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Covid-Jahr 2020 brachte größten Öffi-Fahrgastschwund

Um die Klimaziele zu erreichen, müssen Fahrgäste zurückgewonnen werden.
Um die Klimaziele zu erreichen, müssen Fahrgäste zurückgewonnen werden. ©APA/ROLAND SCHLAGER
2020 brachte den größten Öffi-Fahrgastschwund in der jüngeren Geschichte mit sich. Um jedoch die Klimaziele zu erreichen, müsse man Fahrgäste zurückgewinnen.

Die Schweiz Europameisterin, Österreich EU-Champion. Pro Person und Jahr wurden in der Schweiz 2.500 Kilometer mit der Bahn gefahren, in Österreich 1.500 Kilometer - allerdings im Jahr 2019. Das Jahr 2020 brachte einen Fahrgastrückgang, den es in der jüngeren Geschichte noch nicht gegeben hat. Um die Klimaziele erreichen zu können, muss der Öffentliche Verkehr nicht nur Fahrgäste zurückgewinnen, sondern auch einen deutlich höheren Anteil erreichen als vor der Coronakrise.

TU-Wien mit Analyse zu Präventivmaßnahmen-Studien

Welche Maßnahmen dafür nötig wären, wurde am Freitag bei der VCÖ-Fachkonferenz diskutiert, an der mehr als 200 Fachleute teilnahmen. Die TU-Wien hat eine Analyse der international vorhandenen Studien zu Präventivmaßnahmen gegen Covid-19 im Öffentlichen Verkehr durchgeführt. "Die vorliegenden Analysen zeigen, dass der Öffentliche Verkehr bei der Pandemieverbreitung eine untergeordnete Rolle spielt", fasste Günther Emberger von der TU-Wien zusammen. International häufig umgesetzte Präventivmaßnahmen sind Mund-Nasenschutz, die Trennung zwischen Fahrer und Fahrgäste und das Forcieren von E-Ticketing.

"Die Fahrgastbedürfnisse sind durch Covid-19 ins Rampenlicht gerückt. Nützen wir diese Chance, um die Verkehrswende zu erreichen", forderte die Verhaltensbiologin Elisabeth Oberzaucher. Als hohe Qualität werden ausreichend Sitzplätze, häufige Verbindungen mit optimal aufeinander abgestimmte Anschlussverbindungen und komfortables Wagenmaterial erlebt, ergänzte VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Als sehr wirksame Maßnahme, um die Zahl der Fahrgäste im Öffentlichen Verkehr wieder zu erhöhen sind häufigere Verbindungen insbesondere zu den Stoßzeiten, um überfüllte Fahrzeuge zu vermeiden. Zentral sind aus Sicht der Fachleute auch politische Maßnahmen, wie eine ökosoziale Steuerreform und umfassende Parkraumbewirtschaftung in den Ballungsräumen als Anreize zum Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel.

Verlagerung auf Öffentlichen Verkehr reduziert Treibhausgas-Emissionen

Die Verlagerung von Autofahrten auf den Öffentlichen Verkehr reduziert die Treibhausgas-Emissionen deutlich. Pro Jahr wurden vor Covid-19 in Österreich bereits mehr als 80 Milliarden Personenkilometer mit dem Pkw gefahren. Pro Milliarde Personenkilometer, die von einem Diesel- oder Benzin-Pkw auf die Bahn verlagert werden, reduzieren sich die CO2-Emissionen um rund 200.000 Tonnen, verdeutlichte der VCÖ.

"Bei der Bewältigung der Klimakrise wird dem Öffentlichen Verkehr eine wichtige Rolle zukommen, womit der Nachfrageeinbruch während der Covid-Pandemie langfristig mehr als wettgemacht werden kann", war Stefan Mayerhofer, Leiter der Abteilung Personenverkehr des Verkehrsministeriums überzeugt. Zudem habe sich der Öffentliche Verkehr in Zeiten der Krise als verlässlicher Partner erwiesen und die notwendige Mobilität für die Bevölkerung sichergestellt.

Das betonte auch Sylvia Leodolter, Leiterin der Abteilung Umwelt und Verkehr in der AK: "Der Öffentliche Verkehr sorgt für viele Menschen für Stabilität in der Krise, für jene die im Öffentlichen Verkehr arbeiten und für jene, die ihn nutzen. Wir befinden uns auch in einer besorgniserregenden Beschäftigungskrise. Arbeitsplätze schaffen und sichern und die Klimakrise entschlossen bekämpfen - da muss der Öffentliche Verkehr eine ganz wichtige Rolle spielen."

(APA/Red)

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