Deutlicher Rückgang der Krankenstände in der Corona-Pandemie

In der Corona-Pandemie wurden weniger Krankenstände verzeichnet
In der Corona-Pandemie wurden weniger Krankenstände verzeichnet ©Pexels/Andrea Piacquadio (Sujet)
Wie Daten des am Donnerstag veröffentlichten "Fehlzeitenreport" schließen lassen, führt die Corona-Pandemie zu einem deutlichen Rückgang der Krankenstände.
Weniger Krankenstände trotz Tele-Krankmeldung
Zwei Drittel wenige Krankenstände

Der "Fehlzeitenreport" wird jährlich vom Dachverband der Sozialversicherungsträger, der Wirtschafts- und der Arbeiterkammer sowie des Wifo erstellt. Der aktuellen Auswertung zufolge kam es im Frühjahr während des Lockdowns zu einem starken Rückgang der Zugänge in den Krankenstand.

Vollständige Krankenstandsdaten fehlen noch - deutlicher Rückgang erwartet

Die Zahl der Neuzugänge in den Krankenstand lag im April 2020 fast zwei Drittel unter dem Vorjahresniveau, im Mai betrug das Minus 55 Prozent. In den Folgemonaten glichen sich die Zahlen zwar etwas stärker an das Vorjahr an, sie lagen im Sommer aber immer noch um ein Fünftel bis ein Viertel unter den Vergleichswerten aus 2019. Angesichts des zweiten Lockdowns im November ist aber wieder ein deutlicherer Rückgang zu erwarten. Die vollständigen Krankenstandsdaten für 2020 werden zwar erst Mitte 2021 verfügbar sein, die vorliegenden unterjährig verfügbare Informationen zu den monatlichen Zu-und Abgängen in den Krankenstand lassen aber bereits einen deutlichen Rückgang erwarten.

Für diesen Rückgang werden im Fehlzeitenreport unterschiedliche Faktoren angenommen. Dazu zählt die starke Verbreitung von Kurzarbeit und Homeoffice, wodurch sich Beschäftigte bei Erkrankung in vielen Fällen nicht krankschreiben lassen. Ähnliches könnte auch für die Quarantäne gelten. Auch Einschränkungen im Gesundheitsbetrieb, wie die Verschiebung von nicht dringend notwendigen Eingriffen, wirken sich dämpfend auf die Krankenstandszahlen aus. Die Möglichkeit der telefonischen Krankmeldung erleichtert zwar den Zugang in den Krankenstand, gleichzeitig war jedoch die Zahl der Besuche in ärztlichen Praxen auch über die Phase des Lockdowns hinaus rückläufig.

"Höchst verantwortungsvoller" Umgang mit telefonischer Krankmeldung

Für ÖGK-Obmann Andreas Huss bedeutet der Rückgang der Krankenstände trotz der telefonischen Krankmeldung, dass die Mitarbeiter "höchst verantwortungsvoll" mit dieser Möglichkeit umgehen. Zudem hätten viele Arbeitnehmer Angst vor Jobverlust durch Krankheit, sagte Huss in einer Aussendung.

Schwerpunkt des Fehlzeitenreports ist die Krankenstands-Statistik für 2019, die die Statistik Austria auf Basis von Daten des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger bereits am 21. September veröffentlicht hat. Demnach verbrachten die unselbstständig Beschäftigten im Vorjahr mit 13,3 Tage wieder etwas mehr Zeit im Krankenstand als 2018 mit 13,1 Tage. Auffallend ist dabei, dass Frauen mit 13,8 Tagen durchschnittlich etwas länger krankgeschrieben waren als Männer mit 12,9 Tagen.

Je älter, desto mehr Krankenstandstage

Insgesamt wurden im Jahr 2019 4,735 Millionen Krankenstandsfälle (ohne Beamte) registriert, davon 2,486 Mio. von Männern und 2,248 Mio. von Frauen. Ein Krankenstand dauerte dabei im Durchschnitt 9,7 Tage (Männer 9,8, Frauen 9,6 Tage). Mit zunehmendem Alter steigt auch die Dauer der Krankheiten. Die 20- bis 34-Jährigen liegen mit 10,9 Tagen und die 35- bis 49-Jährigen mit 11,6 Tagen unter dem Schnitt der Krankenstandstage pro Kopf, die 50- bis 64-Jährigen mit 18,7 Tagen hingegen deutlich darüber.

Langfristig gesehen erreichten die krankheitsbedingten Fehlzeiten 1980 mit 17,4 Krankenstandstagen pro Kopf ihren Höchstwert. 1990 verzeichnete die Statistik durchschnittlich 15,2 Tage pro Kopf, 2000 waren es noch 14,4Tage. In den vergangenen zehn Jahren schwankte die Zahl der Krankenstandstage zwischen 12,3 und jetzt 13,3 Tage pro Kopf. Wobei in den letzten drei Jahren wieder ein Anstieg zu verzeichnen ist - 2017 waren es noch 12,5 Tage, 2018 13,1 Tage.

Psychische Erkrankungen nehmen zu

Die Zahl der psychischen Erkrankungen, die 2016 bis 2018 annähernd konstant geblieben war, ist dem längerfristigen Trend folgend 2019 wieder um rund zehn Prozent gestiegen. Begründet wird dies mit einer langsamen Enttabuisierung von psychischen Krankheiten, wodurch immer mehr Menschen gewillt sind, sich zur Behandlung dieser Krankheitsbilder in Therapie zu begeben.

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(APA/Red)

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