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Contact Tracing: Bedeutung der Rückverfolgung von Ansteckungen steigt

Die Bedeutung von Contact Tracing steigt.
Die Bedeutung von Contact Tracing steigt. ©APA/HANS PUNZ
In Österreich soll sich das Leben langsam wieder normalisieren. Dadurch steigt auch die Bedeutung von Contact Tracing. Dabei geht es um die Rückverfolgung von Ansteckungen.

Das Leben in Österreich soll sich nach scharfen Gegenmaßnahmen im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie wieder zunehmend normalisieren. Dadurch steigt die Bedeutung der Rückverfolgung (Contact Tracing) von Ansteckungen mit dem Coronavirus, um ein neuerliches Aufflackern der Covid-19-Erkrankungen zu verhindern. Die APA fragte in den österreichischen Bundesländern zu Umfang und Ablauf der Maßnahmen nach.

Innerhalb von 24 Stunden sollen Erkrankte isoliert sein

In Salzburg führen das Contact Tracing rund 40 Ärzte und Mitarbeiter der Gesundheitsämter durch, und zwar mit Befragungen und Erhebungsformularen. Unterstützt werden sie dabei auch von Epidemieärzten, die Polizei kam in Salzburg bisher dabei nicht zum Einsatz. Größter Wert wird darauf gelegt, die Vorgaben des Bundes (24-24-24 Stunden) in allen Bezirken einzuhalten. Das heißt, innerhalb von 24 Stunden sollte der oder die Erkrankte isoliert sein, in weiteren 24 Stunden sind seine Kontaktpersonen zu erheben und nochmals innerhalb von 24 Stunden dann auch diese "abzusondern".

Die Gesundheitsbehörden erheben dabei die persönlichen Daten, den Beginn der Erkrankung, die Symptomatik, die Reiseanamnese, den Kontakt zu erkrankten Personen und die Kontaktpersonen der Kategorien 1 und 2. Die erhobenen Informationen werden anschließend ins Epidemiologisches Meldesystem (EMS) eingetragen.

NÖ: Je nach Anforderungen bis zu 250 Personen eingesetzt

In Niederösterreich sind je nach Anforderung bis zu 250 Personen für das Contact Tracing eingesetzt, teilte das Büro von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) mit. Zur Koordination gebe in jeder Bezirkshauptmannschaft und in der Sanitätsdirektion einen Einsatzstab. Die Teams stehen unter der Einsatzleitung erfahrener Amtsärzte, die zeitnahe nach erfolgter Meldung eines Verdachtsfalles mit der telefonischen Kontaktpersonen-Nachverfolgung beginnen.

Contact Tracing: So funktioniert es

Das Contact Tracing beginne bereits bei der Meldung eines Verdachtsfalles und werde bei Bestätigung weiter intensiviert. Erhoben werden: Name, Geburtsdatum, Adresse, Sozialversicherungs- und Telefonnummer, E-Mail Adresse, Arbeitgeber, Symptome, Kontakt mit bestätigtem Fall, Datum des Kontaktes, Hausarzt, vermutete Quelle der Infektion, alle Kontakte in den 48 Stunden vor Auftreten der Symptome (Person, Art, Datum, Ort).

Die Polizei ist den Angaben aus St. Pölten zufolge immer wieder für die Gesundheitsbehörde unterstützend tätig, hauptsächlich bei der Bescheidzustellung. Die Informationen werden in das elektronische Epidemiologische Meldesystem (EMS) des Bundes eingegeben.

Contact Tracing: In Wien 170 Mitarbeiter bereit

In Wien sind derzeit 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Rückverfolgung von Kontakten von positiv auf das Coronavirus getesteten Personen beschäftigt. Die Zahl könne im Bedarfsfall weiter aufgestockt werden, teilte das Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) der APA mit.

Durchgeführt wird das Contact Tracing vorrangig durch Beschäftigte im Gesundheitsdienst (MA 15) bzw. in der Landessanitätsdirektion, aber auch andere Magistratsabteilungen würden unterstützen, hieß es. Unterstützung durch die Polizei werde derzeit nicht benötigt.

