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Dämmerungseinbrecher in Wien: Masterplan der Polizei in der Praxis

Die Polizei verfolgt einen Masterplan mit Schwerounkt-Kontrollen gegen Dämmerungseinbrecher und Co.
Die Polizei verfolgt einen Masterplan mit Schwerounkt-Kontrollen gegen Dämmerungseinbrecher und Co. ©APA (Sujet)
Jedes Jahr zeichnet sich in den Monaten November bis Jänner eine unschöne Steigerung in der statistischen Kurve für Wohnungs- und Hauseinbrüche ab - das will die Polizei jedoch so nicht hinnehmen. Es gibt einen Masterplan, der am Donnerstag live demonstriert wurde. Auch gegen Verkehrssünder machte man mobil.
Tipps gegen Einbrecher
Einbrecher gefasst

Wie der Ende Oktober angekündigte Masterplan gegen Einbrecher in der Praxis funktioniert, bekamen Medienvertreter am Donnerstagabend zu sehen: bei einem Schwerpunkt in den westlichen Bezirken Wiens und in Wien-Umgebung.

Aktion gegen Dämmerungseinbrecher

Insgesamt 140 Beamte der Stadtpolizeikommanden Penzing bis Döbling, der Diensthunde- und der Verkehrsabteilung hatte Einsatzleiter Klaus Hölscher zusammengezogen. In zwei Phasen hofften die Polizisten Einbrechern und anderen Straftätern, aber auch Verkehrssündern wie Alko- und Drogenlenkern auf die Schliche zu kommen. Polizeistreifen überprüften ab 16.00 Uhr besonders Plätze und Gegenden, in denen in den vergangenen Tagen auffallend häufig Einbrüche verübt wurden. In den Wintermonaten nutzen Einbrecher oft die frühe Dämmerung aus, wenn die Wohnungs- oder Hausinhaber noch nicht zuhause sind. Ab 19.00 Uhr waren an sechs Ausfallstraßen Wiens Schwerpunktkontrollen im Individualverkehr geplant, und zwar jeweils in beiden Fahrtrichtungen.

Festnahmen in Penzing und Döbling

In der ersten Phase wurden unter anderem in der Penzinger Mittelstraße drei Personen in einem Auto erwischt, in dem sie mehrere Werkzeugkoffer transportierten, von denen einer gestohlen war. Sie hätten die Koffer auf einem Schwechater Flohmarkt gekauft, sagten sie. Zwei der drei wurden zunächst festgesetzt.

Kurz nach 19.00 Uhr wurde direkt an der Wiener Stadtgrenze an der Heiligenstädter Straße in Döbling ein größeres Polizeiaufgebot zusammengezogen. In beiden Richtungen verengten die Beamten die jeweils zweispurige Straße zu einer Spur. Damit wollten sie sicherstellen, dass sie jedes Kfz zumindest genauer in Augenschein nehmen konnten. Gefragt waren im besonderen höherpreisige Autos – unter anderem der Marken Audi, BMW, Mercedes oder Porsche -, die bei Pkw-Dieben besonders begehrt sind. Aber auch Kastenwägen, in denen nach den Erfahrungen der Polizisten oft Diebesgut transportiert wird, Taxis und nicht mehr sehr verkehrstüchtig aussehende Autos wurden an den Straßenrand gewunken.

“Eigentlich sind Kontrollen eh gut”

Die meisten der Kontrollierten nahmen den Check gelassen. “Zuerst denkst du dir ‘Sch….’, aber das passt schon”, sagte ein junger Mann, der mit seinem BMW und mehreren Freunden im Wagen in die Kontrolle geraten war. Ihn sahen sich die Beamten genau an, weil er mehrere Wechselkennzeichen im Kofferraum hatte, was er aber mit seiner Profession im Kfz-Handel erklären konnte. “Eigentlich find’ ich die Kontrollen eh gut”, meinte er, bevor er weiter fuhr.

300 Meter vor seinem Wohnhaus geriet ein Klosterneuburger mit seinem BMW in die Kontrolle. Sein Pech war, dass er in Wien den Verkauf seiner Wohnung abgeschlossen hatte und das auch gefeiert hatte. Als er aus seinem Wagen ausstieg und dabei leichte Unsicherheiten an den Tag legte sowie eine dementsprechende Ausdünstung hatte, war den Beamten klar, dass er einen Alkohol-Vortest absolvieren musste. “Na, das hab’ ich notwendig gehabt”, resümierte der Ertappte, nachdem er das Ergebnis gesehen hatte.

Alko-Lenker nach Feier geschnappt

Ein Polizist setzte sich ans Steuer des Pkw und chauffierte dessen Besitzer zum Polizeiwagen, in dem sich der Alkomat befand. Beim Test wurde bestätigt, dass der Lenker mehr als die erlaubten 0,5 Promille getankt hatte. 0,58 Promille ergab der Test. Eine empfindliche Geldstrafe folgte, außerdem musste der Mann seine Frau bitten, ihn abzuholen. “Drei oder vier Achteln seit 15.00 Uhr und ein kleines Bier”, antwortete er auf die Frage, was er denn getrunken habe. Gegessen habe er nichts.

Polizei erwischt Automatenknacker in Wien 15

Kurze Zeit später kam über Polizeifunk die Nachricht, dass zwei weitere mutmaßliche Straftäter erwischt worden seien. An der Ecke Mariahilfer Straße-Sperrgasse in Rudolfsheim-Fünfhaus, ertappten die Polizisten zwei Automatenknacker auf frischer Tat. Daneben gab es laut Polizeisprecher Thomas Keiblinger eine Reihe von Verwaltungsanzeigen, unter anderem nach der Straßenverkehrsordnung, dem Führerscheingesetz und dem Kraftfahrgesetz. Eine abschließende Bilanz des Schwerpunkts erwartete Keiblinger für Freitag.

Spielautomaten-Einbrecher gefasst

Im Zuge der Schwerpunkaktion wurden nach Angaben der Polizei zwei mutmaßliche Serieneinbrecher festgenommen. Zeugen, die die Männer bei einem Einbruch in einen Spielautomaten beobachteten, verständigten die Polizei. An der Schwerpunktaktion beteiligte Polizeibeamte in Zivil trafen wenige Augenblicke später am Tatort ein und konnten einen 35- jähriger und einen 23-jähriger Mann festnehmen.

Einbruchswerkzeug sowie mehrere tausend Euro Bargeld wurden sichergestellt. Im Zuge weiterer Erhebungen konnte festgestellt werden, dass es sich bei den beiden Beschuldigten um Serientäter handeln dürfte, die auf Einbruche, in sogenannte „Einarmige Banditen“ spezialisiert sind. Derzeit werden den Beschuldigten mehrere Einbrüche, bei denen sie von Überwachungskameras gefilmt wurden, zur Last gelegt. Die Männer befinden sich in Haft.

(apa/red)

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