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Coronakrise: Intensivmediziner warnen vor Versorgungsproblemen in Spitälern

Die Intensivmediziner warnen vor Versorgungsengpässen in Österreichs Krankenhäusern.
Die Intensivmediziner warnen vor Versorgungsengpässen in Österreichs Krankenhäusern. ©Pixabay.com (Sujet)
Am Mittwoch warnten nun auch die Intensivmediziner angesicht des rasanten Anstiegs der Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen - nachdem in einigen Bundesländern bereits Befürchtungen zu Engpässen in Krankenhäusern bestehen - vor Versorgungsproblemen. Bereits im Sommer sei auf die Möglichkeit intensivmedizinischer Kapazitätsgrenzen hingewiesen worden, so Experten.

In Österreich waren zuletzt die Hospitalisierungsraten und Belegungszahlen auf den Intensivstationen aufgrund von Covid-19-Erkrankungen rasant angestiegen: Waren vor vier Wochen noch insgesamt 469 Patientinnen und Patienten mit Covid-19 im Spital und 88 von ihnen in Intensivbehandlung, so waren es vor zwei Wochen 654 und 112 und mit Stand Dienstag sogar 1.400 bzw. 203. Somit haben sich die Zahlen seit Anfang September nahezu verzehnfacht.

Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen steigt weiter rasant

Dass angesichts weiter ansteigender Infektionszahlen und derartiger Steigerungsraten vereinzelt immer noch von einer entspannten Situation die Rede ist, was die Intensivversorgung betrifft, ist für die Experten aus der Intensivmedizin nicht nachvollziehbar. "Leider bewegen wir uns zunehmend auf eine Situation zu, vor der wir, auch gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften, seit dem Sommer konsequent gewarnt haben", sagte Klaus Markstaller, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI). "Wie sich in einigen europäischen Ländern wieder deutlich zeigt, bedeuten viele gleichzeitig stattfindende Covid-19-Erkrankungen eine erhebliche Belastung für die Spitäler und insbesondere die Intensivstationen, die bis zur Einschränkung der Versorgungskapazität von Patientinnen und Patienten mit aber auch ohne Covid-19-Infektion gehen kann", betonte Markstaller.

Man muss das auch vor dem Hintergrund sehen, dass selbst in gut ausgestatteten Gesundheitssystemen wie dem österreichischen der routinemäßige Auslastungsgrad der Intensivressourcen - ohne Zusatzbelastung durch die Pandemie - bewusst sehr hoch war und keine großen Vorhaltekapazitäten weder personell noch strukturell ökonomisch vertretbar gewesen wären. Das ist so vielleicht noch immer nicht allen bewusst", machte Markstaller aufmerksam.

Starke Zuwächse bei der Zahl von Patienten, die intensivmedizinische Betreuung benötigen, bedeuten daher unabdingbar Versorgungsengpässe - in einer Situation der Überlastung der Ressourcen auch eine höhere Rate von vermeidbaren Todesfällen, wie es bereits in anderen europäischen Ländern zu beobachten ist, warnten die Experten. Zeitgleich hat diese Situation negative Folgen auch für Patienten mit anderen Erkrankungen, die nicht unbedingt akut versorgt werden müssen. "Dass wir zum Beispiel wieder Einschränkungen bei elektiven Eingriffen machen müssen, will sicher niemand - aber es muss allen bewusst sein, dass dies eine nahezu unvermeidliche Konsequenz stetig steigender Infektionszahlen ist, und nicht etwa, wie im Frühjahr diesen Jahres, eine vorbeugende Maßnahme", betonte Markstaller. Die Tatsache, dass bereits aus mehreren Bundesländern Meldungen kommen, ihre intensivmedizinischen Kapazitätsgrenzen seien bald erreicht, vermittelt ein Bild der realen Situation in den Spitälern, heißt es seitens der ÖGARI.

Coronavirus als Herausforderung für Österreichs Gesundheitssysstem

"Für uns alle bedeutet das, so herausfordernd es auch für die kommenden Monate ist, die bekannten Präventionsmaßnahmen viel konsequenter als bisher umzusetzen - im privaten wie dem öffentlichen Raum. An strikter Händehygiene, Abstandhalten, dem Reduzieren von Kontakten auf ein unbedingt notwendiges Maß und Mund-Nasen-Schutz führt kein Weg vorbei", so Markstaller. An die politisch Verantwortlichen appellierte die Fachgesellschaft, den Ernst der Versorgungslage richtig einzuschätzen und nicht nur die entsprechenden Maßnahmen zu setzen, sondern diese auch nachvollziehbar und einheitlich zu kommunizieren.

Die Dynamik, die die Corona-Pandemie im Bereich der Belegung von Intensivstationen mit sich bringt, zeigt auch ein Blick auf die internationalen Zahlen. Zwischen Anfang und Mitte Oktober ist laut Daten der EU-Behörde für übertragbare Krankheiten (ECDC) die Zahl der Intensivpatienten mit Covid-19 in Belgien um 120 Prozent gestiegen, in den Niederlanden um 101 Prozent oder in Italien um 150 Prozent. Zudem eine entsprechende Zunahme an Verstorbenen festzustellen. In Belgien stieg die Zahl der Covid-19-Todesfälle zwischen Anfang September und dem 27. Oktober von 9.897 (858 pro Million Einwohner) auf 10.899 (945 pro Million), in den Niederlanden von 6.230 (364 pro Million) auf 7.142 (418 pro Million) und in Italien von 35.491 (586 pro Million) auf 37.700 (623 pro Million). In Österreich waren es Anfang September 734 Todesfälle (83 pro Million), aktuell sind es 1.005 (112 pro Million).

In mehreren europäischen Ländern waren in den vergangenen Tagen die Auslastungsgrenzen der intensivmedizinischen Versorgungskapazitäten aufgrund der dramatischen Anstiege von Covid-19-Erkrankungen bereits erreicht: Einige EU-Partner, darunter Österreich, lieferten dringend benötigte Atemgeräte nach Tschechien. Und die Niederlande haben, wie schon einmal im Frühjahr, aus Kapazitätsgründen bereits Deutschland ersucht, wieder Intensivpatienten zu übernehmen.

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(APA/Red.)

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