Erste Daten werden bereits eingeholt, wenn eine Person nach einem Anruf bei der Hotline 1450 als Corona-Verdachtsfall eingestuft wird. Fällt das Testergebnis tatsächlich positiv aus, werde der oder die Erkrankte innerhalb von 24 Stunden isoliert und relevante Kontaktpersonen binnen der darauffolgenden 24 Stunden ausfindig gemacht, um wiederum deren Aufenthaltsorte zu recherchieren. Sämtliche Informationen werden anschließend ins elektronische Epidemiologische Meldesystem (EMS) des Bundes eingespeist.

Kärnten: Auch 27 Epidemieärzte stehen zur Verfügung

Für die Rückverfolgung von Coronavirus-Kontakten (Contact Tracing) stehen in Kärnten neben dem Personal der Gesundheitsämter auch 27 Epidemieärzte zur Verfügung. Das nicht-ärztliche Hilfspersonal der Gesundheitsämter sei "bedarfsgerecht deutlich aufgestockt" worden, auch die Polizei sei schon mehrfach eingebunden worden, hieß es in einer Stellungnahme des Landespressediensts auf APA-Anfrage.

Die Polizei unterstütze aber nicht nur die Erhebungen bei komplexeren Fällen, sondern helfe vor allem bei der Bescheidzustellung sowie bei der Kontrolle von verordneten Absonderungen. In Krankenanstalten unterstützen die Hygieneteams die Gesundheitsbehörde bei den Erhebungen, in Schulen die Schulärzte. Bei Verdachtsmeldung werden in der Regel telefonisch Daten nach einem strukturierten Fragebogen erhoben und die Absonderung ausgesprochen. Die eigentliche Nachverfolgung von möglichen Kontakten erfolgt nach der Bestätigung eines Falls durch einen Test.

Erhoben werden neben persönlichen und Gesundheitsdaten auch Aufenthaltsorte, Arbeitsplatz, eventuelle Reisen und mögliche Infektionsquellen sowie natürlich die Kontaktpersonen. Die Informationen sind dann Grundlage für Bescheide und werden ins EMS, ein behördliches Register für anzeigenpflichtige Erkrankungen, eingegeben. Bei Bedarf bzw. Anfrage werden sie behördenintern und an die zuständigen Bürgermeister weitergeleitet.

Zu Spitzenzeiten 250 Personen in der Steiermark im Einsatz

In der Steiermark waren in Spitzenzeiten bis zu 250 Personen - Amtsärzte, Epidemieärzte, Juristen und Assistenzpersonal - für das Contact Tracing im Einsatz. Zurzeit richte sich der Personaleinsatz nach dem aktuellen Bedarf. Fallweise werde auch polizeiliche Assistenzleistung in Anspruch genommen, die Entscheidung fälle die jeweilige Bezirksverwaltungsbehörde, teilte das Land auf APA-Anfrage mit.

Das Contact Tracing erfolge per Telefonanruf unverzüglich nach Eintreffen der Meldung eines Verdachts-/Erkrankungsfalles. Derzeit könne die Zielvorgabe von zwei mal 24 Stunden innerhalb derer der Erkrankte isoliert und die Kontaktpersonen erhoben werden, eingehalten werden. Der Verdachtsfall bzw. die aktuell positiv getestete Person wird intensiv auf zwischenmenschliche Kontakte in den letzten 48 Stunden vor Symptombeginn befragt. Dabei beziehe man sich auf alle Lebensbereiche: Privates Umfeld, Freizeit, Arbeitsplatz, Verkehrsmittel, wahrgenommene Termine wie etwa bei Ärzten oder Friseur, Veranstaltungen, Kaufhausbesuche u.a.m.

Kontaktpersonen werden in Kategorien eingeteilt

Nachdem die Kontaktpersonen in "enger Kontakt" und "loser Kontakt" (Kategorie I und II) kategorisiert wurden, werden diese mittels behördlicher Bescheide entweder abgesondert oder einer Verkehrsbeschränkung unterzogen. Verdachtsfälle bzw. Erkrankungsfälle werden im nationalen EMS erfasst. Kontaktpersonen (Kategorie I und Kategorie II) erhalten den entsprechenden Bescheid (Absonderung/Verkehrsbeschränkung). Nachdem die Bezirksverwaltungsbehörden für den Vollzug des Epidemiegesetzes zuständig sind, werden sämtliche Informationen dort verwaltet, hieß es.

(APA/Red)

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