"Der Papierene" - Matthias Sindelar in Comic-Form

Cover-Ausschnitt von "Der Papierene"
Cover-Ausschnitt von "Der Papierene" ©Verlag Ueberreuter
Der legendäre Austrianer Matthias Sindelar - wegen seiner Spielweise "der Papierene" genannt - avanciert 70 Jahre nach seinem Tod zum Held eines Comics. "Schmieranski" Sascha Dreier versuchte sich mit dem Zeichenstift an einer Annäherung an den Fußballstar.

Matthias Sindelar war schon zu Lebzeiten ein gefragter Mann. In einer Epoche der aufkommenden Medialisierung und Kommerzialisierung des Fußballs fungierte der legendäre Mittelstürmer der Wiener Amateure und späteren Austria sowie des “Wunderteams” in der Zwischenkriegszeit unter anderem als Werbeträger für Sauermilch (“Fru-Fru”) und als Filmstar (“Roxy und ihr Wunderteam”). 70 Jahre nach seinem Tod avanciert er auch noch zum “Comic-Helden” . Im Ueberreuter-Verlag ist “Der Papierene” erschienen, aufgemalt von “Schmieranski” Sascha Dreier.

Dreier zeichnet an sich für den Berliner “Tagesspiegel” Comic-Strips zum Thema Musik und arbeitet auch für das Fußball-Magazin “11 Freunde”. Er hat sich offenbar akribisch und sehr detailgetreu mit der soziopolitischen Situation im Österreich der Zwischenkriegszeit und natürlich mit dem Wiener Fußball von damals auseinandergesetzt. Er dürfte den (Vornazi)-Zeitgeist ziemlich genau getroffen haben, und jene kleinen Unstimmigkeiten, die hie und da vorhanden sind, gehen schon als literarische Freiheit durch.

Dreiers Freihändigkeit ist durchaus bereichernd. Natürlich orientiert sich Dreier an den historisch überlieferten Fakten, doch ist der Plot der Geschichte teils ein Produkt der Fantasie. So heißt eine der Protagonistinnen “Roxy” – in Anlehnung an den oben erwähnten Film. Bei Dreher ist Roxy die Nichte von Jimmy Hogan, jenes britischen Trainers, der gemeinsam mit dem legendären Hugo Meisl die Basis für die Erfolge des legendären “Wunderteams” schuf.

Gemeinsam mit ihr – und anderen belegten Personen wie Austrias “Fußball-Doktor” Emanuel “Michl” Schwarz, Hugo Meisls Journalisten-Bruder Willy oder dem sagenumwobenen “Kicker”-Gründer Walther Bensemann – streift der Leser durch das Wien der 1920er und 30er Jahre, erlebt den Kult um den “Rapid-Tank” Josef “Pepi” Uridil, die Geschichte von der Geburtsstunde des “Schmieranski-Teams” im “Ring-Cafe” und die Radioübertragung der heroischen 3:4-Niederlage gegen England im Stamford-Bridge-Stadion, aber auch Unliebsames wie den immer offensichtlicher werdenden Antisemitismus, das Werden von Ständestaat und Austrofaschismus und das Aufkommen des Nationalsozialismus.

Letzterer wird auch anhand der Person des “Mit(tel)läufers” Hans Mock festgemacht, der nach seiner Wunderteam-Zeit im Dritten Reich als SA-Mann stramme Karriere machte. Auf Details zu dieser speziellen Geschichte müssen wir freilich noch etwas warten. Band 1 des “Papierenen” umfasst “nur” die Jahre 1903 – 1933. Dieser wird am Dienstag um 18.00 Uhr im Austria-Museum im Horr-Stadion vorgestellt.

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