Diakonie fordert School Nurses für psychisch und chronisch kranke Kinder

Schenk fordert School Nurses.
Schenk fordert School Nurses. ©APA/HANS PUNZ
Durch die Coronapandemie hat sich die Situation für psychisch und chronisch kranke Kinder noch verschlechtert. Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk fordert nun School Nurses und den Ausbau von Schulassistenz.

Die Situation chronisch oder psychisch kranker Kinder hat sich durch die Coronapandemie verschlechtert, warnt Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk. Am Krisentelefon, in mobilen Therapien, in Jugendnotschlafstellen oder Wohngemeinschaften sei der Druck "wirklich ziemlich gestiegen". Er fordert deshalb gegenüber der APA frühe Hilfen für Familien mit wenig Geld, mehr Therapieplätze für Kinder und eine Verlängerung der Jugendhilfe, außerdem School Nurses und mehr Schulassistenz.

Chronische Kranke leiden oft auch unter Auschluss und Mobbing

In Österreich leben rund 190.000 Kinder und Jugendliche mit einer chronischen Erkrankung wie Asthma, Diabetes, Rheuma oder Stoffwechselstörungen. Für die Kinder bedeute das neben der Beeinträchtigung durch Schmerzen auch, dass sie unter Nebenwirkungen von Medikamenten wie Konzentrationsstörungen leiden oder wegen Fehlstunden Stoff verpassen. Es komme vor, dass chronisch Kranken die Aufnahme in Kindergarten oder Schule verweigert wird. Betroffene würden vielfach beklagen, dass sie etwa wegen Essensvorschriften ausgeschlossen oder von Mitschülern gemobbt werden, so Schenk.

Schenk fordert Einsatz von Schoolnurses

Durch Corona komme für diese Gruppe nun noch die psychische Belastung dazu. Schenk fordert den Einsatz von Gesundheits- und Pflegefachkräften mit Spezialisierung in Kinder- und Jugendlichenpflege an den Schulen. Solche Schoolnurses würden dafür sorgen, dass die Gesundheitskompetenz sowohl der Kinder als auch der Eltern nachhaltig steige, verweist er auf Erfahrungen aus den USA, Frankreich oder bei Pilotprojekten in den deutschen Bundesländern Hessen und Brandenburg.

"Damit alle Kinder gute Entwicklungsmöglichkeiten bekommen, müssen wir die Benachteiligung chronisch kranker Kinder in Bezug auf StützlehrerInnen und Assistenz beenden." Deren Aufgaben können von pflegerischen Tätigkeiten wie An- und Ausziehen bis zum Lösen schulischer Aufgaben in Absprache mit den Lehrern reichen.

Leiterer Zugang zu Therapien gefordert

In den Familienberatungsstellen, Jugendnotschlafstellen bzw. Wohngemeinschaften ist infolge der Pandemie der Bedarf nach Unterstützung bei psychischen Erkrankungen, Krisenintervention und Stützung weiter gestiegen, berichtet Schenk. Schon bisher hätten 60.000 Kinder in Österreich nicht die für sie notwendige Therapie erhalten. Nun würden die ohnehin schon langen Wartelisten bei Zuweisungen zu Kinderfachärzten, Psycho-, Physio- und Ergotherapeuten noch einmal länger. Der Experte fordert leichteren Zugang zu Psychotherapie, Therapieangebote und psychosoziale Notdienste müssten ausgebaut werden.

Bessere Begleitung in der Schwangerschaft und nach der Geburt brauche es außerdem für Familien mit wenig Geld. Hier könnten "frühe Hilfen" die (werdenden) Mütter und Väter im Alltag unterstützen und ihre Elternkompetenzen fördern, wodurch Entwicklungsstörungen, -verzögerungen und Krankheiten verhindert oder reduziert werden könnten.

Jugendliche sollen länger begleitet werden

Gleichzeitig dürfen Jugendliche mit schwieriger Lebensgeschichte nicht mit 18 aus der Betreuung der Jugendhilfe fallen, fordert er. Im Schnitt bekommen laut Diakonie nur bei 15 Prozent jener Jugendlichen, die in einer Wohngemeinschaft leben, auch nach dem 18. Geburtstag Unterstützung durch das Jugendamt. Schenk fordert Angebote bis zum 24. Lebensjahr, wie das etwa in Norwegen der Fall sei. "Diese Begleitung wirkt stark präventiv und beugt Abstürzen vor."

(APA/Red)

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