Covid-Prognose: Experten mit guten Nachrichten

Die Belagszahlen in Spitälern und auf Intensivstationen sollen sinken.
Die Belagszahlen in Spitälern und auf Intensivstationen sollen sinken. ©APA/HELMUT FOHRINGER
Die Entlastung auf Corona-Intensivstationen ist in Sicht. Bis Ende nächster Woche soll die Intensiv-Auslastung in Österreich unter 500 fallen. Einzig in Kärnten wird noch ein Anstieg erwartet. Bei der Inzidenz steht Wien am besten da.

Der zur Eindämmung der vierten Corona-Welle vor neun Tagen in Kraft getretene österreichweite Lockdown wird sich in den kommenden Tagen und Wochen positiv auf das Infektionsgeschehen und die mit Covid-19-Kranken überlasteten Spitäler auswirken. Davon geht das Covid-Prognosekonsortium in seiner aktuellen Vorschau aus. Damit dürften die Chancen steigen, dass der bis 11. Dezember befristete Lockdown - zumindest in Teilbereichen - für Geimpfte aufgehoben werden kann.

"Zeitversetzt zum vorläufigen Höhepunkt der vierten Welle geht die vorliegende Belagsprognose [...] von einem Rückgang des Belages auf Intensiv- und Normalstationen aus", halten die Expertinnen und Experten zur Situation in den Krankenhäusern fest. Der Rückgang erfolge jedoch "nach wie vor auf teilweise systemkritisch hohem Auslastungsniveau". Die Wahrscheinlichkeit, dass die systemkritische Auslastungsgrenze von 33 Prozent im intensivmedizinischen Bereich in Österreich am kommenden Mittwoch (8. Dezember) überschritten wird, beträgt dem Prognosekonsortium zufolge fünf Prozent, in der darauf folgenden Woche (15. Dezember) 2,5 Prozent.

Intensiv-Kapazitäten in Kärnten kritisch

Kritisch könnte es mit den ICU-Kapazitäten allerdings in Kärnten werden. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,5 Prozent reichen diese am kommenden Mittwoch nicht mehr aus, bezogen auf den 15. Dezember beziffert das Konsortium diese immer noch mit 85 Prozent. "In Kärnten wurde zuletzt eine deutliche Reduktion der ICU-Gesamtkapazität (von 170 auf 119) gemeldet, wodurch sich die Covid-19 spezifische ICU-Auslastung in der aktuellen Prognose entsprechend erhöht", merkt das Gremium diesbezüglich an. Demgegenüber ist in anderen Bundesländern mit einer spürbaren Entlastung der Spitäler zu rechnen.

In Tirol, Vorarlberg und Oberösterreich wird es anhaltend hohen Bedarf an Intensivbetten für schwer an Covid-19-Erkrankte geben, in Niederösterreich, Salzburg und der Steiermark sollten die Zahlen zurückgehen. Besonders optimistisch sehen die Experten die Lage im Burgenland und in Wien, wo die Wahrscheinlichkeit, dass es zu wenige Intensivbetten geben wird, schon in der kommenden Woche unter 0,5 Prozent liegt. Die Prognose berücksichtigt allerdings keine Verlegungen von Covid-Patientinnen und -Patienten über die Bundeslandgrenze hinweg. Wien hat bereits mehrere Schwerkranke aus Salzburg übernommen und die Bereitschaft avisiert, auch für weitere Bundesländer "einzuspringen".

Schlimme Covid-Fälle sollen sinken

Aktuell müssen in Österreich 649 schwere Covid-Fälle intensivmedizinisch betreut werden: Diese Zahl wird - davon geht das Covid-Prognosekonsortium aus - am kommenden Mittwoch jedenfalls gesunken sein, im Idealfall auf knapp über 500. Im Mittel wird von 565 ICU-Fällen am 8. Dezember ausgegangen, am 15. Dezember ist mit einer weiteren Reduktion auf einen Wert zwischen 362 und 532 auszugehen.

Ähnlich dürfte die Entwicklung auf den Normalstationen verlaufen, wo derzeit 2.727 Covid-Patientinnen und -Patienten stationär aufgenommen sind. Im Idealfall könnte ihre Anzahl am 8. Dezember auf unter 2.000 sinken, selbst im Worst-Case-Szenario rechnen die Expertinnen und Experten mit einem Rückgang auf deutlich unter 2.600. Am 15. Dezember ist mit einer weiteren Reduktion zu rechnen. Zwischen 1.340 und 2.115 Covid-Fälle werden den Berechnungen zufolge dann auf Normalstationen liegen.

