"Chimärer Impfstoff": Universeller Grippeimpfstoff meisterte klinische Phase I Studie

Anders als herkömmliche Influenza-Impfstoffe: Österreichische Forscher in den USA entwickelten ein revolutionäres Influenza-Vakzin
Anders als herkömmliche Influenza-Impfstoffe: Österreichische Forscher in den USA entwickelten ein revolutionäres Influenza-Vakzin ©APA/DPA/Marcus Brandt (Sujet)
Durchbruch: Österreichische Forscher in den USA entwickelten ein Influenza-Vakzin, das nicht mehr jede Saison adaptiert werden muss. Zwei bis drei Impfungen könnten lebenslang gegen Influenza schützen.
Aktuelle Entwicklung der Grippe in Wien
Interesse an Grippeimpfung groß

Alle Jahre wieder rätseln Mediziner, welcher Grippestamm die Menschen in der Wintersaison heimsuchen wird, um einen hoffentlich passenden Impfstoff herzustellen. Mit einer Mischung aus veränderlichen und stets gleichen Oberflächenelementen der Influenza Viren kreierten in New York (USA) forschende Österreicher einen "chimären Impfstoff". Er bewährte sich gegen verschiedene Stämme in einer klinischen Phase I Studie, die nun im Fachjournal "Nature Medizine" erschien.

So agieren Influenza-Viren

Influenza-Viren tragen an der Außenseite einen Eiweißstoff namens "Hämagglutinin", mit dem sie an den menschlichen Zellen andocken, um eindringen zu können. Die meisten saisonalen Grippe-Impfstoffe machen das Immunsystem auf dessen exponierten "Kopf"-Abschnitt aufmerksam, damit es die Viren daran erkennt und zerstört. Doch er ist bei den vielen Stämmen sehr unterschiedlich und wandelt sich ständig. Ein Team um die österreichischen Virenforscher Florian Krammer, Peter Palese und Raffael Nachbagauer, die an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York forschen, entwickelte einen Impfstoff, der das Immunsystem gegen den bei allen Stämmen äußerst ähnlichen "Stamm"-Abschnitt von Hämagglutinin scharf macht.

Starke Immunantwort gegen den Stamm erzielt

"Er ist chimär, was bedeutet, dass wir einen Stamm mit verschiedenen Kopfdomänen kombiniert haben", erklärte Krammer der APA: "Indem man mehrfach impft, aber immer eine andere Kopfdomäne verwendet, kommt es zu einer starken Immunantwort gegen den Stamm". Bisher hat man den Stamm nicht als Erkennungsziel verwendet, weil er nicht so exponiert wie der Kopf ist und ohne solche Tricks vom Immunsystem kaum beachtet wird.

Der chimäre Impfstoff hat sich in einer klinischen Phase I Studie bei 65 Personen zwischen 18 und 39 Jahren als wirksam und sicher erwiesen, berichten die Forscher im Fachartikel. Die Probanden zeigten mindestens 18 Monate lang eine starke Immunantwort gegen Grippeviren. In der nächsten Phase der Entwicklung soll der Impfstoff bei bis zu 59 Jahre alten Menschen getestet werden, so Krammer.

Zwei bis drei Impfungen könnten lebenslang gegen Influenza schützen

Mit diesem Impfstoff könnte man nach zwei bis drei Impfungen lebenslänglich vor Influenzaviren geschützt sein, meint er: "Man bräuchte dann also keine jährliche Grippeimpfung mehr." Mit dem neuen, universellen Impfstoff, der eine Immunantwort gegen ein breites Spektrum an Influenzaviren auslöst, wäre man wohl auch gegen neu auftretende Influenza-Unterarten (Subtypen) geschützt. Damit könnte man Pandemien wie aktuell bei Covid-19 in Zukunft mit Influenza vermeiden, so Pandemien wie aktuell bei Covid-19 in Zukunft mit Influenza vermeiden, so Krammer in einer Aussendung. Die saisonale Grippe sei aber auch ohne pandemische Ausmaße wie 1918 mit 40 Millionen Toten eine große Gefahr für die Gesundheit, immerhin sterben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich 650.000 Menschen daran.

Jährliche Impfaktionen gegen Influenza wären passé

Außerdem könnte man sich die jährlichen Impfaktionen sparen, die immerhin einen großen Aufwand erfordern und viel Geld kosten, erklärten die Forscher. Das würde vor allem ärmeren Ländern zugute kommen, die kaum das Geld und die Logistik haben, um ihrer Bevölkerung jährlich eine Grippeimpfung zukommen zu lassen.

Mehr dazu hier.

(APA/Red)

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • "Chimärer Impfstoff": Universeller Grippeimpfstoff meisterte klinische Phase I Studie
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen