian Strache erhielt wie aus dem Nichts 44.751 Vorzugsstimmen.

Das war ein Hinweis darauf, welches Potenzial die Freiheitlichen haben. Wirklich ernst genommen hat das jedoch niemand. Und im Hinblick auf die Nationalratswahl ist das Potenzial nun noch viel größer. Ein Grund dafür ist die Doppelspitze der Partei.

Herbert Kickl wird nach wie vor täglich für seine teils zynische, teils brutale Flüchtlingspolitik kritisiert. Das nützt ihm bei all jenen Österreichern, die genau eine solche wollen. Und wenn dann, wie diese Woche, auch noch bekannt wird, dass er als Innenminister die Errichtung eines Grenzzaunes prüfen ließ, dann kann ihm das nur recht sein: Es unterstreicht einmal mehr, dass er es wirklich ernst gemeint hat mit seinem Kurs.

Selbst die Ansage der ÖVP sowie von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, ihn kein weiteres Mal als Innenminister zu akzeptieren, ist ganz in seinem Sinne: Es bindet seine Anhänger nur noch stärker an ihn.

Gar nicht auf dem Radar haben Medien und andere Parteien jedoch Norbert Hofer: Das ist der bisher erfolgreichste FPÖ-Politiker. So viele Stimmen, wie er bei den Bundespräsidenten-Wahlen vor drei Jahren, hat noch kein anderer gewonnen. Auch heute vertrauen ihm laut APA/OGM-Index 35 Prozent der Österreicher. Das sind viele. Und es könnten in den nächsten Wochen noch mehr werden, wenn der freiheitliche Spitzenkandidat seine Stärken erst so richtig ausspielen kann; in den TV-Duellen nämlich, in denen er sich staatstragend geben und mit seiner devoten und zugleich wieder angriffigen Art und Weise auch seine größten Gegner zur Weißglut treiben kann.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.

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