Corona-Daten: Forscher weiter im Blindflug unterwegs

Forscher fordern seit einem Jahr Coronadaten. Bald ist die Pandemie aber hoffentlich vorbei.
Forscher fordern seit einem Jahr Coronadaten. Bald ist die Pandemie aber hoffentlich vorbei. ©APA
Welche Berufsgruppen stecken sich am ehesten mit Corona an, welche Vorerkrankungen und Medikamente wirken sich auf die Krankheit aus? Österreichs Forscher wissen es nicht - weil sie keinen Zugang zu den Daten haben.

Wissenschafter drängen auf einen besseren Datenzugang zur Bekämpfung der Coronakrise. So kritisiert der Komplexitätsforscher Peter Klimek, dass nicht erhoben wird, welche Berufe mit besonders hohem Ansteckungsrisiko verbunden sind. Die Corona-Ampelkommission hat daher zuletzt die Verknüpfung der Gesundheitsdaten von Bund, Ländern und Sozialversicherungen gefordert. Letztere können sich das vorstellen - aber unter eigener Oberhoheit, wie Dachverbands-Chef Peter Lehner sagt.

Forderungen seit einem Jahr

Wissenschafter fordern seit einem Jahr erfolglos Zugang zu Gesundheitsdaten, um den Einfluss bestimmter Vorerkrankungen und Medikamente auf den Krankheitsverlauf zu erforschen. Die Ampelkommission hat die Verknüpfung der Gesundheitsdaten mittels Personenkennzeichen zuletzt in ihren Forderungskatalog aufgenommen. So soll unter Einbindung der Krankenhausdaten der Länder geprüft werden, inwiefern (Re)Infektionen zu schweren Krankheitsverläufen führen. Aber auch der "sozioökonomische Status" der Erkrankten (also etwa Beruf, Einkommen und Bildung) soll pseudonymisiert ausgewertet werden.

Welche Berufe stecken sich eher mit Corona an

Damit könnte geklärt werden, ob in bestimmten Branchen ein höheres Ansteckungsrisiko herrscht, wie Komplexitätsforscher Klimek gegenüber der APA sagt. Beispielsweise argumentieren Vertreter der Wirte gerne damit, dass seit der Öffnung in Vorarlberg keine einzige Corona-Infektion in einem Lokal registriert wurde. Dabei liefern internationale Studien sehr wohl "eindeutige Belege" für Ansteckungen in Gastronomiebetrieben, wie Klimek mit Verweis auf Norwegen betont.

Norwegen: Besonders Kellner und Kellnerinnen betroffen

Das Norwegische Institut für Öffentliche Gesundheit hat nämlich im November Kellnerinnen und Kellner als Berufsgruppe mit dem höchsten Infektionsrisiko identifiziert. Danach folgen andere Jobs mit viel Kundenkontakt - etwa Schaffner, Bus- und Taxifahrer sowie Ärztinnen und Ärzte, aber auch Reinigungspersonal und Kinderbetreuer. Für Österreich liegen derartige Auswertungen nicht vor, obwohl alle nötigen Informationen vorhanden wären. Denn jede mit Covid-19 infizierte Person wird im Epidemologischen Meldesystem (EMS) erfasst. Diese Daten könnte man über Personenkennzeichen mit Informationen der Sozialversicherung verknüpfen. Das ist derzeit aber nicht erlaubt, kritisiert Klimek: "Damit kann man nicht herausfinden, ob es Berufsgruppen gibt, die sich häufiger oder weniger häufig anstecken. Das wäre aber gut zu wissen, um Öffnungsschritte zu planen."

Der Chef des Dachverbands der Sozialversicherungsträger, Peter Lehner (ÖVP), könnte sich eine Auswertung der Daten durchaus vorstellen. Er betont auf APA-Anfrage allerdings, dass die Daten im Bereich der Sozialversicherung bleiben sollten, weil dort auch die "Elektronische Gesundheitsakte" (ELGA) liegt. "Wir haben unsere gesicherten Netze", verweist Lehner auf den nötigen Datenschutz. Einbeziehen möchte Lehner neben den EMS-Daten des Bundes auch Spitals- und Pflegedaten der Länder. Das große Thema laute nun, "wer transferiert seine Daten wohin?" Er kämpfe jedenfalls dafür, dass die Daten bei der Sozialversicherung zusammenlaufen, betont Lehner: "Dort, wo die wesentlichen Daten sind, soll man die unwesentlichen dazugeben."

Erste Datenplattform eingerichtet

Bereits eingerichtet wurde eine erste Datenplattform allerdings bei der dem Sozialministerium unterstellten Gesundheit Österreich GmbH. Außerdem ist im Regierungsprogramm die Errichtung eines "Austrian Micro Data Center" (AMDC) bei der Statistik Austria vorgesehen. Dort sollen Wissenschafter eine zentrale Anlaufstelle für die Forschung mit "Registerdaten" erhalten. Die nötigen Gesetzesänderungen wurden bisher aber nicht vorgelegt, weshalb der Forschungsrat vorige Woche zur raschen Umsetzung drängte.

(APA/red)

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