Davis-Cup: Österreich in Chile 0:2 zurück

Stefan Koubek verlor in fünf Sätzen
Stefan Koubek verlor in fünf Sätzen ©EPA
Bis zum letzten Atemhauch hat Stefan Koubek am Freitag bis kurz nach Mitternacht (Ortszeit) gekämpft, doch am Ende hieß es doch 2:0 für Chile im Davis-Cup-Weltgruppen-Play-off gegen Österreich.

Weniger als 1.000 Zuschauer hatten im Finish der bei Temperaturen um 6 Grad ausgetragenen zweiten Partie noch ausgeharrt, doch es zahlte sich für sie aus: Paul Capdeville stellte in Rancagua mit 6:4,6:4,3:6,1:6,6:4 doch noch das möglicherweise vorentscheidende 2:0 für die Hausherren her.

Der 32-jährige Koubek hatte mit tollem Kampf ein 0:2 in Sätzen umgedreht, verwandelte ein 0:2 im fünften Durchgang in ein 4:2 und hatte dann noch Ball zum 5:3. Doch mit viel Pech im Finish, als sich in ungünstigen Situationen Bälle versprungen haben, musste der ÖTV-Routinier noch als Verlierer vom Platz. Dabei war Capdeville schon von Krämpfen gezeichnet, ehe er sich nach 3:35 Stunden auf den Rücken fallen ließ und sich von seiner Mannschaft auf dem Platz umarmen ließ.

Die Chilenen wussten, dass dieser Sieg enorm wichtig war für den angestrebten Klassenerhalt in der Weltgruppe. Nun brauchten sie nur noch einen Punkt aus dem Doppel am Samstag (19.00 Uhr/Sonntag 01:00 MESZ/live ORF Sport plus) oder einen aus den beiden Einzeln am Sonntag. Für Koubek war es eine bittere Niederlage. “Bad luck”, meinte Koubek mit einem schalen Lachen. “Ich habe mich am Anfang zwar okay gefühlt, aber ich bin in den ersten zwei Sätzen schnell gebreakt worden und konnte das nicht zurückholen. Im dritten war ich auch Break hinten, dann habe ich endlich das Rebreak gemacht und konnte die Partie drehen.”

Im vierten Satz war Koubek dann der klar bessere Spieler, doch Capdeville fing sich wieder und ging im fünften Satz mit 2:0 in Führung. Als Koubek das 0:2 in ein 4:2 verwandelt hatte, deutete alles auf ein 1:1 nach dem ersten Tag hin. “Da hätte ich die Chance nützen müssen. Leider Gottes am Ende war es bitter und wirklich unglücklich. In den letzten zwei Games waren da wirklich viele Bälle, die versprungen sind. Es ist gegen mich gelaufen”, meinte Koubek, der trotzdem sportlich fair blieb. “Es tut jetzt ein bisserl weh, aber er hat verdient gewonnen, weil er hat gut gespielt. Im fünften Satz braucht man ein bisserl Glück, das hat er gehabt.”

Damit droht Österreichs Davis-Cup-Team erstmals seit sechs Jahren der Abstieg in die zweithöchste Leistungsklasse dieses Traditionsbewerbs, die Euro-Afrika-Zone I. “Noch ist alles drin. Bei 0:2 hat man die Chance, wenn wir es schaffen, dann vielleicht gegen die. Capdeville ist angeschlagen, ich auch ein bisserl, aber ich habe den ganzen Samstag und fast den ganzen Sonntag bis am Abend Zeit mich zu erholen”, hofft Koubek.

Zuvor hatte sich Jürgen Melzer nach schwacher Leistung und 3:54 Stunden überraschend Nicolas Massu mit 6:4,4:6,4:6,3:6 beugen müssen. “Die Enttäuschung ist groß. Natürlich habe ich nicht so gespielt, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich habe sehr gut begonnen, und je länger das Match gedauert hat, umso weniger Rhythmus habe ich bekommen. Ich habe viele Fehler mit der Rückhand gemacht”, meinte Melzer, der freilich wusste, dass damit der Gesamtsieg in Chile noch weit schwieriger werden wird.

Davis-Cup-Kapitän Gilbert Schaller, der rund siebeneinhalb Stunden auf der Betreuerbank verbracht hat, war wenig erfreut. “Der Tag war alles andere als positiv. Mit einem 0:2 haben wir nicht gerechnet. Jürgen hat wirklich ein sehr schwaches Match abgeliefert. Das wundert mich, weil er im Training die ganze Woche gut drauf war. Er hat sich im Laufe der Partie immer weniger zugetraut und hier weniger als die Hälfte seines Könnens abspielen können, dann kann man nicht gewinnen.”

Für Melzer gelte es nun, sich im Doppel wieder freizuspielen und mit einem gewonnenen Punkt Selbstvertrauen zu sammeln. Koubek erntete hingegen trotz der Niederlage viel Lob. “Ich muss ihm gratulieren. Er hat wirklich gefightet. Ich war schon oft bei ihm auf der Bank. Aber von den Emotionen her, auch wenn es mal nicht so für ihn lief, habe ich ihn noch nie so erlebt. Er hat das Match auch schon in der Hand gehabt, die Chancen waren da.”

Ob der müde Capdeville für das Doppel, in dem die Österreicher ohnehin klare Favoriten waren, am Samstag überhaupt aufgeboten wurde, war unklar. Für das Duell der Nummern 1 mit Melzer könnte durchaus Schonung angesagt sein.

Die Erklärung, warum sich Melzer derart weit von seiner Form entfernt präsentiert hat, versuchte Schaller folgendermaßen: “Der Davis Cup ist ein eigenes Kapitel. Da wird die Hand doppelt so schwer. Jürgen hat in der Vergangenheit nicht immer die besten Erfahrungen im Davis Cup gemacht, dass darf man nicht vergessen und das sitzt sicherlich im Hinterkopf.” Anscheinend mache sich Melzer zu viel Druck. “Der Kerl kann so viel und das soll er abrufen.”

Schaller glaubt dennoch an die Chance. “Die Ausgangsposition ist so schlecht wie sie nur sein kann. Ich hoffe, dass wir das Doppel holen und dann ist Capdeville sicher nicht der Fitteste und so wie Stefan gespielt hat, muss der Massu ihn erst einmal schlagen.”

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