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Covid-Therapeutika und Raumsonden: Das hält das Wissenschaftsjahr 2021 bereit

Das Jahr 2021 bietet spannende Forschungsereignisse.
Das Jahr 2021 bietet spannende Forschungsereignisse. ©pixabay.com (Sujet)
Mit dem Schwung der Corona-Pandemie kann die Wissenschaft in das neue Jahr gehen. Von der Forschung gibt es 2021 neue Impfstoffe, vielleicht das eine oder andere Therapeutika gegen Covid-19, ein neues EU-Programm, leichteren Zugang zu wissenschaftlichen Arbeiten und viele spannende Raummissionen.

Zu welchen Leistungen die Wissenschaft bei weltweiten Anstrengungen fähig ist, hat sie eindrucksvoll im knapp ersten Jahr der Corona-Pandemie gezeigt. Binnen weniger Monate wurden erste Impfstoffe zugelassen, auch das Fachjournal "Science" kürte die rasante Entwicklung effektiver Impfstoffe gegen Covid-19 als wichtigsten Forschungsdurchbruch des Jahres.

Therapeutika zur Behandlung von Covid-19 in Entwicklung

Nach dem Impfstart mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff in der EU knapp nach Weihnachten steht die Zulassungsentscheidung über das Vakzin des US-Pharmakonzerns Moderna unmittelbar bevor, weitere - etwa der von der Universität Oxford und dem Pharmakonzern AstraZeneca entwickelte, in Großbritannien bereits zugelassene Impfstoff - könnten folgen.

Parallel dazu geht auch die Entwicklung von Therapeutika zur Behandlung von Covid-19 weiter: So werden in den nächsten Wochen tragfähige Daten aus einer klinischen Studie zu dem vom österreichischen Genetiker Josef Penninger mit entwickelten SARS-CoV-2-Medikamentenkandidaten "APN01" erwartet.

EU-Forschungsrahmenprogramm "Horizon Europe" startet

Fans "Internationaler Jahre" kommen 2021 voll auf ihre Rechnung: Die UNO hat gleich vier davon ausgerufen, nämlich das "Internationale Jahr des Obstes und Gemüses", das "Internationale Jahr für die Beseitigung der Kinderarbeit", das "Internationale Jahr des Friedens und des Vertrauens" sowie das "Internationale Jahr der Kreativwirtschaft für die nachhaltige Entwicklung". Dazu kommt das von der Internationalen Union für Speläologie (Höhlenforschung) proklamierte "Internationale Jahr für Höhlen und Karst".

Für die europäische Forschungsszene ist 2021 das Jahr von "Horizon Europe". Unter diesem Namen startete das neue EU-Forschungsrahmenprogramm mit Jahresbeginn. Mit einem Budget von 95,5 Mrd. Euro für die Jahre 2021-2027 gilt es als weltweit größtes Forschungsprogramm. Finanzstärkstes Element des Programms ist mit 53,5 Mrd. Euro die Säule "Globale Herausforderungen und europäische industrielle Wettbewerbsfähigkeit", wo neben thematischen Clustern durch eine neue "Missionsorientierung" der Forschung Ziele mit hoher gesellschaftlicher Relevanz erreicht werden sollen. Der neue "Europäische Innovationsrat" EIC soll mit einem Budget von rund zehn Mrd. Euro die Umsetzung vielversprechender Technologien vom Labor bis zur Marktreife unterstützen. Bewährte Elemente wie die Förderung exzellenter Grundlagenforschung durch den Europäischen Forschungsrat ERC werden fortgeführt.

"Plan S" in Kraft und "FTI-Pakt" beschlossen

Mit Beginn des Jahres 2021 trat auch die Open-Access-Initiative "Plan S" in Kraft. Deren Ziel ist es, den freien Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen ("Open Access") zu verbessern und die Dominanz kostenpflichtiger Fachjournale im Wissenschaftsbetrieb zurückzudrängen. Rund 20 internationale Forschungsförderungsorganisationen, darunter der Wissenschaftsfonds FWF in Österreich, wollen alle qualitätsgeprüften ("Peer Review") Veröffentlichungen, die aus mit öffentlichen Mittel geförderten Arbeiten hervorgehen, frei und kostenlos zugänglich machen. Plan S gilt für alle FWF-Projekte, die ab dem 1. Jänner 2021 eingereicht werden.

Forschungspolitisch steht in Österreich einiges auf der To-Do-Liste für 2021: Neben der von der Regierung geplanten Neuordnung der Beratungsgremien im Wissenschafts- und Forschungsbereich ist das vor allem die Realisierung des im Regierungsprogramms geplanten "Fonds Zukunft Österreich". Damit soll das Auslaufen der 2017 beschlossenen Sonderdotierung der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung und des - aus den Einnahmen aus dem erhöhten Steuersatz von 55 Prozent gespeisten - Österreich-Fonds kompensiert werden. In Summe geht es um rund 140 Mio. Euro jährlich, die ab 2021 nicht mehr zur Verfügung stehen.

