Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Das Hin und Her rund um die Arbeitszeitverkürzung

Es wird wieder über Arbeitszeitverkürzung diskutiert.
Es wird wieder über Arbeitszeitverkürzung diskutiert. ©APA/HARALD SCHNEIDER
Die Arbeiterkammer macht sich wieder für Arbeitszeitverkürzung stark. Laut Wirtschaftskammer und Industriellenvereiningung sei das allerdings die völlig falsche Maßnahme, um Arbeitsplätze zu sichern.

Seit zwei Jahren gibt es jetzt den von der damaligen ÖVP-FPÖ-Regierung - unter massivem Protest von Arbeitnehmervertretern - eingeführten 12-Stunden-Tag. "Es wäre besser, das Gesetz wäre nicht mehr da", sagt die Präsidentin der Arbeiterkammer (AK) auch heute. Lieber will Anderl eine Diskussion über eine Arbeitszeitverkürzung führen. "Da gibt es viele Facetten", sagt sie im Gespräch mit der APA.

"Die Möglichkeit einer geblockten Freizeit als Ersatz für den Arbeitnehmer fehlt bis heute gänzlich", kritisiert sie im Zusammenhang mit dem 12-Stunden-Tag. Viele Beschäftigte würden bei der Arbeiterkammer anrufen und sich zum 12-Stunden-Tag erkundigen, aber da er gesetzlich verankert ist, könne man nichts tun. Manchmal würden die zusätzlichen Pausen von Betrieben nicht gewährt. "Wir haben auch Fälle, in denen es über die zwölf Stunden hinaus geht", so Anderl.

Arbeitszeitverkürzung keine neue Erfindung

"Wenn wir eine Diskussion über eine Arbeitszeitverkürzung führen, ist das der richtige Weg", sagt die Arbeitnehmervertreterin. Eine solche könne ganz unterschiedlich ausgeprägt sein, viele Beispiele gebe es jetzt bereits - aber nur in einzelnen Betrieben: "4-Tage-Woche, 30-Stunden-Woche, die sechste Urlaubswoche - alles gibt es im echten Leben schon."

"Wir wollen darüber sprechen. Wir wollen nicht, dass es immer dieselben Floskeln gibt, wie man alles ablehnen kann - wie etwa das sei nicht leistbar, Betriebe würden abwandern. Man muss sich anschauen, welche Modelle es gibt und wo diese passen würden", so Anderl.

Keine rechtliche Verkürzung

Von einer gesetzlichen Arbeitszeitverkürzung wollte Anderl auf Nachfrage nicht sprechen. Da gebe es zu viel Gegenwind. Das Soli-Modell, das die SPÖ will, gebe es zum Teil auch bereits in der Praxis. Insgesamt sei das Thema Arbeitszeitverkürzung bei der Gewerkschaft in sehr guten Händen. Diese werde das Thema sicher stark in die Kollektivvertragsverhandlungen - die im Herbst traditionell mit den gewichtigen und wegweisenden Metallern beginnen - einbringen.

"Ein Schritt wäre etwa auch die sechste Urlaubswoche für jeden nach 25 Arbeitsjahren", sagte Anderl. "Wenn der Bundeskanzler (Sebastian Kurz (ÖVP), Anm.) sagt, dass sich die Arbeitswelt verändert hat und man darauf reagieren muss, dann wäre ich auch hier dafür, dass das Urlaubsgesetz bezogen auf die sechste Arbeitswoche kein totes Gesetz ist und zum Leben erweckt wird. Denn die Aller-, Allerwenigsten sind heutzutage so lange in derselben Firma, dass sie die sechste Urlaubswoche erreichen können. Ganz wenige schaffen 25 Jahre in einem Betrieb."

"Jedenfalls brauchen die Beschäftigten Entlastung, damit sie gesund bleiben", so Anderl, "denn alles wird immer schneller und rascher". Schließlich müssten die Menschen auch noch gesund in Pension gehen können.

IV und Wirtschaftsbund dagegen

Bei der Industriellenvereinigung (IV) und der ÖVP-Teilorganisation Wirtschaftsbund stoßen die Rufe der Arbeiterkammerpräsidentin Renate Anderl nach einer Arbeitszeitverkürzung auf Widerstand. "Die Vorschläge für eine Arbeitszeitverkürzung und damit eine Verteuerung des Faktors Arbeit werden auch durch gebetsmühlenartige Wiederholung nicht besser", so der IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.

Vielmehr sei dies eine Kampfansage an Arbeitsplätze und würde sämtliche Anstrengungen, Beschäftigung wiederaufzubauen, konterkarieren. Erst vergangene Woche hätten sich die Leiter der renommierten Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS klar gegen eine gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit ausgesprochen. "Das sollte dringend ernst genommen werden", so Neumayer.

"Überhaupt nicht nachvollziehbar und ein Schritt in die völlig falsche Richtung" sei jegliche Diskussion darüber, die Maßnahmen zur Arbeitszeitflexibilisierung zurückzunehmen bzw. zu verschlechtern. "Die Modernisierung der Arbeitszeit hat sich für Unternehmen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewährt. Daran zu rütteln würde einen völligen Rückschritt bedeuten", so Neumayer. Bei der Diskussion über die Veränderungen in der neuen Arbeitswelt - etwa im Bereich Homeoffice - brauche es weiterhin Flexibilität, Freiwilligkeit und passgenaue Lösungen auf betrieblicher Ebene.

Wirtschaftsbund: "Jetziges Modell hat sich bewährt"

Ablehnung kommt auch vom Wirtschaftsbund: "Der Forderung von AK-Präsidentin Anderl, die 2018 eingeführte Arbeitszeitflexibilisierung wieder abzuschaffen und die Arbeitszeiten weiter zu kürzen, kann ich nichts abgewinnen. Das Modell hat sich bewährt. Gerade in der Krise brauchen Unternehmer und ihre Mitarbeiter flexible Lösungen", so Wirtschaftsbund-Generalsekretär Kurt Egger. Durch die Arbeitszeitflexibilisierung wurde der 12-Stunden-Tag möglich.

Wie eine Studie von EcoAustria im Auftrag des Wirtschaftsministeriums schon 2019 gezeigt habe, brächten flexible Arbeitszeiten niedrigere Preise und eine erhöhte Nachfrage nach heimischen Gütern sowie höhere Einkommen für Mitarbeiter, so Egger: Denn der Arbeitseinsatz könne flexibel an die Auftragslage angepasst werden.

Laut Eurostat-Daten vom April arbeiten die Österreicher immer länger: Mit 37,6 Jahren geschätzter Lebensarbeitszeit für heute 15-Jährige liegt Österreich über dem Schnitt der 27 EU-Länder von 35,9 Jahren und auch über dem Schnitt der 19 Euro-Länder von 36,1 Jahren. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2019. Im Jahr 2018 lag die geschätzte Lebensarbeitszeit der Österreicherinnen und Österreicher bei 37,5 Jahren, im Jahr 2012 bei 36,5 Jahren. Deutlich länger als in Österreich arbeiten die Menschen in der Schweiz mit 42,6 Jahren und in Schweden mit 42 Jahren (beides für 2019), betont die Agenda Austria in einer Aussendung. In Italien sind es laut Eurostat nur 32 Jahre.

(APA/red)

  • VIENNA.AT
  • Wirtschaft
  • Das Hin und Her rund um die Arbeitszeitverkürzung
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen