Corona: MedUni Wien startet Phase-II-Studie mit Asunercept

Das Immuntherapeutikum Asunercept zielt auf sogenannte Todesliganden ab.
Das Immuntherapeutikum Asunercept zielt auf sogenannte Todesliganden ab. ©pixabay.com (Sujet)
An der MedUni Wien ist eine klinische Phase-II-Studie zur Behandlung von schweren Covid-19-Verläufen mit einem Medikament namens Asunercept gestartet worden.

Die heimischen und internationale Forscher gehen davon aus, dass Gewebezerstörung und Lungenversagen bei Covid-Patienten vielmehr die Folge der Überaktivität sogenannter Todesliganden, als der Virus-Infektion selbst sein könnten. Darauf zielt das Immuntherapeutikum von Apogenix als sogenannter Fas-Liganden-Blocker ab.

Phase-II-Studie mit Medikament an MedUni Wien gestartet

Die Studie im Rahmen der Austrian CoronaVirus Adaptive Clinical Trial (ACOVACT) wird als akademisch-industrielle Zusammenarbeit (Investigator Initiated Trial) mit der Apogenix AG, einem Biotech-Unternehmen aus der deutschen Stadt Heidelberg, und dessen wissenschaftlichem Berater Henning Walczak und seinen Teams von der Universität zu Köln und dem University College London (UCL) durchgeführt. ACOVACT ist eine offene, von der MedUni Wien gesponserte Studie in deren Rahmen unterschiedliche Behandlungen von Covid-19 verglichen werden.

Die Teilstudie wurde nun von Apogenix, Walczak und Michael Bergmann initiiert. Bergmann ist Chirurg an der MedUni Wien und erforscht den Einsatz onkolytischer Viren zur Immuntherapie von Krebs. Die Studie basiert auf einem wissenschaftlichen Konzept, das gemeinsam von Walczak, Bergmann und Apogenix entwickelt wurde. Aus eigenen Beobachtungen in Verbindung mit veröffentlichten Ergebnissen anderer Forscher schließen sie, dass Gewebezerstörung und Lungenversagen bei Covid-19 die Folge der Überaktivität von Todesliganden sein könnte.

Todesliganden sind Proteine, die unsere eigenen Körperzellen normalerweise im Zuge der Immunabwehr produzieren. Das nun eingesetzte Immuntherapeutikum fängt den Todesliganden Fas-Ligand ab, der auch als CD95-Ligand bekannt ist, erläuterte die MedUni am Dienstag in einer Aussendung.

Völlig neuartiges Konzept der Verhinderung von Zelltod

"Eine SARS-CoV-2-Infektion löst eine Überreaktion unseres Immunsystems aus, die unter anderem zur Überproduktion des Fas-Liganden führt. Der Fas-Ligand kann dann auch gesunde, nicht infizierte Zellen in der Lunge von Covid-19-Patienten töten und so das Organ schädigen", berichtete Walczak. "Das Konzept der Verhinderung von Zelltod in der Behandlung von Covid-19 ist völlig neuartig. Wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis dieser klinischen Studie", betonte Bergmann.

Bisher konzentrierte sich die Suche nach wirksamen Behandlungsmethoden für COVID-19 vor allem auf Medikamente, die darauf abzielen, entweder das Virus selbst oder die Auswirkungen des Zytokinsturms zu neutralisieren. "Bis die Ärzte die Patienten zu Gesicht bekommen, ist die Viruslast in der Regel jedoch bereits deutlich gesunken, und der systemische Zytokinsturm erwies sich bei Covid-19-Patienten im Vergleich zu Krankheiten wie dem septischen Schock als recht gering", sagte Bergmann.

"Die Blockade des Fas-Liganden bietet die Chance, die Ursache der schweren Covid-19-Erkrankung zu beheben. Indem wir den Zelltod blockieren, der sozusagen das Feuer der Entzündung in der Lunge dieser Patienten entfacht und weiter speist, entziehen wir diesem Feuer den Treibstoff", meinte Christian Schörgenhofer, der gemeinsam mit Bernd Jilma (beide Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien) die Studie koordiniert. Die Studie der Phase II ergänzt eine weitere, eigenständige klinische Phase-II-Studie von Apogenix mit dem gleichen Wirkstoff bei Patienten mit schwerem Covid-19 in Spanien und Russland.

(APA/Red)

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