Nachdem die Regierung einen Tag vor Weihnachten die neue Forschungsstrategie 2030 und den "Pakt für Forschung, Technologie und Innovation" (FTI-Pakt) beschlossen hat, geht es nun darum, diese mit Leben zu erfüllen. Mit dem Pakt wurde das Budget für die Jahre 2021 bis 2023 mit insgesamt 3,86 Mrd. Euro für Austrian Institute of Technology (AIT), Institute of Science and Technology (IST) Austria, Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Silicon Austria Labs (SAL), Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG), Austria Wirtschaftsservice (aws), Christian Doppler Forschungsgesellschaft (CDG), Wissenschaftsfonds (FWF), Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und Österreichischer Austauschdienst (OeAD) fixiert. Mit diesen müssen nun dreijährige Leistungs- und Finanzierungsvereinbarungen ausgehandelt werden.

Ein Fixpunkt beim FWF wird dabei die schon lange erwartete Exzellenzinitiative sein. Ob für diese heuer schon Mittel fließen werden, wird sich aber erst zeigen. Fix ist dagegen das neue FWF-Programm für die Karriereförderung von Postdocs ESPRIT ("Early Stage Programme: Research, Innovation, Training") ab April. Dieses löst das bisherige Hertha-Firnberg- und das Lise-Meitner-Programm ab und zeichnet sich durch ein höheres Förderungsbudget, längere Laufzeiten und die Möglichkeit ganzjähriger Einreichungen aus.

Neues Weltraum-Teleskop startet, Teilchenbeschleuniger fährt hoch

Astronomisch hat das Jahr 2021 nicht allzu viel zu bieten. Highlight ist am 10. Juni eine partielle Sonnenfinsternis: Um die Mittagszeit wird sich der Mond ein Stück vor die Sonnenscheibe schieben und diese dabei zu maximal 11,5 Prozent (bezogen auf den Durchmesser) verfinstern.

Mit Spannung warten Astronomen auf den - bereits mehrmals verschobenen - Start des "James Webb"-Weltraumteleskops am 31. Oktober. Das amerikanisch-kanadisch-europäische Gemeinschaftsprojekt soll als Nachfolger des "Hubble"-Teleskops 1,5 Millionen Kilometer weit ins All fliegen und neue Bilder aus dem frühen Universums liefern.

Auf der Erde soll 2021 erstmals Licht in das riesige US-Spiegelteleskop "Vera C. Rubin Observatory" fallen, das seit 2011 auf einem fast 2.700 Meter hohen Berg in Chile errichtet wird. Das Teleskop zeichnet sich durch einen sehr großem Sichtbereich aus und soll 2022 in Betrieb gehen.

Nach mehr als zweijähriger Wartungspause wird im kommenden Jahr der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) bei Genf (Schweiz) wieder hochgefahren. Die ersten Protonenstrahlen sollen mit noch geringer Intensität im September zirkulieren, mit voller Energie wird erst 2022 wieder gefahren.

Gleich drei Raumsonden erreichen den Mars

Die Raumfahrt bietet wieder etliche Highlights: Gleich drei im Vorjahr gestartete Missionen werden den Mars erreichen: Im Februar soll mit "Perseverance" ein NASA-Rover auf dem Mars landen und nach Spuren früheren mikrobiellen Lebens suchen, das Klima und die Geologie des Planeten erforschen und Proben nehmen. Ebenfalls im Februar soll die Sonde "Al-Amal" ("Hoffnung") der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in die Umlaufbahn um den Mars einschwenken, rechtzeitig zum 50. Jahrestag der Gründung der VAE. Sie soll das erste vollständige Bild des Mars-Klimas über ein komplettes Mars-Jahr erfassen.

Gleich bei seiner ersten unabhängigen Mars-Mission will China eine Landung auf dem Mars zustande bringen. Die Raumsonde "Tianwen-1", die ebenfalls im Februar den Mars erreicht, besteht aus einem Orbiter sowie einem Landegerät mit einem Rover. Die Landung soll erst zwei bis drei Monate nach der Ankunft am Mars erfolgen. Chinas Marsmission hat auch einen rotweißroten Farbtupfen: Das Magnetometer des Orbiters wurde in Kooperation mit dem Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Graz gebaut.

Russland will im Herbst erstmals seit 45 Jahren wieder eine Mondmission - die Raumsonde "Luna 25" - starten und Ende des Jahres erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder zwei Weltraum-Touristen zur Raumstation ISS fliegen.

