Corona-Krise: Mehr Bewusstsein für Regionalität entwickelt

Ein Zugang zur Regionalität sei der Einkauf beim Bäcker im Ort.
Ein Zugang zur Regionalität sei der Einkauf beim Bäcker im Ort. ©APA/DPA-ZENTRALBILD/JAN WOITAS
Laut dem Bauernbund-Präsident Georg Strasser muss die Lebensmittelproduktion authentischer werden. In der aktuellen Krise sieht er ein gestiegenes Bewusstsein für mehr Regionalität.

Bauernbund-Präsident Georg Strasser sieht in der Corona-Krise ein gestiegenes Bewusstsein der Menschen für mehr Regionalität. "Das gibt mir die Hoffnung, dass die Systeme nach der Krise besser und stabiler sein werden, als davor", sagt er im APA-Interview. "Keinesfalls darf danach 'Business as usual' gemacht werden." Deswegen müsse man sich schon jetzt Gedanken über die (agrarische) Zukunft machen.

Lebensmittelproduktion muss authentischer werden

Aus Sicht des Chefs der ÖVP-Teilorganisation und Abgeordneten zum Nationalrat "muss es das Ziel sein, dass die heimische Lebensmittelproduktion letztendlich authentischer wird". Was in Österreich produziert werde, solle auch hierzulande konsumiert werden - "und zwar durchgängig". Das gelte für den Konsum zu Hause, aber auch für den Tourismus, "der ja hoffentlich auch wieder auferstehen wird".

Zwar habe er dafür noch kein fertiges Konzept - "natürlich sind wir Politiker immer noch dabei den Krisenmodus zu managen" - aber es gehe um eine "Zukunftsdebatte" mit der Kernfrage: "Wie definieren wir in der Lebensmittelproduktion Regionalität?", so Strasser. Ein Zugang dabei sei regionales Einkaufen beim Bauern ums Eck, so das möglich ist, beim Bäcker im Ort und beim Lebensmittelgeschäft im Ort. "Momentan stellen wir einen starken Trend zum Konsum aus der Direktvermarktung fest."

Produktion soll besser mit dem Konsum in Einklang gebracht werden

Es gehe in der Debatte auch um die europäische Dimension und wie Europa mit der notwendigen Selbstversorgung umgeht, so der Bauernvertreter. "Es wird auch notwendig sein, die europäische Produktion besser mit dem europäischen Konsum in Einklang zu bringen. Letztlich kann man so Übermengen verhindern, wie sie es derzeit im Rindfleischbereich gibt", so Strasser. Hierfür sei die europäische Eiweißstrategie ein gutes Beispiel. Dabei soll vermehrt in Europa Soja als Eiweißfuttermittel angebaut werden, um Importe aus Südamerika zu verkleinern. "So macht man die Fütterung authentischer und schont das Klima."

Bei diesen Zielen hat die ÖVP mit den Grünen doch einen "idealen" Koalitionspartner? "Die Zusammenarbeit funktioniert gut. Wir wollen etwa den Selbstversorgungsgrad mit heimischen Lebensmitteln steigern, wo diese unzureichend ist - beispielsweise bei Obst und Gemüse, aber auch bei Geflügel. Auch die Eiweißstrategie findet sich im Regierungsprogramm. Aber da geht es nicht um eine Ansage, dass solche Dinge gesetzlich geregelt werden müssen. Nein es geht um eine nötige, marktorientierte Umstellung der Systeme", sagte Strasser. "Was von den Konsumenten nachgefragt wird, wird vom Bauern passieren. Und das muss die Politik entschlossen begleiten."

Massive wirtschaftliche Konsequenzen durch Corona-Krise

Der derzeitige Stillstand in Österreich und der EU habe massive wirtschaftliche Konsequenzen, die auch die Land- und Forstwirtschaft mit voller Wucht treffen, sagte Strasser zur aktuellen Corona-Krise. Der besonders wichtige Exportmarkt Italien könne derzeit gar nicht beliefert werden. "Vor allem in den Bereichen Milch und Fleisch sind die negativen Auswirkungen bereits seit mehreren Wochen deutlich spürbar." Gastronomie und Kantinen gingen massiv ab. Ebenso seien Molkereien und der Milchmarkt negativ betroffen. "Das hat unmittelbare Konsequenzen in der Preisbildung", bedauerte Strasser.

(APA/Red)

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