Geringste Inzidenz in Wien erwartet

Was die Fallzahlen betrifft, erwartet das Covid-Prognosekonsortium am kommenden Mittwoch eine Sieben-Tages-Inzidenz im Bereich von 370 bis 610 Fällen je 100.000 Einwohner, wobei die geringste Inzidenz Wien (zwischen 190 und 310) und die höchste Inzidenz Kärnten (zwischen 670 und 1.100 aufweisen wird. "Mittlerweile bildet der Rückgang der Fallzahlen die volle Wirkung des harten Lockdowns, sowie zusätzliche mitigierende Faktoren (Zunahme der Immunisierung in der Bevölkerung durch Impfungen, Genesungen) ab", betont das Prognosekonsortium. Die täglichen Neuinfektionen - am heutigen Mittwoch wurden 10.367 verzeichnet - dürften daher einer konsolidierten Prognose des Sieben-Tages-Schnittes der Neuinfektionen zufolge bis zum 8. Dezember deutlich nach unten gehen. Dann ist in Österreich mit maximal 7.800 Neuinfektionen binnen 24 Stunden zu rechnen.

Peter Klimek vorsichtig optimistisch

Für nicht unrealistisch angesichts des aktuellen Berichts des Covid-Prognosekonsortiums hält der Komplexitätsforscher Peter Klimek vom Complexity Science Hub Vienna (CSH) und der Medizinischen Universität Wien ein Lockdown-Ende nach dem 11. Dezember. Nach dem Höhepunkt bei den Infektionszahlen sollte nun die Wirkung der Maßnahmen "voll ankommen". Es gebe aber weiter viele Unsicherheitsfaktoren wie Omikron, den Wintersport oder die 2G-Umsetzung zu berücksichtigen.

Was die Normalbettenauslastung betrifft, dürfte der Höhepunkt bald erreicht werden, auf den Intensivstationen kommt der Effekt aber etwas später an. Gegen das angestrebte Ende des Lockdowns für alle sollte sich die Situation etwas entspannen, wenn auch "auf einem sehr hohen und teilweise systemkritischen Niveau", so Klimek am Mittwoch zur APA.

Lage bleibt länger kritisch

Klar sei, dass die Anstiege bei den Spitalsbelegungen schneller erfolgen als die Rückgänge. Die frei werdenden Intensivkapazitäten könnten nach dem Ende der Triage-Situation durch Covid-19 in einigen Krankenhäusern durchaus rasch wieder von anderen Patienten benötigt werden. Somit bleibt dort die Lage mitunter länger kritisch. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor vor allem im Westen des Landes sei der in den Startlöchern stehenden Wintertourismus mit seinem erhöhten Verletzungsrisiko.

"Wenn wir wieder mehr Öffnungsschritte wagen, nimmt auch diese Konkurrenzsituation wieder zu", sagte Klimek: "Wir sind weit davon entfernt, dass die Situation wieder entspannt ist." Am Ende des Lockdowns könnte sich eine Neuinfektionslage auf einem halbwegs stabilen Niveau bewegen, das längerfristig dazu führt, dass ungefähr zehn Prozent der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt sind. Dies sei "realistisch" - auch weil der Lockdown dann noch nachwirken werde.

Öffnungsschritte möglich

In der Folge komme es darauf an, wie gut weniger strenge Maßnahmen wirken, und die 2G-Regel tatsächlich umgesetzt wird. Klimek: "Es sind dann schon Öffnungsschritte möglich, welche man dann setzt, ist eine politische Frage."

Positiv sei, dass in den vergangenen Wochen die Impfkampagne doch Fahrt aufgenommen hat - auch was das Boosten betrifft. Zumindest einiges von dem, was im Sommer hier versäumt wurde, sei nun aufgeholt. "Die andere große Unbekannte ist Omikron", sagte Klimek, der sich diesbezüglich noch keine wirklich fundiertere Einschätzung abzugeben traut. Ob die neue Variante sich wirklich in den Infektionszahlen stärker auswirkt, werde man vermutlich erst in mehreren Wochen sehen. "Momentan haben wir aber so und so alle Hände voll zu tun, Delta unter Kontrolle zu bekommen", betonte der Wissenschafter.

(APA/red)

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