Mit "Artemis 1" will die NASA im vierten Quartal die erste Etappe ihrer Bemühungen starten, wieder US-Astronauten auf den Mond zu bringen. Mit dem ersten Flug der größten Rakete aller Zeiten, dem "Space Launch System" (SLS) soll das Raumschiff Orion zunächst unbemannt den Mond umrunden und wieder zur Erde zurückkehren.

Auch Indien könnte frühestens Ende des Jahres mit "Chandrayaan-3" einen weiteren Versuch starten, ein Landemodul am Mond abzusetzen. Die Vorgängersonde "Chandrayaan-2" scheiterte 2019.

Der NASA-Kleinsatellit CUTE soll extrasolare Planeten erforschen, sein Start ist für den 16. September geplant. Die Sonde wird 20 Zielplaneten beobachten, um die chemische Zusammensetzung und die physikalischen Eigenschaften ihrer oberen Atmosphären zu untersuchen. Beteiligt ist einmal mehr das Institut für Weltraumforschung der ÖAW in Graz, das 2021 sein 50-jähriges Bestehen feiert. Das wird u.a. bei der Steiermark Schau in Graz (9. April bis 31. Oktober) und ab 18. Dezember in der Ausstellung "Mission Possible!" im Center of Science Activities im Grazer Joanneumsviertel gefeiert.

Nachdem das Vorhaben coronabedingt um ein Jahr verschoben wurde, startet das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) und seine Partner am 15. Oktober die simulierte Mars-Mission "AMADEE-20": Ein Monat lang sollen sechs Analog-Astronauten in der Negev Wüste (Israel) isoliert von der Außenwelt neue Technologien für zukünftige Raummissionen testen.

FWF bekommt neuen Präsidenten

Das neue Jahr bringt auch neue Köpfe in der österreichischen Wissenschaftsszene. Den traditionellen Auftakt macht der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten mit der Präsentation des bzw. der "WissenschafterIn des Jahres" am 7. Jänner.

Der FWF bekommt im Februar einen neuen Präsidenten. Sieben Kandidaten sind noch im Rennen um die Nachfolge von Klement Tockner, der mit Jahresbeginn an die Spitze der Senckenberg Gesellschaft nach Deutschland gewechselt ist. Zu einem Hearing am 21. Jänner eingeladen wurden Nina Dethloff (Universität Bonn), Christof Gattringer (Universität Graz), Josef Glössl (Universität für Bodenkultur Wien), Barbara Pfetsch (Freie Universität Berlin), Jürgen Richt (Kansas State University), Sabine Schindler (Universität Innsbruck) und Miranda Schreurs (Technische Universität München). Die abschließende Entscheidung über die künftige Leitung der Förderagentur trifft der FWF-Aufsichtsrat am 10. Februar.

In der ÖAW läuft die Amtszeit von Präsident Anton Zeilinger zwar noch bis 2022. Doch für die Wahl im Jänner 2022 werden sich intern wohl einige Kandidaten bereits heuer in Stellung bringen.

Wenn man einen Jahresregenten für das Wissenschaftsjahr 2021 küren müsste, wäre es wohl Paul Watzlawick, der heuer 100 Jahre alt geworden wäre. Zu den bekanntesten Werken des am 25. Juli 1921 in Villach geborenen Kommunikationswissenschafters, Psychotherapeuten, Philosophen und Autors, der 2007 in seiner Wahlheimat Kalifornien (USA) starb, gehörte der Bestseller "Anleitung zum Unglücklichsein" (1983). Ebenfalls vor 100 Jahren geboren wurde Erwin Ringel: Der Psychiater, Neurologe und Kenner der "österreichischen Seele" wurde am 27. April 1921 in Temesvar (Rumänien) geboren und starb 1994.

Vor 100 Jahren entdeckte Otto Loewi an der Universität Graz die chemische Weiterleitung von Nervenimpulsen. Der deutsch-österreichisch-amerikanische Pharmakologe (1873-1961) wurde dafür 1936 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet, aber nur zwei Jahre später von der Nationalsozialisten aufgrund seiner jüdischen Herkunft aus Österreich vertrieben.

"Lange Nacht der Forschung" erst wieder 2022 angedacht

Nachdem coronabedingt 2020 die "Lange Nacht der Forschung" zunächst vom Frühjahr auf den Herbst und dann in den virtuellen Raum verschoben wurde, sollte sie am 23. April wieder regulär über die Bühne gehen. Nun ist jedoch die Durchführung erst für das Jahr 2022 und dann "nach Möglichkeit wieder als Präsenzveranstaltung" angedacht, wie es auf der Veranstaltungs-Website heißt.

Die Organisatoren der Generalversammlung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (EGU), einer der größten Kongresse, der alljährlich in Wien stattfindet, bleiben heuer ebenfalls im Worldwide-Web - die Veranstaltung, die immer mehr als 10.000 Teilnehmern anzieht, findet wie schon 2020 nur online statt (19.-30. April).

(APA/Red)

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