Der Mauretanier - Kritik und Trailer zum Film

Jahrelang war Mohamedou Ould Slahi unter menschenunwürdigen Bedingungen im umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba inhaftiert, weil er angeblich einer der Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 war. Slahi wurde ohne Anklage festgehalten und zur Erzwingung eines Geständnisses wiederholt gefoltert. Die US-Anwältin Nancy Hollander kämpfte für seine Freilassung. Das Kriminaldrama "Der Mauretanier" basiert auf Slahis Tagebuch, das später veröffentlicht und zum Bestseller wurde.

Einst vom US-Geheimdienst als "Mastermind" des 11. Septembers hochgejubelt, wurde Mohamedou Ould Slahi zum ersten fälschlich eingesperrten Guantanamo-Häftling, der Amerika verklagte. Die Auswirkungen waren ebenso tiefgreifend wie umstritten. "Der Mauretanier" ist seine wahre Geschichte und hat als Trumpfkarte den Schauspieler Tahar Rahim ("Ein Prophet") in der Titelrolle. Ab Freitag im Kino.

Der Mauretanier - Kurzinhalt zum Film

Rahim spielt Slahi, der zwei Monate nach dem 11. September 2001 während einer Hochzeitsfeier in seinem Heimatland, im afrikanischen Mauretanien, von der CIA festgenommen wird. Bald wird er nach Guantanamo Bay auf Kuba gebracht, wo amerikanische Beamte davon überzeugt sind, dass er nicht nur an den Terroranschlägen beteiligt, sondern der Drahtzieher war. Slahi schwört, dass er unschuldig ist, aber das glaubt ihm niemand. Er passt ins Profil. Er kämpfte und trainierte mit Al-Qaida in Afghanistan. Er lebte in Deutschland, wo die 9/11-Verschwörung ausgeheckt wurde. Außerdem hat er einen Cousin, der ihn einmal von Osama bin Ladens Handy anrief.

Der Film, der auf Slahis Erfahrungen aus dem wirklichen Leben und den Memoiren basiert, die er während seiner Haft geschrieben hat, scheut sich nicht davor zurück, seine abscheuliche Behandlung und die Regierungspolitik zu kritisieren, die das korrupte System aufrechterhalten, das Slahi lieber wegen des bloßen Verdachts ohne triftigen Grund hinter Gittern hält. Slahi wird mit Schlafentzug, Stresspositionen, Schlägen, Isolation, Waterboarding, sexueller Gewalt und lauter Musik gefoltert. Es ist zermürbend mitanzusehen. Er gibt schließlich ein falsches Geständnis ab, wenn die Amerikaner drohen, seine Mutter zu vergewaltigen und zu töten.

Der Regisseur Kevin MacDonald ("Der letzte König von Schottland") versucht, die Zweifel an seiner Unschuld so lange wie möglich offen zu halten, indem er erzählerische Brotkrumen hinterlässt, die uns zum Nachdenken anregen. Könnte dieser freundliche Mann, der er wirklich zu sein scheint, ein Terrorist sein?

Außerhalb der Gefängnismauern sehen wir Jodie Foster, die an seinem Fall arbeitet. Sie spielt die Anwältin Nancy Hollander, deren Mission es ist sicherzustellen, dass niemandem seine verfassungsmäßigen Rechte vorenthalten werden, auch nicht mutmaßlichen Terroristen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Ermittlungen steht Stuart Couch (Benedict Cumberbatch), Militärstaatsanwalt und enger Freund einer der Piloten, die am 11. September starben. Es ist eine Mischung aus Gerichtsthriller (aber ohne Gerichtssäle) und Gefängnisdrama.

Der Mauretanier - Die Kritik

Die wunderbare Jodie Foster verbringt viel Zeit mit Lesen. Oder genauer gesagt, sie verbringt einen großen Teil des Films damit, Dokumente anzufordern und den Rest davon, diese Dokumente zu lesen, während die arme Shailene Woodley in fast jeder Szene als Hollanders dämliche unerfahrene Mitarbeiterin in den Hintergrund gedrängt wird. Benedict Cumberbatch ist auch da.

Die Hollywoodschauspieler tun mit ihren eindimensionalen Rollen, was sie können, aber es ist der französisch-algerische Schauspieler Tahar Rahim, der jede Szene tragen muss und das auch sehr gut tut. Zwölf Jahre nach seinem Durchbruch in Jacques Audiards fantastischem "Ein Prophet" ist seine Performance in "Der Mauretanier" ein weiterer Beweis für seine Wandelbarkeit. Seine Körpersprache verändert sich, wenn er nach Monaten der Folter nervös zusammenzuckt, bis hin zu seiner offenen und unbeschwerten Haltung, wenn der Horror aus seinem Körper tritt.

Im Jahr 2016 wurde Slahi endlich freigelassen. Er wurde nie offiziell eines Verbrechen angeklagt, geschweige denn verurteilt. Im Nachspann sehen wir den echten Mann, der glücklich in die Kamera grinst und Wort für Wort zu Bob Dylans "The Man in Me" mitsingt. Auf unerklärliche Weise scheint er Frieden gefunden zu haben. Angesichts all dessen, was wir gerade gesehen haben, ist das zutiefst bemerkenswert.

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(APA/Red)

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