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Contact-Tracing nach Massentests in Wien

Zwei weitere Contact-Tracing-Standorte werden in den kommenden Tagen eröffnet.
Zwei weitere Contact-Tracing-Standorte werden in den kommenden Tagen eröffnet. ©APA/ROBERT JAEGER
Am Donnerstag hat Bürgermeister Ludwig angekündigt, dass es nach den Massentests bei positiven Fällen auch ein Contact-Tracing geben wird. Zwei weitere Standorte dafür werden in den kommenden Tagen eröffnet.

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat am Donnerstag angekündigt, dass es im Rahmen der groß angelegten Massentests, die am Freitag starten, bei positiven Fällen auch fix ein Contact-Tracing geben wird. "In den anderen Teilen Österreichs wird ja darüber diskutiert, ob man in dieser Phase das Contact-Tracing aussetzt. Das werden wir nicht tun", sagte er vor Journalisten. Aufgrund der Massentests erwartet er einen Anstieg bei den Neuinfektions-Zahlen in Wien.

Wien: Fünf Standorte für Contact-Tracing, zwei weitere eröffnen

Aktuell gibt es in der Bundeshauptstadt fünf Standorte, an denen 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Contact-Tracing beschäftigt sind. Einer davon befindet sich in der Volkshalle des Rathauses. Dorthin hatte Ludwig Medienvertreter geladen, damit sich diese ein Bild von der Arbeit der Contact-Tracer machen können. Dabei kündigte er auch an, dass in den kommenden Tagen zwei weitere Standorte eröffnen und das Personal auf insgesamt 700 Personen aufzustocken.

"Contact-Tracing ist deshalb so wichtig, weil wir damit weitere Infizierte vermeiden können", unterstrich der Bürgermeister. Damit könne das Umfeld positiv Getesteter lokalisiert werden und es könnten weitere Infektionen ausgeschaltet werden.

Massentests in Wien starten am freitag

Am morgen Freitag starten in Wien die Massentests. An drei Standorten in der Stadt - Stadthalle, Messe Wien und Marx-Halle - können sich bis 13. Dezember die Menschen testen lassen. Insgesamt werden 286 Testlinien für Schnelltests und 20 für PCR-Tests installiert. Die Kapazität an den drei Standorten sind insgesamt für bis zu 150.000 Testungen pro Tag bzw. für insgesamt mehr als 1 Mio. Menschen ausgelegt.

"Ich gehe davon aus, dass das Interesse gegeben ist", sagte Ludwig. Aber auch: "Wahrscheinlich ist der soziale Druck, an Testungen mitzuwirken, nicht so stark wie in einer kleineren Gemeinde, wo sich die Menschen untereinander alle kennen." In einer Großstadt wie Wien sei das sicher anders, auch schwieriger. Überdies rechnet er damit, dass sich jene Personen, die durch die derzeit laufende Teststrategie der Stadt schon getestet wurden, "sich wahrscheinlich nicht gleich noch einmal testen lassen".

Ludwig rechnet mit steigenden Zahlen in Wien

Der Bürgermeister erwartet auch, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Wien durch die Massentests steigen wird, da man weitere Infizierte "lokalisieren" werde können. "Das wird die Zahlen wahrscheinlich in die Höhe treiben. Das ist ja auch das Ziel, dass wir die Infizierten in Quarantäne schicken, gleichzeitig auch durch Contact-Tracing das Umfeld lokalisieren und Maßnahmen setzen können, um die Infektionskette zu unterbrechen."

Ludwig mit Kritik an Aussagen von Kurz

Im Zuge des Medientermins übte Ludwig auch Kritik an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), konkret an dessen Aussage in der Pressekonferenz am gestrigen Mittwoch, wonach durch Reiserückkehrer und Menschen, die in ihren Herkunftsländern den Sommer verbracht hätten, Ansteckungen wieder ins Land hereingeschleppt worden seien. "Es ist mir auch deshalb unverständlich, weil das sehr oft auch Menschen sind, die bei uns in Wien, aber in Österreich generell, ja gerade oft in der kritischen Infrastruktur tätig sind. In Krankenhäuser, Spitälern, Pflegeeinrichtungen. Ohne jene Menschen wäre es wahrscheinlich gar nicht möglich, dass wir diese infrastrukturellen Einrichtungen am Laufen halten."

Weiters sagte Ludwig: "Und von daher finde ich den Bezug auf die Herkunftsländer als unrichtig, denn es haben sich natürlich sicher auch Menschen angesteckt haben, die auf Urlaub waren unabhängig ob sie einen Familienbesuch zu erledigen gehabt haben oder sonst unterwegs waren." Er, Ludwig, würde sich erwarten, wenn man eine solche Analyse treffe, dass man dann beispielsweise an den Grenzen Testungen vornehme. "Ein Stigmatisieren von Bevölkerungsgruppen halte ich gerade in einer Krisensituation für nicht gut."

Ludwig wünscht sich Einbindung in Krisenmanagement

Weiters würde sich Ludwig endlich eine Einbindung in das Krisenmanagement des Bundes wünschen. "Ich werde nicht müde zu erwähnen, dass wir in Wien leider immer aus den Medien erfahren, welche Schritte vorgesehen sind oder knapp vor einer Pressekonferenz." Er, Ludwig, glaube, dass es die Schlagkraft der Politik insgesamt erhöhen würde, wenn man über die Parteigrenzen hinweg kooperiere würde und auch die Sozialpartner stärker einbeziehe. "Denn ich denke, da gibt es viel Kompetenz, die helfen würde, Krisen besser zu bewältigen. Wir liegen ja mit den Zahlen phasenweise leider nicht nur europaweit, sondern weltweit an der Spitze. Also von daher gibt es sicher Luft nach oben, um Verbesserungen zu setzen."

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) verwies am Rande eines Medientermins in der Wiener Stadthalle darauf, dass Cluster tatsächlich durch Reiserückkehrer entstanden seien: "Das ist Realität." Man habe auch damit gerechnet, dass erhöhte Reisetätigkeit zu steigenden Infektionszahlen führen werde. Er werde aber keine Schuldzuweisungen machen, versicherte der Minister. Denn jeder, der erkranke, sei Opfer des Virus, nicht Täter.

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(APA/Red)

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