Curveball - Wir machen die Wahrheit: Kritik und Trailer zum Film

Der deutsche Geheimdienst BND fällt auf die falsche Geschichte eines Informanten rein und gibt sie als Coup aus. Schon bald ist klar, dass alles erlogen war. Doch einem anderen Land könnte genau diese Lügenstory helfen, endlich einen Krieg gegen ein Feindesland anzuzetteln. Also hält das andere Land daran fest und macht sie öffentlich. Klingt nach einem guten Drehbuch für einen Spionagethriller? Ist aber so ähnlich im Vorfeld des Irak-Krieges 2003 tatsächlich passiert.

Es ist eine so unglaubliche wie wahre Geschichte, die der deutsche Regisseur Johannes Naber in "Curveball" verarbeitet: Nachgezeichnet wird dabei, wie die Lügengeschichte eines um Asyl in Deutschland bemühten Irakers schlussendlich zur gefakten Begründung der USA für den Irakkrieg wird. Bei Naber wird daraus leider ein Genrehybrid. Ab Freitag im Kino.

Curveball - Wir machen die Wahrheit: Kurzinhalt zum Film

Hauptfigur der - leider, wie die Inserts zu Beginn klarstellen - wahren Geschichte ist der deutsche Geheimdienst-Biowaffenexperte Arndt Wolf (Sebastian Blomberg). Der ist in den 1990ern trotz erfolgloser Suchmission im Irak nach wie vor überzeugt, dass dessen Diktator Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen herstellt. Als der irakische Asylwerber Rafid Alwan (gespielt vom dänischen Schauspieler Dar Salim) angibt, an der Produktion von Milzbranderreger in seiner Heimat federführend beteiligt gewesen zu sein, scheint dies die Thesen des Experten zu stützen. Wolf testiert im Auftrag des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) die Glaubwürdigkeit von Alwans Aussagen - ein Sensationscoup für den Geheimdienst wie für den Waffenexperten.

Entsprechend wird Wolf gefeiert - bis klar wird, dass die vermeintliche Topquelle ihre Aussagen frei erfunden hat. Der Biowaffenexperte verliert als Bauernopfer seinen Job. Mit diesem Tiefpunkt in Arndt Wolfs Leben ist die Mitte von "Curveball" erreicht. Es folgt die zweite, weit tragischere Zuspitzung einer vermeintlichen Provinzposse zum weltweiten Propagandainstrument und Grund für einen Krieg, der - je nach Rechenart - Hunderttausende Zivilisten das Leben kostete.

Die BND-Oberen hielten das Auffliegen des einstigen Topinformanten ebenso wie die deutsche Politspitze aus Prestigegründen geheim. Entsprechend interessiert sind nach dem 11. September 2001 die Amerikaner an Rafid Alwan, als es gilt, eine Begründung für den Dritten Golfkrieg zu finden. Aber auch als Wolf der CIA mittels seiner Teilzeitgeliebten Leslie (Virginia Kull) das Lügengebäude enthüllt, bremst dies das Interesse nicht. Es gilt schließlich, die Öffentlichkeit auf einen Krieg einzustimmen. Da kann die Wahrheit bestenfalls stören. Und so schafft es 2003 das einstige Gekritzel des vermeintlichen Milzbrandexperten Alwan - Deckname "Curveball" - auf einer Serviette schließlich zur Präsentation im UN-Sicherheitsrat durch den damaligen US-Außenminister Colin Powell.

Curveball - Wir machen die Wahrheit: Die Kritik

Alles in allem also eine so unfassbare wie spannende Geschichte, die Regisseur Johannes Naber, der zuletzt die ungeschönte Märchenverfilmung "Das kalte Herz" vorlegte, hier zur Grundlage für seinen Film nimmt. Eine Geschichte, die sich in der Hand anderer Filmemacher als spannender Politkrimi, harter Agententhriller oder durchaus humorvolle Spionageposse denken lässt. Naber entscheidet sich aber leider dafür, alle Genres gleichzeitig zu bespielen. Und so mischt sich in ästhetische oder spannende Sequenzen immer wieder Humor, der bisweilen subtil und bisweilen im wahren Slapstick daherkommt, wenn etwa Alwan von CIA-Agenten im Trachtenoutfit samt Gamsbart entführt wird. So verschenkt Naber ungeachtet eines guten Casts und einer grandiosen Story leider das Potenzial, das in "Curveball" zweifelsohne gesteckt hätte. Die weltpolitische Posse wird zur angenehmen, aber damit eben auch nicht beißenden Abendunterhaltung eines unausgewogenen Genre-Mashups.

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(APA/Red)

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