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Der Rausch - Kritik und Trailer zum Film

Martin (Mads Mikkelsen) und seine Freunde Tommy (Thomas Bo Larsen), Nikolaj (Magnus Millang) und Peter (Lars Ranthe) sind um die 50, Lehrer - und ausgebrannt. Sie fühlen sich alt und müde. Ermutigt durch die Theorie, dass der Mensch mit einem halben Promille zu wenig Blutalkohol geboren ist, stürzen sich die Kumpels in ein Experiment: Sie wollen durch Alkoholzufuhr das vermeintliche Defizit ausgleichen. Das Ergebnis ist am Anfang positiv, die Freunde leben auf und haben wieder Spaß am Leben. Doch die negativen Auswirkungen lassen nicht lange auf sich warten...

Thomas Vinterberg gehört zu den Hauptproponenten der Dogma-95-Bewegung und hat sich mit Werken wie "Das Fest" als zentrale Kinostimme Dänemarks nach Lars von Trier etabliert. Mit seinem neuen Werk "Der Rausch" ("Druk") gelingt dem 52-Jährigen nun das Kunststück eines echten Männerfilms - nicht im Sinne eines billigen Actionreißers, sondern als sensibles, humorvolles Porträt einer Freundesgruppe in der Midlifekrise. Ab Freitag im Kino.

Der Rausch - Kurzinhalt zum Film

Vier Freunde, Lehrer um die 50+ an derselben Schule. Ihnen geht es eigentlich gut, und doch sind alle in ihren alltäglichen Routinen, dem ewig gleichen Trott gefangen. Dass sie sich bei einer gemeinsamen Zusammenkunft das Herz ausschütten, bewirkt den Umschwung. Die Theorie eines norwegischen Psychologen, dass der Mensch mit einem halben Promille zu wenig Blutalkohol geboren ist, nehmen die Kumpel als Ausgangspunkt, dieses vermeintliche Defizit alltäglich auszugleichen und eine Studie über ihr Experiment zu schreiben. Alles geht anfangs gut, das Leben gewinnt wieder an Farbe - bis die ersten Entgleisungen passieren.

Hauptfigur des ebenso politisch inkorrekten wie sensiblen Blicks ist Mads Mikkelsen - mit seiner in Stein gemeißelten Physiognomie grandioser Porträtist eines Mannes in der Krise. Seine Figur Martin ist ein Pädagoge, der das Gefühl hat, langweilig geworden zu sein. Eine Meinung, die er mit seinen Schülerinnen und Schülern teilt. Beinahe wirkt Mikkelsens markantes Antlitz zu stark, um in den dänischen Alltag eines Kleinbürgers zu passen.

Und doch schafft es letztlich das neben Mikkelsen aus Thomas Bo Larsen, Lars Ranthe und Magnus Millang bestehende Quartett, sympathische Charaktere ohne Anbiederung zu erschaffen - wofür das Ensemble auch bei den Filmfestspielen von San Sebastian in toto gewürdigt wurde. Beinahe traurig stimmen manche Szenen zwischen den Freunden, die ehrlich über ihre Ängste und Gefühle sprechen, während man realisiert, dass man bei allem Gerede über den alten, weißen Mann solche Lebenssituationen praktisch niemals auf der Leinwand sieht.

Der Rausch - Die Kritik

Vinterberg - vom Alter her in der gleichen Fraktion wie seine Protagonisten - gelingt wie einst Lars von Trier mit "Idioten" eine Parabel auf den letztlich saturierten, westlichen Wohlstand in der Krise. Er changiert zwischen nüchternen, im dänischen Alltag gedrehten Aufnahmen mit Handkamera ohne Musik und beinahe Barock ausgeleuchteten Tischgelagen.

Gepaart ist das alles mit einem sympathischen, in keiner Weise zynischen Humor, der von lakonischen, pointierten Dialogen lebt. Wenn der alkoholbefeuerte Martin und seine Frau etwa miteinander schlafen und sie sagt "Ich habe dich vermisst", antwortet er "Ich mich auch". Und auch in ihren Berufen als Pädagogen reüssieren die vier Freunde zunächst wieder.

Am Ende steht gleichsam ein "Club der toten Dichter" mit skandinavischer Promillegrundierung. Dies passt zur skandinavischen Obsession mit Alkohol, die nicht weit entfernt von der angelsächsischen Perspektive ist, dass Alkohol eine Person vollends verändert. Und Vinterberg spielt mit diesen Mentalitäten.

Zwischenzeitlich scheint die Narration in ein klassisches Moralstück mit dem Impetus abzugleiten: Alkohol ist böse und zerstört die Menschen. So weit, so bekannt, so banal. Letztlich schwingt sich "Der Rausch" aber doch zur hemmungslosen Feier des Exzesses auf, wie er in früheren Zeiten von Rimbaud und Konsorten gefeiert wurde. So steht am Ende ein Männerfilm im besten Sinne, der seinem Publikum die Gelegenheit bietet, Mads Mikkelsen einmal tanzen zu sehen.

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(APA/Red)

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