Corona-Fokus auf Wien und Vorarlberg - Infektionen im Ländle seit Öffnungen stark gestiegen

In Vorarlberg wurde großflächig geöffnet, während in Wien nach wie vor harter Lockdown herrscht.
In Vorarlberg wurde großflächig geöffnet, während in Wien nach wie vor harter Lockdown herrscht. ©APA (Sujet)
Zwei Bundesländern gilt derzeit besondere Aufmerksamkeit in Sachen Coronavirus: Wien entscheidet am Dienstag, ob der harte Lockdown als einziges Bundesland verlängert wird, während Vorarlberg - seit Mitte März die Modellregion für großflächige Öffnungen - mit stark steigenden Infektionszahlen kämpft.

Zurück in den Lockdown will man in Vorarlberg trotzdem nicht und verweist auf nach wie vor freie Plätze auf den Intensivstationen. Für Prognoserechner Peter Klimek taugt Vorarlberg daher nicht als Vorbild. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ist dagegen mit dem Modell zufrieden.

Vorarlberg für Prognoserechner kein Vorbild, Kurz zufrieden

Für Komplexitätsforscher Peter Klimek zeigt Vorarlberg, dass die Teststrategie bei der derzeitigen Durchimpfungsrate und Wetterlage noch nicht ausreicht, um den Anstieg der Infektionen zu verhindern. "Wer öffnet, geht mit den Zahlen nach oben", sagt Klimek gegenüber der APA. "Vorarlberg kann es sich leisten, weil es eine kleinere Region ist." Eine Großstadt wie Wien könne aber nicht so "pokern". Außerdem sei die Ausgangslage in Vorarlberg (eine Wocheninzidenz von 66 und kaum Intensivpatienten, Anm.) vergleichsweise gut gewesen. Für die geplante österreichweite Öffnung gilt aus Klimeks Sicht daher, dass vorher alle maßgeblichen Kennzahlen sinken müssen. Und: "Die Öffnungsschritte müssen so dosiert sein, dass diese Entwicklung so bleibt."

Für Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) entwickelt sich die Situation in Vorarlberg trotz der steigenden Fallzahlen "eigentlich sehr, sehr positiv", wie er am Montag gegenüber Journalisten erklärte: "Ich hätte mir einen wesentlich schnelleren Anstieg der Infektionszahlen erwartet". Die Öffnungsschritte seien richtig gewesen. Außerdem teste Vorarlberg mehr als andere Länder: "Wer weniger testet, findet natürlich auch weniger Fälle."

Seit Öffnungen in Vorarlberg: Coronavirus-Neuinfektionen verdreifacht

Seit der Öffnung von Gastronomie, Kultur- und Sportveranstaltungen hat sich die Zahl der Neuinfektionen in Vorarlberg mehr als verdreifacht: von 16 am 15. März auf 116 am Montag. Seit dem Wochenende ist Vorarlberg mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 240 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern auch das österreichische Bundesland mit den am stärksten steigenden Fallzahlen. In Österreich sind es durchschnittlich 180. Zum Start der Öffnung waren es in Vorarlberg 67 und deutlich weniger als in allen anderen Bundesländern.

Am anderen Ende stehen derzeit Niederösterreich und das Burgenland, wo der am 1. April verhängte vierte harte Lockdown (der "Ost-Lockdown") die Infektionszahlen besonders stark gedrückt hat. Im Burgenland ist die Wocheninzidenz am Wochenende als erstes Bundesland wieder unter 100 gefallen. Das Burgenland ist bereits wieder in den "Lockdown-Light" gewechselt, wie er anderswo seit November gilt. Niederösterreich hat das für 2. Mai angekündigt. Wien entscheidet am Dienstag. Hier waren die Infektionen zuletzt deutlich höher als in den anderen beiden Ost-Bundesländern - mit einer von der AGES ausgewiesenen Inzidenz von 214 (bzw. 171 in den etwas aktuelleren Zahlen des Krisenstabes).

Dass Vorarlberg trotz der stark steigenden Infektionszahlen seine Öffnungen weitgehend beibehält, begründet der Corona-Berater der Landesregierung, Armin Fidler, mit der anhaltend geringen Auslastung der Intensivstationen. Die steigenden Infektionszahlen führt Fidler in den "Vorarlberger Nachrichten" auf die Ausbreitung der "britischen Variante" des Virus zurück, die in Vorarlberg vor der Öffnung kaum präsent war, sowie auf regionale Cluster. Daher werden die Oberstufen werden im Bregenzerwald und in Lustenau auf Fernunterricht umgestellt, die Ausreisetestpflicht im Bregenzerwald verlängert.

Wien und Rest-Osten: Weiter hohe Zahl an Corona-Erkrankten auf Intensivstationen

Tatsächlich ist die Zahl der Intensivpatienten mit einer Corona-Infektion zuletzt wieder leicht gesunken und liegt mit aktuell acht in etwa im Durchschnitt der letzten drei Wochen. In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland haben die sinkenden Infektionszahlen dagegen noch nicht zu einer Entlastung der Intensivstationen geführt. Alle drei Länder lagen zuletzt über der kritischen Auslastungsgrenze von 33 Prozent Corona-Patienten. Allerdings hat auch Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Wochenende gewarnt, dass steigende Infektionen erst mit zwei bis drei Wochen Abstand auf die Intensivstationen durchschlagen. Die hohe Auslastung im Osten spiegelt also ebenso die Infektionslage von vor Wochen wider wie die niedrige in Vorarlberg.

Experten hatten angesichts des Vorarlberger Beispiels daher schon vorige Woche davor gewarnt, die geplanten Öffnungen bedingungslos am 19. Mai durchzuziehen. "Das Modell ist meiner Meinung nach kein Erfolg", warnte am Montag im "Standard" auch der Mikrobiologe Michael Wagner. Die Regierung gehe mit der umfassenden Öffnung Mitte Mai ein "unnötiges Risiko ein, das in einem nochmaligen Lockdown enden kann".

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(APA/Red.)

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